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Daniel 8

Bibeltext · Daniel 8Schlachter 1951
1Im dritten Jahre der Regierung des Königs Belsazar erschien mir, Daniel, ein Gesicht, nach jenem, welches mir im Anfang erschienen war. 2Und ich schaute im Gesichte, und es war, während ich schaute, als ob ich mich in der Burg Susa, die in der Landschaft Elam liegt, befände, und ich sah mich im Gesicht am Flusse Ulai. 3Und ich hob meine Augen auf und schaute und siehe, da stand vor dem Flusse ein Widder, der hatte zwei Hörner, und beide Hörner waren hoch; aber das eine war höher als das andere, und das höhere wuchs zuletzt. 4Ich sah, wie der Widder gegen Westen, Norden und Süden stieß und daß kein Tier vor ihm bestehen und niemand aus seiner Gewalt erretten konnte; sondern er tat, was er wollte, und ward groß. 5Während ich nun aufmerkte, siehe, da kam ein Ziegenbock von Westen her über die ganze Erde, ohne den Erdboden zu berühren; der Bock aber hatte ein ansehnliches Horn zwischen seinen Augen. 6Und er kam auf den Widder los, der zwei Hörner hatte, den ich vor dem Flusse stehen sah, und lief wütend mit seiner ganzen Kraft gegen ihn an. 7Und ich sah, wie er nahe an den Widder herankam und sich erbittert auf ihn warf und den Widder schlug und ihm seine beiden Hörner zerbrach; und da der Widder nicht stark genug war, um ihm standzuhalten, warf er ihn zu Boden und zertrat ihn; und niemand rettete den Widder aus seiner Gewalt. 8Der Ziegenbock aber ward sehr groß; als er aber am stärksten war, zerbrach sein großes Horn, und es wuchsen an dessen Statt vier ansehnliche Hörner auf, nach den vier Himmelsgegenden hin. 9Und aus einem derselben wuchs ein kleines Horn hervor, das tat außerordentlich groß gegen den Süden und gegen den Osten und gegen das herrliche Land. 10Und es wagte sich bis an das Heer des Himmels heran und warf von dem Heer und von den Sternen etliche auf die Erde und zertrat sie. 11Ja, bis zum Fürsten des Heeres erhob es sich, und von ihm ward das beständige [Opfer] aufgehoben und seine heilige Wohnung verwüstet. 12Und ein Heer ward gesetzt über das beständige [Opfer], durch Übertretung; und die Wahrheit wurde zu Boden geworfen, und sein Unternehmen gelang ihm. 13Und ich hörte einen Heiligen reden; und ein anderer Heiliger fragte den Betreffenden, der da redete: Wie lange sollen nach dem Gesicht die Aufhebung des beständigen [Opfers] und der verheerende Frevel und die Zertretung des Heiligtums und des Heeres währen? 14Er sprach zu mir: Bis daß es zweitausend und dreihundertmal Abend und Morgen geworden ist; dann wird das Heiligtum in Ordnung gebracht werden! 15Es begab sich aber, als ich, Daniel, das Gesicht sah und es zu verstehen suchte, siehe, da stand es vor mir wie die Gestalt eines Mannes. 16Und ich hörte vom Ulai her eine Menschenstimme, welche rief und sprach: Gabriel, erkläre diesem das Gesicht! 17Da kam er neben mich zu stehen; als er aber kam, erschrak ich so sehr, daß ich auf mein Angesicht fiel. Und er sprach zu mir: Wisse, Menschensohn, daß das Gesicht auf die Zeit des Endes geht! 18Als er aber mit mir redete, sank ich ohnmächtig zur Erde auf mein Angesicht. Er aber rührte mich an und stellte mich wieder auf meinen Standort. 19Und er sprach: Siehe, ich tue dir kund, was das Zorngericht für einen Ausgang nehmen wird; denn zu einer bestimmten Zeit wird das Ende sein. 20Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, das sind die Könige der Meder und Perser. 21Der zottige Ziegenbock aber ist der König von Griechenland; und das große Horn zwischen seinen beiden Augen ist der erste König. 22Daß es aber zerbrach und an seiner Statt vier andere aufgekommen sind, bedeutet, daß aus dem Volk vier Königreiche entstehen werden, doch nicht von der Stärke, die jener hatte. 23Aber am Ende ihrer Regierung, wenn die Übertreter das Maß voll gemacht haben, wird ein frecher und listiger König auftreten. 24Er wird stark sein, aber nicht in eigener Kraft; und er wird ein erstaunliches Verderben anrichten, und es wird ihm gelingen, Starke zu verderben und das Volk der Heiligen. 25Und ob seiner Klugheit und weil ihm der Betrug in seiner Hand gelingt, wird er sich in seinem Herzen erheben und viele in ihrer Sorglosigkeit verderben und wider den Fürsten der Fürsten auftreten, aber ohne Handanlegung zusammenbrechen. 26Was aber über das Gesicht von den Abenden und Morgen gesagt worden ist, das ist wahr; und du sollst das Gesicht versiegeln, denn es bezieht sich auf fernliegende Tage. 27Aber ich, Daniel, lag mehrere Tage krank, ehe ich wieder aufstehen und die Geschäfte des Königs besorgen konnte. Ich war aber ganz erstaunt über das Gesicht und verstand es nicht.
Im Weg durch die Bibel · DanielLesen mit Erklärung: 2300 Abende und Morgen

Studienheft «Daniel – neu entdeckt»

Jahr-Tag-Prinzip – Zwei Hörner – Heiligtum – Die Zahl 2300 · Seiten 63–88. Bibelstellen im Text kannst du antippen.

Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 63

Daniel 8

Das achte Kapitel des Buches Daniel beginnt mit den äusserst bedeutsamen Worten: «Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Belsazar erschien mir, Daniel, ein Gesicht, nach jenem, das mir zuerst erschienen war.»
Hier ist ein entscheidender Anhaltspunkt zum Verständnis nicht nur des 8. Kapitels, sondern aller Weissagungen Daniels. Die tiefe Bedeutung von Daniels Visionen kann erst dann verstanden werden, wenn man jede Visison mit der anderen vergleicht. In diesem Fall stellt die Einleitung des 8. Kapitels die Verbindung mit dem 7. Kapitel her. Die Kapitel 7, 8 und 9 stehen in enger Verbindung zueinander. Die früheren Visionen werden erklärt, erweitert und ergänzt durch die folgenden.

Das Jahr-Tag-Prinzip

«1 Tag für 1 Jahr»

Die überlieferte «Formel» des Jahr-Tag-Prinzips wird wie folgt erklärt:

Der eigentliche Zweck kann in folgenden Punkten zusammengesetzt werden:

  1. Die Gemeinde sollte nach der Himmelfahrt Jesu in lebendiger Erwartung seines baldigen Kommens in Herrlichkeit bleiben.
  2. Nach dem göttlichen Rat sollte eine lange Zeitperiode von fast 2000 Jahren zwischen dem ersten und dem zweiten Advent eingefügt werden, die als «Gnadenzeit» für die Heiden gekennzeichnet ist.
  3. Glaube und Hoffnung der Gemeinde sollten ob der Länge dieser Zeit nicht schwächer werden. Ein grosser Teil des prophetischen Zeitraums wurde in einer Weise angekündigt, dass seine wahre Dauer erst erkannt würde, wenn das Ende absehbar wäre.
  4. In den symbolträchtigen Prophezeiungen von Daniel und Offenbarung sollten andere prophetische Zeiten offenbart werden und damit einer gemeinsamen Deutung unterliegen.
  5. Diese bildhaft offenbarte Zeitperiode kommt allein bei Daniel und in der Offenbarung vor und steht in Beziehung zur Geschichte der Gemeinde zwischen der Zeit der Prophetie und dem zweiten Advent.
  6. In diesen Vorhersagen stellt jeder Tag ein tatsächliches Jahr dar wie in der Vision Hesekiels. Ein Monat, also 30 Jahre und eine «Zeit» = 360 Jahre (nach jüdischer Zeitrechnung). (4. Mose 14, 34; Hs. 4, 6)

(Aus: «Daniel», Desmond Ford, Southern Publishing Association)

S. 64 Zwei Hörner – Rom und Griechenland – ein Vergleich
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 64

Zwei Hörner – Rom und Griechenland – ein Vergleich

Kriterienkleines Horn in Dan. 7
Rom
kleines Horn in Dan. 8
Griechenland
a) HerkunftAus dem Schädel des vierten Tieres, welches das kaiserliche Rom darstellt. (Gedankenwelt)Aus einem der vier Winde, d. h. der vier Himmelsrichtungen (Geistesströmungen) aus Norden (Finsternis).
b) Zeit der EntstehungNach dem Zerfall des 10-hörnigen römischen Kaiserreiches, nimmt den Platz von 3 verdrängten Hörnern ein (ab 5. Jh. n. Chr.)Gleich nach dem Zerfall des Alexanderreiches in die 4 Diadochenreiche ab dem 4. Jh. v. Chr., bevor Rom Weltmacht geworden war.
c) WirkungsweiseVerfolgung der Heiligen
Änderung des göttlichen Gesetzes
Änderung der Tempelzeiten
(Bezug zum Heiligtum)
Verwüstung des Heiligtums
wirft Sterne zur Erde, zertritt sie
reisst «Tägliches» an sich
schlägt die Wahrheit zu Boden
d) Datierte Wirksamkeit
d) Undatierte Wirksamkeit
Eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit (1260 Jahre)
Bis Gerichtszeit und Ende (Krönung – Vorherrschaft – Abfall der Kirche)
2300 Abende und Morgen (bis 1844)
Bis und mit Welt-Jom-Kippur
e) Stellung zu «Israel»Feindlich, unterdrückend, antibiblisch antisemitisch, antijesuanisch, sabbatfeindlich«Israel» als Kampffeld zwischen dem «Nord- und Südkönig» bis zum Ende der Welt, zur Erscheinung des Engelfürsten Michael
f) Deutung, ErfüllungRömische Papstmacht seit Anspruch des Bischofs von Rom auf die Alleinherrschaft über die gesamte Christenheit (6. Jh. n. Chr.)Hellenismus, Vermischung von griechischer Philosophie, persischer Mystik und Christentum zum Gnostizismus (apokal.-Babylon)

Weil die beiden Hörner seit Konstantin immer mehr verschmelzen, werden im so genannten «christlichen Abendland», besonders seit dem frühen Mittelalter (ab 6. Jh.), beide kleinen Hörner auf das Papsttum bezogen. Die Bibel zeigt uns aber deutlich die beiden Wurzeln des bis zum Ende bestehenden feindlichen, politreligiösen Machtsystems auf. Politisch gesehen wurzelt das römische Kirchensystem, besonders was seine Strukturen anbetrifft, im römischen Kaiserreich und in der babylonischen Weltmachtsidee. Das Papsttum ist eine Institution von des Kaisers Gnaden (nicht Gottes Gnaden). Was den geistlichen Hintergrund angeht, bestätigt Benedikt XVI. in seiner Regensburger Rede 2006 und in Fernsehinterviews, dass der römische Katholizismus im Hellenismus wurzelt. Dies ist verständlich, weil die Römer Mythologie, Philosophie, Mysterienkulte, Kunst und Wissenschaft nahtlos übernommen haben. Neu dazu kamen vor allem das römische Rechtsdenken, taktischer Militarismus und Kolonialismus. Griechisch war die Weltsprache.

Das AT (Septuaginta) und das NT, wie auch die christliche Kirchensprache, waren griechisch. Jeder Gebildete sprach damals Griechisch. Die Bibel wurde erst im 3./4. Jh. ins Lateinische übersetzt (Vulgata).

S. 65 Der Ziegenbock in Daniel 8 und seine Metamorphose
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 65

Der Ziegenbock in Daniel 8 und seine Metamorphose

Abbildung im Buch: Zeichnung: Kopf eines Steinbocks mit einem grossen, nach hinten gebogenen Horn.

Der Ziegenbock, Dan. 8, 21, steht für Griechenland. Das einzige Horn zwischen den Augen stellt seinen ersten, mächtigen Heerführer, Alexander den Grossen dar, der die vorhergegangenen Weltreiche (Persien und Babylon) ganz einnimmt und viele neue, bis nach Indien reichende, Gebiete erobert. Doch auf der Höhe seiner Macht stirbt er mit nur 33 Jahren unerwartet an Malaria. Das Horn des Ziegenbocks ist nun zerbrochen.

Abbildung im Buch: Zeichnung: Ein Ziegenkopf, auf dem ein vierzackiger Stern mit den Himmelsrichtungen N, W, O, S liegt.

Nach Alexander wird das neue Reich geografisch unter 4 Generäle aufgeteilt, dargestellt durch die 4 Hörner, die anstelle des abgebrochenen in die 4 Winde wachsen. Dies bedeutet, dass der griechische Geist als Hellenismus in die ganze bekannte Welt getragen wurde. Die griechische Sprache wurde Weltsprache. Kulturgüter jeder Richtung überfluteten als Geistesströmung die Völker. Das AT wurde übersetzt (Septuaginta), das NT im Urtext gleich griechisch geschrieben.

Abbildung im Buch: Zeichnung: Ein Horn wächst vom «herrl. Land» (S) nach oben (N) bis zum «Heer des Himmels»; ein Pfeil zeigt nach Osten (O).

Heer des Himmels
N W O S
herrl. Land

Nachdem der Teppich des Hellenismus gelegt ist, wächst darauf von Norden her ein neues Horn. Das Besondere an ihm ist seine Stossrichtung. Hatte sich das ursprüngliche eine Horn des Ziegenbocks gegen den Widder, d.h. gegen Persien gerichtet, so peilt diese Geistesströmung das herrliche Land (Israel), seinen Tempel (Erlösungsplan), das Heer des Himmels (= Sterne, Botschafter des Heils), ja den Himmelsfürsten (Michael, Tägliches, Wahrheit) an. Es bedroht den Osten (Tempelzugang Dan. 8, 8. 9), den Weg für König und Könige vom Aufgang der Sonne (Offb. 7, 2; 16, 12) bis zum Ende der Tage.

Abbildung im Buch: Zeichnung: Pfeile von «Norden / Seleukiden» und von «Ptolemäer / Süden» zeigen auf «Herrliches Land / Tempel» in der Mitte.

Norden Seleukiden
Herrliches Land Tempel
Ptolemäer Süden

In der ausführlichen Erklärung ab Dan. 11 tritt mit Vers 5 eine Wende ein. Das Bild des Ziegenbocks fällt weg, unter den 4 Nachfolgern Alexanders wird nur noch von Königen des Nordens (Seleukiden) und des Südens (Ptolemäer) gesprochen bis in Vers 13 ein namenloser Dritter («Er») auf der Bühne (Palästina, Judäa) erscheint (Rom) und alle politisch und kulturell vereinnahmt. West (Meer) und Ost (Gerüchte) werden erst am Ende (V. 45 ff) wieder kurz erwähnt, wenn sich alle «Hörner», grosse und kleine aus Daniel und Offenbarung global vereinen.

S. 66 Seite 66
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 66

Um beim biblischen Bild vom Horn zu bleiben: Hörner bestehen im Unterschied zu Geweihen aus einem knöchernen Zapfen als Kern und dem darüber gestülpten, abziehbaren, «Horn» aus klauengleichem, organischem Material. So ist das römische Kirchensystem im Kern hellenistisch (z. B. platonischer Seelenbegriff) und in der äusseren Erscheinungsform durch und durch römisch geprägt, wenn wir die hierarchische Struktur betrachten: Sklaven, Bürger, Beamte, Senat, Kaiser – Kirchenvolk, Ordensleute, niederer und höherer Klerus, Kardinalskollegium, Papst.
Problematisch ist auch die aus diesen Strukturen resultierende, totale Abhängigkeit der Laien und Untergebenen von den «Oberen», den «hochwürdigen» Sakraments- und Machtverwaltern. (Deshalb kein direkter Weg zu Gott, sondern nur über die Kirche)

Abbildung im Buch: Flussdiagramm: Oben vier Kästen (Babylon, Medo-Persien, Griechenland, Rom). Medo-Persien und Griechenland münden ins Alexanderreich und den Hellenismus; Babylon und Rom laufen mit langen Pfeilen direkt zu «Konstantin»; darunter folgt «Römischer Katholizismus». Links Zeitangaben, rechts Deutungen.
BabylonMedo-PersienGriechenlandRom
Imperialismus
Gottkaisertum
Tor zum Himmel (Babel)
Mystizismus / Esoterik
Unfehlbarkeit
Philosophie
Hellenismus
Synkretismus
Juristerei
Zentralismus
Pantheismus
ZeitStufeDeutung
4. Jh. v. Chr. – Dan. 8–11Alexanderreich
Seleukiden
Sadduzäer
Dan. 8–11
3. Jh. v. –2. Jh. n. Chr.Hellenismus
Gnostizismus
ins Judentum
ins Christentum
Geist
Kleines Horn A
4. Jh. n. Chr. – Dan. 7Konstantin
Juristerei
Pontifex maximus
Klerikalismus
Staatskirche
Dan. 7 – Leib
Form
System
Kleines Horn B
6. Jh. n. Chr.Römischer Katholizismus
Cäsaro-Papismus
Extra ekklesiam nulla salus*
Gestalt – Status
Mischwesen
Historisches Unikat
666

*Ausserhalb der Kirche kein Heil (babylonischer Absolutismus)

S. 67 Glaube – Vernunft – Universität
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 67

Glaube – Vernunft – Universität

Papstrede in Regensburg vom 12. September 2006

Gemäss der von Papst Benedikt XVI. (vorher: Kardinal Ratzinger) verfassten Enzykliken darf angenommen werden, dass wenn er von biblischem Glauben, Christentum oder der christlichen Kirche spricht, er natürlich an alles Römisch-Katholische denkt. So hat er als Kardinal in einem Gespräch im NDR um 2000 klar ausgedrückt, dass die Grundlagen der römischen Kirche mehr auf dem Hellenismus beruhen als auf der Bibel.
Die folgenden Zitate aus der berühmten Rede an der Universität Regensburg bestätigen diese Aussage:

«Es ist nur griechisch zu glauben, dass vernunftwidrig zu handeln, dem Wesen Gottes zuwider ist, oder gilt das immer und in sich selbst? Ich denke, dass an dieser Stelle der tiefe Einklang zwischen dem, was im besten Sinne griechisch ist und dem auf der Bibel gründenden Gottesglauben sichtbar wird …

Das Zusammentreffen der biblischen Botschaft und des griechischen Denkens war kein Zufall …

Komm herüber und hilf uns! (Apg. 16, 6–10) … diese Vision darf als Verdichtung des von innen her nötigen Aufeinanderzugehens zwischen biblischem Glauben und griechischen Fragen gedeutet werden …

Manuel II. hat wirklich aus dem innern Wesen des christlichen Glaubens heraus und zugleich aus dem Wesen des Hellenistischen, das sich mit dem Glauben verschmolzen hatte, sagen können: «Nicht mit dem Logos» handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider.

Dieses hier angedeutete innere Zugehen aufeinander, das sich zwischen biblischem Glauben und griechischem, philosophischen Fragen vollzogen hat, ist ein nicht nur religionsgeschichtlich, sondern weltgeschichtlich entscheidender Vorgang, der uns auch heute noch in Pflicht nimmt. …

Diese Begegnung (Hellenismus/Christentum), zu der dann noch das Erbe Roms hinzutritt, hat Europa geschaffen und bleibt die Grundlage dessen, was man mit Recht Europa nennen kann …

Denn das neue Testament ist griechisch geschrieben und trägt in sich selber die Berührung mit dem griechischen Geist, die in der vorangegangenen Entwicklung des alten Testaments gereift war.»

Die vier Himmelsrichtungen als Symbole

Abbildung im Buch: Zeichnung einer Kompassrose.

Westen:

• Gegenteil von Anfang, Sonnenuntergang, griechische Philosophie (Hellenismus), Einnachtung
• Anti = anstelle von, Stellvertreter lat: gegen

Norden:

• Finsternis, Mystizismus, Verdunkelung der Wahrheit Der Feind kam immer von Norden (in Israel): Babylon – Assyrien; Syrien – Israel

Süden:

1. Sinai
• Gesetzgebung (vom Tempel aus gesehen (in) Jerusalem)
• Alles, was jüdisch ist

2. Weiter südlich
• Ägypten = Vielgötterei, Götzendienst, Verstockung

Osten:

Aufgang der Sonne
• Licht
• Ursprung Könige vom Aufgang der Sonne = Könige vom Ursprung (Offb. 16, Euphrat vertrocknet)
• Alte Auslegung: China
• Neue Auslegung: Euphrat = Lebensader Babylons, keine geografische Bedeutung
• Babylon = Vermischung der Lehren
• Apokalyptisches Babylon = Macht, Handel
• Flüsse waren die Handelswege

S. 68 Das himmlische Heiligtum wird gerechtfertigt
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 68

Das himmlische Heiligtum wird gerechtfertigt

Dan. 8, 1-12

Ein Vergleich der Prophezeiungen

Daniel 7
Politische Bedeutung
«Satanische» Schöpfungen
Daniel 8
Religiöse Bedeutung
Opfertiere (Tempelbezug)
Daniel 8
Biblische Erklärung
1. 4 Tiere: Weltreiche
Löwe: Babylon
Bär: Medo-Persien
Leopard: Griechenland
Greul. Tier: Rom
(Anm.: Drache = Satan, nicht Rom, 4. Tier ist namenlos)
1. Widder mit 2 Hörnern, das grössere kommt später auf
Ein Ziegenbock von Westen, der die Erde nicht berührt, besiegt den Widder (Vers 1-8)
1. a) Medo-Persien mit Persien als zuletzt aufsteigende Macht (Vers 20). (Im Licht der schwindenden Macht Babylons nicht so dargestellt wie in Kapitel 7.)
b) Griechenland, seine schnellen Eroberungszüge, sein bemerkenswerter König Alexander und die Teilung seines Reiches in vier Teile (Dan. 8, 2-22)
Ägypten, Syrien, Rom (Mazedonien)
Hellenismus
2. Kleines Horn (Dan. 7, 2. 20. 21) unterdrückt Gottes Volk2. Kleines Horn wirft das Heer des Himmels und Sterne herab. (Dan. 8, 9. 10; Offb. 12, 7)2. Politisch-religiöse Macht, die Gottes Volk verfolgt, verdreht die Wahrheit und entweiht das Heiligtum (Dan. 8, 23-25)
3. Ein Mund, der grosse Dinge gegen den Höchsten spricht (Dan. 8, 25)3. Entweiht das Heiligtum, tritt die Wahrheit zu Boden (Dan. 8, 12)
4. Das Gericht tagt und nimmt die Vorherrschaft jener Macht weg (Dan. 8, 10. 26)4. «Bis 2300 Abende und Morgen vergangen sind, dann wird das Heiligtum wieder gerechtfertigt werden. (Dan. 8, 14)
5. Die Aufrichtung des ewigen Königreiches Christi (Dan. 8, 27)5. «Er wird sich auflehnen gegen den Fürsten aller Fürsten; aber er wird zerbrochen werden ohne Zutun von Menschenhand.» (Dan. 8, 25)3. Christus, der «Fürst aller Fürsten», siegt (Dan. 8, 25)
S. 69 Das Erlösungswerk Jesu Christi
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 69

Das Erlösungswerk Jesu Christi

Im Opferdienst Israels vorgeschattet

Abbildung im Buch: Zeichnung der Stiftshütte im Querschnitt: links der Vorhof mit Brandopferaltar, Priester und Waschbecken; in der Mitte das Heilige mit Leuchter, Schaubrottisch, Priester und Räucheraltar; rechts das Allerheiligste mit der Bundeslade.
S. 71 Alttestamentliches Heiligtum
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 71

Alttestamentliches Heiligtum

Um die «Reinigung des Heiligtums» verstehen zu können, ist es zuerst nötig, den Heiligtumsdienst zu begreifen. Das Heiligtum war von Mose nach den Anweisungen Gottes erbaut, war nach dem Modell aus einer Vision errichtet worden (2. Mose 25). Es wurde ihm auf dem Berg gezeigt (Hebr. 8, 5). In diesem Heiligtum gab es drei Abteilungen: den Vorhof, das Heilige und das Allerheiligste.
Im Vorhof stand ein Opferaltar, die Schlachtbank und ein kupfernes Wasserbecken. Das Heiligtum enthielt den siebenarmigen Leuchter, den Schaubrottisch und den Rauchopferaltar. Im Allerheiligsten befand sich die Bundeslade mit den beiden Steintafeln, auf welche Gott die Zehn Gebote geschrieben hatte.
Wenn jemand gesündigt hatte, brachte er sein Opfer zum Priester an den Brandopferaltar im Vorhof. Er bekannte seine Schuld, und mit seinen eigenen Händen schlachtete er das unschuldige Lamm. Der Priester fing das Blut in einem Gefäss auf und begab sich ins Heilige und sprengte das Blut vor den Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten abtrennte. Die Sünde wurde so von dem Sünder auf das Blut und von dort auf das Heiligtum übertragen. Durch diesen täglichen Dienst des Opferns, des Sündenbekennens und der Busse kam die Sünde durch das vergossene Blut ins Heiligtum.
Der Sünder hatte Gottes Gesetz übertreten, und das Blut befriedigte die Ansprüche des Gesetzes. Im Blut dieses Lammes lag real keine Kraft, die Sünde zu sühnen.
Der Sünder brachte das Lamm, dessen Blut vergossen wurde, um seinen Glauben und sein Vertrauen an den kommenden Messias zu bezeugen, der für ihn sterben und sühnen würde. Dies war eine Handlung des Glaubens (Glaubensgerechtigkeit).

Keine Vergebung ohne Blutvergiessen (Hebr. 9, 22)

Abbildung im Buch: Grundriss der Stiftshütte mit Symbolen der Gegenstände; rechts senkrechte Beschriftungen.
GegenstandBereich
Bundeslade
10 Gebote
Krug mit Manna
Mandelstab (Aaronstab)
Wohnung, Gegenwart Gottes
Rauchopferaltar
7-armiger Leuchter
Schaubrottisch
12 Schaubrote
Tempel «Himmlisches», Erlöste, «Abgesonderte» = Heilige
Wasserbecken (Meer zur Reinigung der Priester
Brandopferaltar tägliches Opfer abends und morgens, nur reine Opfertie
Schlachtbank
Alle Menschen, Entscheidung, Leben oder Tod, vorchristliches Zeitalter
S. 72 Schlachtbank und Kreuz
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 72

Schlachtbank und Kreuz

Mose erhielt genaueste Anweisungen für den Bau der Stiftshütte in der Wüste. Dabei gab es Vorschriften über die zu verwendenden Materialien und die Masse in Länge, Breite und Höhe. Dies galt auch für Angaben zum Bau aller Geräte, also der Bundeslade, den beiden Altären, des siebenarmigen Leuchters und des Schaubrottisches. Für alle Gegenstände durften nur Werkstoffe bester Qualität verwendet werden. Auch die Opfertiere mussten makellos sein. Keine Massangaben gab es nur für das Waschbecken, weil mit ihm die unermessliche Gnade im Erlösungsplan Gottes versinnbildlicht werden sollte.

Über die Schlachtbank finden sich in der Bibel keine Massangaben. Sie wird zwar in der Bibel erwähnt, aber nicht namentlich als Tempelgerät. Hingegen wird ganz deutlich von «Schlachten» (abgeleitet vom hebräischen schachath = schächten) der Opfertiere gesprochen. Die Schlachtbank ist aber in der Antike so eng mit der Tätigkeit des Schlachtens verbunden, dass sie ebenso wie das nicht erwähnte oder auch nicht beschriebene, aber stets verwendete Schlachtmesser oder Schwert als Selbstverständlichkeit zu betrachten ist.

Heute hängt man geschlachtete Tiere an den Füssen kopfüber auf, zieht ihnen das Fell ab und weidet sie aus. Von einer Vorrichtung mit Fleischhaken steht in der Bibel nichts, und es ist auch nicht denkbar, dass ein solcher «Galgen» im Vorhof gestanden hätte. Nachdem bei einem geschächteten Opfertier im Vorhof kein in Goldschalen aufzufangendes Blut mehr aus der Halsschlagader floss, wurde es, in die zu verbrennenden und die zum Essen bestimmten Teile zerlegt. Dies geschah aus Reinlichkeitsgründen wohl kaum auf dem Erdboden (bei Stiftshütte: Wüstenboden), sondern wie das allgemein üblich war, auf einer Schlachtbank (Luther nannte sie Fleischbank). Bei Schlachtungen ausserhalb des Tempels, für private säkulare Festmahle (1. Mose 18, 6–8; 2. Mose 12; 13-21–25; Matt. 22, 4; Lk. 15, 23. 27. 30) liess man alles Blut (Sinnbild für «Seele» = Leben) in der Erde versickern, verwendete die Felle zum Gerben für Bekleidung, Leder, Pergament und das Fleisch für die Küche.

In der Art der Schlachtung gab es keine Unterschiede zwischen dieser zuhause und jener im Vorhof von Stiftshütte oder Tempel. Buchstäblich «himmelweite» Unterschiede bestehen aber in der Bedeutung des Geschehens. In beiden Fällen wird Fleisch von Tieren gegessen aber nicht zum gleichen Zweck.
Zuhause Geschlachtetes dient der Ernährung. Im Tempel Geschlachtetes aber war Symbol der Schuldtilgung, der Danksagung, der Versöhnung mit Gott, also der geistlichen Ernährung. Diese «Nahrung» soll der Mensch sich genauso «einverleiben». Sie soll also in Fleisch und Blut (Seele) übergehen. Der Mensch soll mit Gott vereint werden (Joh. 17, 26). In diesem Sinne ist auch die metaphorisch-provokative Ankündigung Jesu zu verstehen, wenn er in Kapernaum sagt: «Ich werde euch mein Fleisch zu essen geben» bzw. «mein Fleisch ist die rechte (Gerechtigkeit schaffende) Speise und mein Blut der rechte Trank».
Zuvor bezeichnet er sich als Brot des Lebens und setzt dann Brot (tägliche Nahrung) seinem Fleisch (als Opferlamm) gleich. Dies alles, damit er in uns und wir ihn ihm bleiben (Joh. 6, 51–59). Zwischen Essen und «Essen» bestehen also grosse Unterschiede, die auf Leben und Tod gehen. Wer nun Jesu «Fleisch» isst, hat das ewige Leben (Joh. 5, 54) und wer an Jesus glaubt wie die Schrift sagt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers fliessen (Joh. 7, 38). Wer aber nicht unterscheidet zwischen profanem und geistlichem «Essen», der isst sich selber zum Gericht (1. Kor. 11, 27–29).

In Apg. 8, 26–40 liest der Kämmerer aus Afrika im Buch Jesaja 53, 7. 8 wie ein Mensch, gleich einem Lamm, je nach Übersetzung zur Schlachtbank zur Schlachtung oder zum Schlachten geführt wird. Probleme liegen in der Übersetzung und in der Deutung. Für Schlachtbank (Jes. 53, 7; Jer. 11, 19; 48, 15; 50, 27; 51, 40) oder Fleischbank (Spr. 7, 22) steht im Hebräischen wie in Jes. 65, 12; Jer. 12, 3 «Schlachtung».

Wenn auch der Tempeldienst stets auf Christus hinweist, die Verwirklichung ist nicht 1:1 die Symbolik. Die «Schlachtbank» im NT ist real das römische Kreuz. Jesus wurde nicht geschächtet und wie Tiere ausgeweidet. Sein Blut wurde auch nicht in Goldschalen aufgefangen und zur Besprengung des Vorhangs benutzt. Sein Fleisch wurde nicht zerteilt, verbrannt oder gegessen, aber unsere Herzen sind wie Goldschalen, welche das von Sünden reinigende Blut aufnehmen. Schlachtbänke sind, ebenso wie Kreuze, rein menschliche Geräte ohne Gottes Massangaben.

S. 73 Der grosse Versöhnungstag
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 73

Der grosse Versöhnungstag

Im Heiligtumsdienst gab es zwei grundlegende Symbole:
a) Priester
b) Opfer

Beide Symbole stellen Jesus Christus dar (Joh. 1, 29; Hebr. 10, 22; 8,1; 7, 25. 26). Christus ist das sterbende Lamm und zugleich der lebendige Priester. Beide Symbole sind notwendig, um den Dienst Christi vollkommen darstellen zu können.

Die Rechtfertigung des Heiligtums fand am Versöhnungstag oder «Yom Kippur», am 10. Tag des 7. Monats statt. (10: Gesetz ist erfüllt = Sühnung / Versöhnung ist geschehen, 7 = vollendet) Einmal im Jahr betrat der Hohepriester das Allerheiligste, um das Heiligtum zu «reinigen». Das ganze Jahr über war das Heiligtum durch die Sünde verunreinigt, die sinnbildlich durch das Blut des Opfers hereingetragen wurde.

Am Ende des Jahres wurden zwei Ziegenböcke ausgewählt. Der eine als «Sündenbock» (für Satan), der andere als «Bock des Herrn» (für Jesu Opfer). Zwei gleiche Böcke deshalb, weil beide, Jesus und Satan ihren Ursprung im Himmel haben.

Der «Bock des Herrn» wurde geschlachtet und sein Blut im Heiligtum versprengt, um damit das Werk der Reinigung zu vollziehen. Der Hohepriester trug symbolisch die Sünden des Heiligtums an seinem eigenen Körper und übertrug sie auf den Sündenbock, der vom Lager weg in die Wildnis geführt wurde.

So eindrucksvoll die verschiedenen Einzelheiten dieses Gottesdienstes auch waren, so stellt sich doch die Frage:
Welchen Sinn hatte diese Zeremonie für das Volk und den einzelnen Israeliten?

  1. Reinigung/Rechtfertigung
  2. Tag des Gerichts und der Versöhnung (3. Mose 23, 27-30)
  3. Tag der Begnadigung (Freispruch) (3. Mose 16, 29-33)

Tatsächlich war der grosse Versöhnungstag zugleich ein Gerichtstag. Nicht nur das Heiligtum wurde gereinigt, sondern auch das Volk. Es war ein Tag der ernsthaften Selbstprüfung, der Busse und des ernsten Gebets.

Verunreinigung des Heiligtums (oder Erlösungsplans)Reinigung des Heiligtums
2. Thess. 2, 4. 7
Dan. 8, 12
Dan. 11, 31; Dan. 12, 11
Apg. 3, 21
Dan. 8, 13. 14

Kleiner Exkurs

Am Versöhnungstag wurden zwei Ziegenböcke vor die Tür der Stiftshütte gebracht und das Los über sie geworfen, «ein Los dem Herrn und das andere dem Asasel» (3. Mose 16, 8). Der Bock, auf den des Herrn Los fiel, sollte als Sühnopfer für das Volk geschlachtet werden. Der Priester musste dessen Blut hinter den Vorhang bringen und es auf den Gnadenstuhl und vor den Gnadenstuhl sprengen. Auch musste es auf den Räucheraltar, der vor dem Vorhang stand, gesprengt werden.
Der andere Bock wurde in die Wüste geführt: «Da soll Aaron seine beiden Hände auf das Haupt des Bockes legen und bekennen auf ihn alle Missetat der Kinder Israels … und soll sie dem Bock auf das Haupt legen und ihn durch einen Mann, der bereit ist, in die Wüste laufen lassen, dass also der Bock alle Missetat auf sich in die Wildnis trage.» (3. Mose 16, 21. 22). Der Sündenbock kam nicht mehr in das Lager Israels, und der Mann, der ihn weggeführt hatte, musste sich und seine Kleider waschen, ehe er ins Lager zurück durfte. Diese Handlung war dazu bestimmt, den Israeliten die Heiligkeit Gottes und dessen Abscheu vor der Sünde einzuprägen. Jeder wurde, während dieses Versöhnungswerk vor sich ging, aufgefordert, seine Seele zu demütigen. Alle Beschäftigung musste beiseite gelegt werden, und die Israeliten hatten den Tag in feierlicher Demütigung vor Gott im Gebet und mit Fasten und gründlicher Herzenserforschung zuzubringen.

Der sinnbildliche Dienst liess wichtige Wahrheiten über die Versöhnung offenbar werden. Ein Stellvertreter wurde statt des Sünders angenommen; aber die Sünde konnte durch das Blut des Tieres nicht ausgetilgt werden. Es

S. 74 Seite 74
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 74

wurde dadurch nur ein Mittel vorgesehen, sie auf das Heiligtum zu übertragen. Durch das Darbringen des Blutes erkannte der Sünder die Autorität des Gesetzes an, bekannte seine Schuld der Übertretung und drückte sein Verlangen nach Vergebung aus, und zwar im Glauben an einen zukünftigen Erlöser; aber noch war er von der Verdammung des Gesetzes nicht ganz befreit. Am Versöhnungstag ging der Hohepriester, nachdem er von der Gemeinde ein Opfer angenommen hatte, mit dem Blut dieses Opfers in das Allerheiligste und sprengte es auf den Gnadenstuhl, unmittelbar über das Gesetz, um für dessen Ansprüche Genugtuung zu leisten. Dann nahm er als Mittler die Sünden auf sich selbst und trug sie aus dem Heiligtum. Er legte seine Hände auf den Kopf des lebenden Bocks, bekannte auf ihm alle Schuld und übertrug sie damit von sich auf den Bock, den man in die Wüste schickte. Die Sünden wurden jetzt für immer aus dem Volk geschieden.

So geschah der vollzogene Dienst als «Schattendienst des Himmlischen». Und was sinnbildlich im Dienst des irdischen Heiligtums getan wurde, geschieht während des Dienstes im «Himmlischen Heiligtum». Jesus ist unser Hohepriester. «Denn Christus ist nicht eingegangen in das Heilige, das mit Händen gemacht ist, sondern in den Himmel selbst, nun zu erscheinen vor dem Angesicht Gottes für uns.» (Hebr. 9, 24)

Der Dienst des Priesters während des ganzen Jahres in der ersten Abteilung des Heiligtums stellt den Dienst dar, den Christus mit seiner Himmelfahrt antrat. Es war die Aufgabe des Priesters während des täglichen Dienstes, vor Gott das Blut des Sündopfers und den Weihrauch darzubringen, der mit den Gebeten Israels emporstieg. So macht Christus vor dem Vater sein Blut für die Sünder geltend und bringt ihm mit dem köstlichen Wohlgeruch seiner Gerechtigkeit die Gebete der reumütigen Gläubigen dar.

Abbildung im Buch: Drei Fotos: ein Bauwerk mit spitzem, weissem Kegeldach; ein steinernes Grabhaus auf Stufen; ein in den Fels gehauenes Grabmal.

Grabstätte Daniels in Susa
Grabmal von Kyros, Persepolis, Iran
Grabmal Darius I. in Persepolis, Iran
Bilder: wikipedia/Pastaitaken

S. 75 Ein besonderer Tag
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 75

Ein besonderer Tag

Die Wichtigkeit dieses besonderen Tages im Erlösungsplan Gottes für seine Geschöpfe wird auch von der Anordnung im Text der fünf Bücher Moses eklatant sichtbar! Genau in der Mitte des hebräischen Textes, wortgenau abgezählt, erscheint der grosse Versöhnungstag Yom Kippur! Gott versöhnt sich mit seinem Volk!

Auch die Struktur / Entsprechungen innerhalb der ganzen fünf Bücher sind unübersehbar:

Abbildung im Buch: Grafik: Klammern verbinden A mit A' und B mit B'; C steht in der Mitte.
BuchInhalt
A1. Buch Mose (Genesis)Erste Verheissung (1. Mose 12, 7)
Segnung Jakobs (1. Mose 47)
B2. Buch Mose (Exodus)Ägypten – Wüste – Sinai
Passah (2. Mose 12)
Murren (2. Mose 15–17)
Heiligtum (2. Mose 25–40)
C3. Buch Mose (Leviticus) – Genau in der MitteOpfer und Vorschriften (3. Mose 1–15)
YOM KIPPUR (3. Mose 16)
Vorschriften und Opfer (3. Mose 17–26)
B'4. Buch Mose (Numeri)Ägypten – Wüste – Sinai
Passah (4. Mose 9)
Murren (4. Mose 11–20)
Camp
A'5. Buch Mose (Deuteronomium)Letzte Verheissung (5. Mose 34, 4)
Segnung Mose (5. Mose 33)
S. 76 Daniel 8, 11
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 76

Daniel 8, 11

Wegnahme des beständigen Opfers

… und es nahm ihm das beständige Opfer weg, und die Stätte (hebr.: Fundament!) seines Heiligtums wurde niedergeworfen …

Nach dem Zusammenschluss der beiden Hörner (Rom und Griechenland) zum Papsttum entwickelt sich der falsche Erlösungsplan immer mehr. Das Herzstück dessen finden wir im Messopfer der Römisch Katholischen Kirche. Täuschend ähnlich entwickelt sich ein neuer Opferdienst anstelle des alten, dargestellt im AT in der Stiftshütte. Man nimmt direkten Bezug auf Melchisedek, den ersten und wahren Hohepriester, mit folgenden Worten:

«Christus ist selbst der Opferpriester. Es ist nicht der Priester oder Papst, der das Opfer bringt, es ist Jesus selbst, unser Hohepriester nach der Ordnung des Melchisedek. Dieser verleiht dem Heiligen Messopfer seine hohe Würde.»

Zitate aus «Erklärungen des Heiligen Messopfers» von Pater Martin von Cochem, erschienen im Kanisius Verlag, Freiburg

Der hl. Chrysostomus «beweist» dies mit den Worten:

«Die Priester vertreten nur die Stelle von Dienern; derjenigen aber, welcher das Opfer heiligt, ist Jesus selbst, der beim letzten Abendmahl das Brot verwandelt hat. Dasselbe tut er bei der Heiligen Messe. Wenn du den Priester opfern siehst, glaube nicht, dass der Priester dies allein tue, sondern sei versichert, dass die unsichtbare Hand Jesu es vollzieht. Christus kommt vom Himmel herab, verwandelt das Brot und den Wein in seinen Leib und sein Blut, opfert sich selbst Gott dem Vater für das Heil der Welt …»

Dabei bezieht sich die Kirche nicht auf die Bibel, sondern auf ihre Kirchenväter, hier den «Heiligen» Chrysostomus, der in Visionen diese Weisungen bekam.

Jesus selbst «versicherte» auch der «Heiligen» Mechtild:

«Ich allein weiss und verstehe vollkommen, wie ich mich täglich auf dem Alter für das Heil der Gläubigen aufopfere …
Die heiligen Messen sind die Waffen der Gnade Gottes. Wir sollen darum Christus von Herzen danken, dass er für uns Arme Sünder das heilige Messopfer eingesetzt hat und sich darin dem himmlischen Vater täglich, ja stündlich für uns opfert!»

Pater Martin von Cochem schreibt weiter:
• Christus opfert sich für dich als Opfer der Genugtuung und zahlt einen Teil deiner Sündenstrafen.
• Durch die Heilige Messe kannst du mehr Sünden abbüssen als durch das schwerste Busswerk, denn Christus schenkt dir einen Teil seiner Verdienste, die du Gott dem Vater für deine Sünden aufopfern kannst.
• Christus opfert im Messopfer mehr, als der Vater von ihm begehrt. Darum kann der Vater seine Bitte nicht abschlagen.
• Weil die Heilige Messe eine Erneuerung des Leidens Christi ist, muss dasselbe geschehen wie einst auf Golgatha …

Abbildung im Buch: Foto: der goldene «Heilige Stuhl» (Cathedra Petri) im Petersdom mit dem Fenster der Taube darüber.

Der «Heilige Stuhl», vom Himmel sehnlichst erwartet … mit den vier Kirchenvätern Ambrosius, Augustinus, Athanasius und Johannes Chrystostomus.
Er steht im Vatikan im Petersdom.

Foto: Monika Stirnimann

Auch in der neuesten Ausgabe des Katechismus (1993) finden sich die folgenden Glaubenslehren:
1105: Die Epiklese ist die Bitte, in welcher der Priester den Vater anfleht, den Heiligen Geist zu senden, damit die Opfergaben zu Leib und

S. 77 Seite 77
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 77

Blut Christi werden. Du fragst, wie das möglich ist? Der Heilige Geist kommt und wirkt, was jedes Wort und jeden Gedanken übersteigt. Es genüge dir zu hören, dass es durch den Heiligen Geist geschieht.

1376: Das Konzil von Trient erklärte: Weil aber Christus sagte, dass das, was er unter der Gestalt des Brotes darbrachte, sei wahrhaftig sein Leib, herrschte in der Kirche Gottes stets diese Überzeugung. Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht die Verwandlung der ganzen Substanz von Brot und Wein in Leib und Blut Christi.

Diese Heiligen Messen werden jeden Tag von jedem Priester gelesen. Das heisst, dass Jesus sich jeden Tag Millionen Male wieder opfern müsste!

Die Bibel: Denn der Christus ist nicht eingegangen in das mit Händen gemachte Heiligtum, ein Gegenbild des wahrhaftigen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesicht Gottes für uns zu erscheinen; auch nicht, auf dass er sich selbst oftmals opferte, wie der Hohepriester alljährlich in das Heiligtum hineingeht mit fremdem Blut; sonst hätte er oftmals leiden müssen von Grundlegung der Welt an; jetzt aber ist er einmal in der Vollendung der Zeitalter geoffenbart worden zur Abschaffung der Sünde durch sein Opfer. Und ebenso wie es den Menschen gesetzt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht, also wird auch der Christus, nachdem er einmal geopfert worden ist, um vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Male denen, die ihn erwarten, ohne Sünde erscheinen zur Seligkeit! Hebr. 9, 24–28

Abbildung im Buch: Zwei Fotos: ein geschnitzter, vergoldeter Hochaltar in einer Kirche; ein dunkler, hölzerner Beichtstuhl.

Oben: Innenansicht der kath. Kirche Gams/SG
Rechts: Beichtstuhl
Fotos: Monika Stirnimann

S. 78 «Gräuel der Verwüstung»
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 78

«Gräuel der Verwüstung»

Dan. 8, 9–14; 9, 26b, 27

Als Daniel seine Visionen in Babylon hatte, gab es den israelitischen Tempel nicht mehr. Genauso war der herodianische Tempel zerstört, als Johannes ca. 90 n. Chr. die Apokalypse schrieb. Beide Propheten beziehen sich deshalb auf den visionären (himmlischen) Tempel. Dieser existiert als visionäres Gebäude ebenso wenig in der Realität wie z.B. die visionären apokalyptischen Tiere auf Erden. Wichtig ist, was sie alles bedeuten!

So kann auch das «himmlische Heiligtum» nicht verwüstet werden, wohl aber das, was es bedeutet. Die Verwüstung geschieht durch das aus dem Norden (Finsternis) heranwachsende kleine Horn – diese eine Macht, die sich gegen das Heer des Himmels richtet und die Wahrheit (das Licht des Evangeliums) zu Boden schlägt. Die Verwüstung dauert bis zur Endzeit, wenn Daniels Visionen entschlüsselt werden und dadurch das verwüstende Treiben des Horns entlarvt wird (Erkenntnis der Bedeutung des Heiligtums). Letztlich aber wird dem Verwüster das beschlossene Ende gemacht (Dan. 7, 26; 9, 27b; Offb. 9, 16).

Das visionäre Heiligtum stellt dar:

A
den göttlichen Erlösungsplan (göttliches Geheimnis)
B
die herausgerufene Gemeinde als lebendiges «Haus Gottes»
«gräuliche Verwüstungen» bedeuten hier:«gräuliche Verwüstungen» bedeuten hier:
Verdunkelung bis totale Verfinsterung der reinen evangeliumsgemässen Heilslehre, die auf der Glaubensgerechtigkeit fusst.Bildung der universalen römischen Staatskirche als (allein-)seligmachende Institution.
Vermischung von Christlichem mit Heidnischem (Traditionen röm. Sakralität).Verfolgung des freikirchlichen urchristlichen Gottesvolkes auf verschiedenste Arten – z.B. durch blutige Kreuzzüge gegen Christen und gegen alle Andersgläubigen allgemein (Offb. 16, 5. 6; 18, 24)
Falsche Anbetung durch falschen Gottesdienst (Messopfer und andere Rituale).Hinderung des Volkes am Wachstum und an der Erhaltung evangelischer Gotteserkenntnis durch totales Bibelverbot.
Kirchliche Machtausübung mittels Verwaltung von Heilsmitteln (Spenden oder Verweigern von Sakramenten), was Wegnahme (Diebstahl) des «Täglichen» (immerwährenden) Vermittlerdienstes (Heiligtumsdienstes) Jesu entspricht, durch nicht biblisch begründetes, hierarchisch-klerikales Priestertum.Kirchlicher Glaubenszwang (Inquisition)
Der Stellvertreter Christi («Antichrist») setzt sich in den Tempel Gottes (2. Thess. 2, 3–12).

Beides zusammen wird in der Apokalypse (besonders in der Posaunenvision) als falsche Anbetung, falscher Tempeldienst auf dem Hintergrund eines auf der Werksgerechtigkeit fussenden, vom Drachen erfundenen «Erlösungsplans», dargestellt. Die Christenheit betet wissend, meist aber unwissend, das Tier und damit indirekt den Schöpfer der apokalyptischen Tierwelt, den Drachen an. So ist es nicht verwunderlich, wenn der erste Engel in Offb. 14, 6 im Gegensatz dazu die Anbetung des wahren Schöpfergottes verlangt, das verwüstende System als Gefallenes entlarvt und mit dem dritten Engelruf das Plagengericht ankündigt.

S. 79 Die 4 Dimensionen des biblischen Heiligtums
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 79

Die 4 Dimensionen des biblischen Heiligtums

Abbildung im Buch: Grafik: Eine gelbe Raute «Tempel» in der Mitte; Pfeile nach oben (Achse), unten (Zeit-), links (Zeit-) und rechts (Achse) zu vier Beschriftungen, die durch gebogene Pfeile im Kreis verbunden sind.

Christus Hohepriester Bräutigam – Hirte
Himmlische Güter Erlösungsplan
Tempel
Zeitliches Heilsgeschichte
Gemeinde allg. Priestertum Braut – Herde
Zeit-Achse

Tempel betrifft Erlösungsplan
Dan. 7, 25 a… er ändert Gesetz und Festzeiten
Dan. 8, 11… er nimmt Tägliches (Opfer) weg
Dan. 8, 11c… er verwüstet die Wohnung des Heiligtums
Dan. 8, 12a… verübt Frevel am Täglichen (Opfer)
Dan. 8, 12b… schlägt Wahrheit zu Boden
Dan. 8, 13 (Offb. 11, 2b)… zusammenfassend: tägl. Opfer, verwüstender Frevel, Zertretung des Heiligtums (Lehre d. H.)
Dan. 8, 14… Heiligtum kommt wieder zu seinem Recht, wird wieder geweiht (Jom Kippur)
Dan. 9, 27… Gräuelbild der Verwüstung (Ersatzopferdienst, 2. Thess. 2, 1-12)
Dan. 9, 17-19… Heiligtum und Stadt werden zerstört
Dan. 9, 24… Sünde abgetan, ewige Gerechtigkeit gebracht, Schuld gesühnt, Weissagung erfüllt, Hochheiliges gesalbt
Dan. 11, 45… der Nordkönig stellt sein Zelt auf den herrlichen heiligen Berg
Tempel betrifft Gemeinde (Volk, Heer, Stadt, Land)
Dan. 7, 22… dass er Recht schaffte den Heiligen des Höchsten
Dan. 8, 9… kleines Horn wuchs gegen heiliges Land hin
Dan. 8, 10… bis an das Heer des Himmels und warf einige Sterne zur Erde und zertrat sie
Dan. 8, 11a… es wuchs bis zum Fürsten des Himmels
Dan. 9, 19… deine Stadt und dein Volk
Dan. 9, 24… 70 Wochen sind bestimmt über dein Volk und deine Stadt
Dan. 12 ,1… der Engelsfürst Michael tritt für sein Volk ein
Offb. 11, 2… den Vorhof miss nicht; denn er ist den Heiden gegeben und die heilige Stadt werden sie zertreten 42 Monate lang

Gewisse Texte weisen auf den Tempeldienst hin (z. B. tägl. Opfer), andere sind mehr auf die Gemeinde bezogen (z. B. Stadt, Himmelsheer, Offb. 17, 14; 19, 14) und dann gibt es solche, die in beide Richtungen gedeutet werden können (z. B. Verwüstung des Tempels). Die treffende Auslegung ergibt sich aus Kontext, Stuktur, Bildrahmen (einheitlichem Gedankengang).

S. 80 Abteilungen zum Heil
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 80

Abteilungen zum Heil

Sehr scharf sind die drei Abteilungen des Tempelbezirks als die drei «Zeiträume» im Erlösungsgeschehen voneinander getrennt. Da die drei Vorhangtore in einer Geraden von Ost nach West orientiert sind, ist zugleich auch das biblische Zeitverständnis dargestellt. Es hat nichts zu tun mit einer ewigen Wiederkehr des Gleichen (Aion zu Aion ist hebräisch zu deuten). Mit seinem ersten Kommen zu Beginn unserer Zeitrechnung hat Jesus das durch den Vorhof und den entsprechenden Dienst darin Vorgeschattete erfüllt (Kol. 2, 17; Hebr. 9, 24-26). So wird von ihm gesagt, er sei wie ein Schaf zur Schlachtbank geführt (Jes. 53, 7; Apg. 8, 30-32), aber die «Schlachtbank» war in Wirklichkeit das römische Kreuz. Der Kämmerer aus Äthiopien kannte zwar den Text, aber Philippus musste ihn deuten. In neutestamentlicher Zeit (ab Himmelfahrt und Pfingsten) verwirklicht Jesus die Symbole des Heiligen und den entsprechenden Dienst darin. So zeigt ihn uns die Apokalypse gleich in der ersten Vision als der unter den sieben Leuchtern wandelnde Priester Israels, in der Posaunenvision als den achten Priesterengel, der Rauchopfer darbringt und den Befehl über die Schofarbläser führt.

Der Abschluss des Dienstes (im Allerheiligsten) wird mit der neuen Erde in Erfüllung gehen (Offb. 21, 3). Die übrigen Abteilungen sind von einem Bereich zum anderen heilsgeschichtlich wie räumlich ebenso scharf markiert. Plötzlich erscheint Jahwe dem Moses im brennenden Busch, plötzlich zerreisst der Vorhang im herodianischen Tempel (Matt. 27, 50-53) und plötzlich, wie ein Dieb in der Nacht, verspricht Jesus, wiederzukommen (Offb. 16, 15). Das «Wort» ist ein Geschehen (z. B. Jer. 1, 4. 11. 13; 2, 1; Hes. 1, 3) und das Geschehen auch ein Weg, der begangene Heilsweg.

Abbildung im Buch: Schema: Ein waagrechter Weg von links nach rechts durch drei Abteilungen (mit Altarsymbolen); ein senkrechter Pfeil «Gericht» trennt den letzten Bereich: oben schwarz «In Gottes Gegenwart sein», unten grau «Abgrund ewiger Tod».

Weg des Volkes Gottes und Weg des Individuums zum Heil
Gottesferne
Zu Gott kommend Christus erkennend
Vor Gott stehend Christus folgend
Gericht
In Gottes Gegenwart sein
Wolke für die Erlösten (Engel) Feuer für die anderen Gericht (Reinigung)
Seelen unter dem Altar – Opfer des Glaubenszeugnisses – sie sind begraben, zu den Vätern getan – im Glauben Entschlafene – in Abrahams Schoss auf Erbteil Wartende (Dan. 12, 13; Offb. 14, 13)
Abgrund ewiger Tod Offb. 20, 14

Nicht nur für die Gemeinde gibt es die Zeitenwenden, auch die einzelnen Gläubigen durchlaufen auf dem Weg von der Gottesferne (Gottesfeindschaft) zur Gotteskindschaft verschiedene Phasen (Röm. 5, 10). Alle drei Vorhänge stellen auch Christus als die Tür zum Schafstall bzw. zum Leben dar (Joh. 10, 1-10). In einem ersten Schritt in den Vorhof gilt es, die persönliche Sündhaftigkeit zu bekennen und Christus, Opferlamm Gottes, das unsern Schuldbrief ans Kreuz geheftet hat, anzuerkennen (Kol. 2, 14). Über die Bekenntnistaufe (Wasserbecken, die Geburt aus Wasser und Geist) wird der Mensch Nachfolger (Freisklave) Christi und mit der Gotteskindschaft Erbe des Reiches. (Es steht ihm frei, wie Esau das Erbe auch auszuschlagen). Zum 7-armigen Leuchter (Offb. 1, 20c) und zum königlichen Priestertum (1. Petr. 2, 9) gehörend, steht der Mensch nun im Heiligen. Christus (der Hohepriester), bringt seine persönliche Anbetung (Weihrauch) vor Gott (Offb. 5, 8) und durch ihn, sein Fleisch als dritten Vorhang (Hebr. 10, 19-22), hat er Zutritt zum Gnadenthron. Es gibt auch hier nur den einen geraden, nicht umkehrbaren Weg ohne Umgehungsmöglichkeiten, ohne Hintertür.

S. 81 Seite 81
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 81

Jede der sieben Visionen der Offenbarung führt ans Endziel des Erlösungsplans, in den «Himmel»

VisionZielStelle
1. VisionThron GottesOffb. 3, 21
2. VisionThron Gottes, HimmelOffb. 7, 15-17; 8-1
3. VisionTempel, Bundeslade im HimmelOffb. 11, 19
4. VisionBerg Zion, HimmelsscheuneOffb. 14, 1-4; 15. 16
5. VisionHochzeit im HimmelOffb. 19, 1-9
6. VisionAuferstandene auf Thronen im HimmelOffb. 20, 4. 6
7. VisionHimmel auf ErdenOffb. 21, 3-7

Die Gemeinde wird sich auf der neuen Erde im «würfelförmigen Allerheiligsten», der «Hütte Gottes» befinden (Offb. 21, 3. 7. 16). Gott wird dann nicht mehr wie jetzt im «Dunkeln» wohnen, weil wir hier seine unmittelbare Gegenwart gar nicht ertragen könnten (1. Kön. 8, 10-13; 2. Chr. 6, 1. 2). Die Kinder des Lichts sehen ihn auf einer Wolke kommen, für die Kinder der Finsternis ist seine Erscheinung aber ein verzehrendes Feuer (Tag-, bzw. Nachterscheinungen über dem jüdischen Stiftshütten-Allerheiligsten). So steigen die Toten in Christus aus dem Hades (Gräberwelt) auf in die Gegenwart Gottes, weil der Tod keine Macht mehr über sie hat.

In der Hauptebene finden wir den einzigen Weg zu Gott. Dieser gilt sowohl für den einzelnen Menschen wie auch für die Gemeinde. In der dritten Stufe erkennen wir die göttliche Gerichtsbarkeit über den Heilsweg. Gott lässt sich nicht betrügen, er überwacht seinen Heilsplan und schützt seine Nachfolger vor Verirrung auf dem Heilsweg.

Beziehung Christus – Gemeinde

Wie der jüdische Tempelzeitplan (Kultjahr, Festkalender) den Ablauf des von Gott ausgehenden Heilswirkens (Heilsgeschehens) symbolisiert, so bekundet er damit auch die uns Menschen entgegengebrachte Liebe, denn lieben heisst ja auch Zeit haben. Der in Gleichnissen und in der Apokalypse auch als Bräutigam dargestellte Jesus verspricht: «Ich bin bei euch bis an der Welt Ende.» Damit macht er deutlich, dass die persönliche Beziehung zwischen den Brautleuten und zwischen Hirte und Herde die Jahrhunderte überdauert und letztlich auf Vereinigung ausgerichtet ist, was mit Hochzeit, Brautgemach, Hütte Gottes, Schafstall, Weide u.a. (Offb. 7, 17; 19, 7; 21, 3) versinnbildlicht wird.
Der Gemeinde werden quer durch die Apokalypse hindurch immer wieder die denkbar höchsten Liebesangebote gemacht. Die Offerten Gottes bleiben trotz allen menschlichen Versagens bis zum endlichen Rückzug (Verschliessung des Tempels = Ende der Gnadenzeit in Offb. 15) bestehen. Verloren geht nur, wer die himmlischen Angebote von sich weist, andern bewusst vorenthält, die Botschafter behindert, verfolgt, ja tötet.

Gesamtzusammenhänge

Der Erlösungsplan beinhaltet die Hinwendung des himmlischen Vaters zu den verlorenen Söhnen und Töchtern, also der ganzen Menschheit. Christus hat uns diese himmlischen Güter (Reichtümer des Himmels, «Himmelreich» in seinen Gleichnissen) übermittelt, er ist deshalb der oberste Brückenbauer, Bahnbrecher, der Weg. Mit der Sendung seines eigenen Sohnes in diese Welt, diesem göttlichen Opfer, wurde der Weg der Erlösung geöffnet (Joh. 3, 16). Dieser Weg besteht in der Heilszeit und diese Heilszeit bezieht sich auf den einzelnen Menschen wie auf die Gemeinde und die ganze Menschheit. Mit dem Gehen auf diesem Glaubensweg ist das Gehen unter der Gnade gemeint (2. Kor. 12, 9) und dies ist nicht mehr durch Rituale (Werke) zu bewerkstelligen. Gott muss nicht durch fromme Werke unsererseits günstig gestimmt werden, denn Christus hat die Welt mit Gott versöhnt (2. Kor. 5, 19; 1. Joh. 2, 2). Eine zusätzliche Nachversöhnung, egal in welcher Form, ist geradezu eine Beleidigung Gottes und wird als «Verwüstung des Heiligtums» bezeichnet. Die apokalyptischen Posaunenstösse sind gegen alle Verwüster (Verderber) gerichtet.

S. 82 Die Zahl 2300
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 82

Die Zahl 2300

Dan. 8, 13. 14

2300 Jahre Verwüstung des «Heiligtums» durch die Tiere
1260 Jahre Verwüstung der «Heiligen» durch achtes Horn

2300 ist die Zahl des Sonnenzyklus'. Nach 2300 Jahren erreicht die Sonne auf der Ekliptik (scheinbare Sonnenbahn innerhalb des «Tierkreises») immer wieder die gleiche Stelle. Die Zahl kommt in der Bibel nur einmal vor (Dan. 8, 14) und zwar in Verbindung mit dem Heiligtum, bzw. dem Frevel seiner Verwüstung durch den Ziegenbock (Griechenland, König Alexander d. Grosse) und seine Nachfolgermächte, zu denen auch das kleine, aber gross werdende Horn gehört. (In Dan. 8, 9-14 als besonders tückischer König bezeichnet). S. auch Dan. 9, 23-27.

Weil das gesamte Gesicht (Vision) in die Zeit des Endes führt (Dan. 8, 19. 26; 10, 14; 11, 45; 12, 1) ist diese Zeitangabe von grosser Bedeutung für das Erkennen des Beginns der biblisch-historischen «Endzeit». Und weil diese Vision den Kampf zwischen Christus und Satan darstellt, werden auch nur zwei Tiere (Opfer) verwendet. Das kleine Horn (Dan. 8) wächst aus einer der vier Himmelsrichtungen, aus dem Norden, der das gegen die andern gerichtete Reich der Finsternis (Mitternacht) darstellt. Es sind irdische Winde, irdische Geistesrichtungen. Auch diese Vision weist einen interessanten «Knick» auf. Der Kampf spielt sich vorerst zwischen West und Ost ab, schaltet dann aber plötzlich auf Nord gegen Süd.
Obwohl die neutestamentliche Apokalypse eine reine Tempelvision ist, findet sich diese Zahl nicht in ihr. Dass dem so ist, braucht nicht zu verwundern. Prophetische Zahlen können nur in die Zukunft weisen und ihr Anfangspunkt kann frühestens zur Zeit der Vision liegen. Die Offenbarung wurde Johannes am Ende des 1. Jahrhunderts gegeben. So würde deren Erfüllung, vom Jahr 100 an gerechnet, bis ins Jahr 2400 reichen und nicht nur bis 1844.

Um auf dieselbe Zahl (1844) zu kommen, müsste Johannes von 1740 Abenden und Morgen sprechen, dies würde aber keinen Sinn ergeben.
Staunend verwundern mag man sich umso mehr über die göttliche Weisheit, den Tiefsinn der biblischen Symbolsprache, wenn man erkennt, dass eben kein Zahlsymbol aus der Luft gegriffene Zufälligkeit ist. Sowohl Anfang- wie Endpunkt der 2300 Jahre werden nämlich durch einen Auszug aus dem jeweils zeitgemässen «Babylon» (antikes oder endzeitliches) und den Wiederaufbau des entsprechenden «Tempels» bestimmt.

Dabei symbolisiert der Tempel:

a) die Lehre aus dem Heiligtum (ewiges Evangelium, Erlösungsplan, Gerechtigkeit Christi, der die wahre Sonne, das Licht für die Welt ist.) (Mal. 3, 20)
und
b) die, durch die 3-Engels-Botschaft letzte (aus «Babylon») herausgerufene Gemeinde (mit der Sonne bekleidete Endzeit-Gemeinde) in welcher Christus allein der Hohepriester, der Verwalter der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, ist (Offb. 12, 1; 14, 12).

S. 83 2300 Jahre
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 83

2300 Jahre

Abbildung im Buch: Grafik: Eine grosse gelbe Sonne, deren Strahlen über drei Spalten fallen.

Sonnenzyklus, ewiges Evangelium, Lehre aus dem Heiligtum
dargestellt als Kampf des Ziegenbocks (Fürst der Lüge) gegen den Widder (Christus, Wahrheit)

457 v. Chr (3. Befehl)Innerhalb der Gemeinde1844 n. Chr
Babylon gefallen (536 v. Chr.) (Medo-Persien)
persische relig. Toleranz
Auszug aus altem Babylon
Neuerrichtung des Tempels
Wiederherstellung von göttl. Gesetz und Ordnung
Warten auf den Messias am Ende der Zeit Israels (70 Jahrwochen)
Gründung geistliches Israel
Gräuel der Verwüstung
Verlust der Einheit
zurück zu den Ursprüngen
kümmerliche Zeiten der Verfolgung
Verfälschung der Heilslehre durch «Tiere» und «kleines Horn»
sowie
Verwüstung des wahren Tempels (Ur-Gemeinde) durch Errichtung einer falschen (Macht-Kirche)
«Babylon» gefallen
«Menschenrechte»
«Geht aus von Babylon»
Heiligtum kommt wieder zu seinem Recht
Hier sind, die da halten die Gebote Gottes und haben den Glauben Jesu
Warten auf den wiederkommenden Jesus am Ende der Heils-Endzeit des geistlichen Israels
Gründung der Endzeitgemeinde

Das Ende hat seine bestimmte Zeit (Dan. 8, 17. 19; 11, 27. 35)

Die Erfahrung des geistlichen Israels (Christenheit) entspricht in manchen Punkten jener des fleischlichen Israels. Gleichermassen gibt es parallel dazu auch eine Entsprechung bei dem alttestamentlichen, irdischen Babylon und dem geistlichen (urchristlichen) Babylon der Apokalypse («Rom» im allgemeinen und speziellen Sinn), auf welches wir schon in 1. Petr. 5, 13 eine Anspielung finden.

S. 84 Woher kommt die Zahl?
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 84

Woher kommt die Zahl?

Der Zeitcharakter des jüdischen Heiligtums ist im Unterschied zu den Tempeln aller andern Völker auffallend. Dahinter steht der einmalig dastehende Erlösungsplan und seine Abwicklung in der Heilsgeschichte. Die Zeitangaben über die Verwüstung bzw. die Wiedererkennung der Bedeutung des Heiligtumsdienstes gemäss Dan. 9-12 bekommen dadurch ihre kosmische Dimension. Nun fragen wir uns aber:
Woher kommt die Zahl 2300 und kannte Daniel ihre Bedeutung? (s. auch «Abschluss» S. 112)

Daniel genoss grosses Ansehen. Vier Könige (Nebukadnezar, Belsazar, Darius und Kyros) behielten ihn als weisen, zuverlässigen und absolut integeren Ratgeber am Hof. Er war gelehrt in aller Weisheit der Babylonier und hatte seinem Gott die Treue gehalten (Dan. 6, 4. 5. 29). Die Weisheit der Babylonier aber beruhte vor allem auf ihren hervorragenden Astronomiekenntnissen, die damals eng mit der Astrologie verknüpft waren. So kannten die Wissenschaftler, die als Magier oder Priester darauf bedacht waren, vieles geheim zu halten, verschiedene Zyklen, die sich immer wiederholen. Gewisse Phänomene, wie z. B. Finsternisse, Sternbedeckungen, Sterndurchgänge, Planetenkonstellationen liessen sich voraussagen. So war ihnen ein Sonnenzyklus von 2300 Jahren und ein Mondzyklus von 1260 Jahren (4 x 315 Jahre) bekannt, welche von der weitgehend auf Aristoteles beruhenden, abendländischen Wissenschaft erst durch den Schweizer Astronomen Jean Philippe Loys de Chesseaux (Korrespondent der königlichen Akademie der Wissenschaften in Paris) um 1750 wiederentdeckt wurden. Er verstand unter einem Zyklus einen Zeitraum, der verschiedene Umlaufszeiten harmonisiert, d. h. dass jede von ihnen eine gewisse Zahl von Zeiteinheiten ohne Rest oder Bruchteil einhält. Dabei gibt es vier Beziehungen. Er nannte diese von ihm entdeckten Zusammenhänge der drei Zyklen im vierten vereint hierauf einfach «Danielzyklus».

Abbildung im Buch: Grafik: Drei Kreise (oben «Sonnenjahre», links «Mond-Zeiten», rechts «Sonnentage») sind durch Bogenpfeile (Zyklus I, II, III) verbunden; alle drei zeigen auf einen Kreis in der Mitte (Zyklus IV).

«Danielzyklus»
Sonnenjahre
alle drei
Zyklus I
Zyklus II
Sonnenjahre Mond-Monat Sonnentag
Mond-Zeiten
Sonnentage
Zyklus IV
Zyklus III

S. 85 Seite 85
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 85

Um die verschiedenen Bezüge aufzuzeigen, wird die Zahl des Mondzyklus separat in Jahren (3 1/2 Zeiten), in Monaten und auch in Tagen genannt. Der 24-Stunden-Tag steht in Verbindung mit der Erde. Er ist durch die Erdrotation gegeben. Die Monate werden durch den Umlauf des Mondes um die Erde bestimmt und das Jahr durch den Umlauf der Erde um die Sonne (Ekliptik). Die 360 Tage des prophetischen Jahres selbst, sind ein Erbe des mesopotamisch-semitischen Rechnungssystemes. Am Ende von 1260 Jahren erscheinen Sonne und Mond auf ein halbes Grad genau an der gleichen Stelle der Ekliptik (scheinbare Sonnenbahn, 12-teiliger Tierkreis).

Auch wenn die frühen Adventisten die Schriften von De Chesseaux nicht kannten, so rechneten sie richtig nach dem Jahr-Tag-Prinzip und glaubten den Weissagungen Daniels und der Offenbarung. Das Jahr 1843/44 signalisiert mit astronomischer Genauigkeit den Beginn der heilsgeschichtlichen Endzeit, wie er in Offb. 14, 6 und an andern Stellen markiert wird. Ob die Babylonier den Sonnenzyklus überprüfen konnten oder durch eine Art Hochrechnung ermittelten, ist fraglich. Sie hätten während 2300 Jahren genaue Messungen vornehmen und aufzeichnen müssen. Es ist aber denkbar, dass man gleich nach der Sintflut oder doch nach dem Turmbau damit begonnen hatte. Auch die Pyramiden sind auf bestimmte Sternkonstellationen zu gewissen Zeitpunkten genau ausgerichtet. Die Anordnung der Pyramiden und neu entdeckte Verbindungswege zu anderen Kultobjekten nach dem Sternbild Orion (die 3 grossen Pyramiden bilden die 3 Gürtelsysteme) zeugen von enormem astronomischem Wissen. Die Erkenntnisse stammten aus Altbabylon. Wenn auch die Messgenauigkeit von Winkelbogengraden in der Antike kaum über die Bogenminute hinaus gereicht haben mag, so muss doch die Präzision der damaligen Berechnungen jeden modernen Menschen erstaunen lassen.

Abbildung im Buch: Grafik: Erde (blau) mit Mond (gelb), daneben die Sonne (gross, gelb); eine Linie führt zu einem Bogen «Ekliptik».

Erde
Mond
Sonne
Ekliptik
Die Ekliptik ist die scheinbare Bahn der Sonne auf dem Hintergrund des Fixsternhimmels (Tierkreis)

Auch die Zahl 360 für den Vollwinkel und die damit verbundene Hexagesimalteilung sind chaldäischen Ursprungs. Ob die Wanderung des Frühlingspunktes (Äquinoktium) auf der Ekliptik und ein Umlauf dessen in 26000 Jahren bekannt waren, ist fraglich. Es standen aber seit dem altbabylonischen Reich und dem neuen Reich zur Zeit Daniels immerhin mehr als 2000 Jahre Zeit zu astronomischer Forschung zur Verfügung. Ob mit damaligen Instrumenten genügend genaue Beobachtungen, Messungen und damit Aufzeichnungen gemacht werden konnten? Die Pyramiden bezeugen es.

Sonne und Mond stehen, auf dem Hintergrund des Fixsternhimmels (Ekliptik) gesehen, bei jeder Sonnenfinsternis in einer Geraden zusammen in einem Sternbild des Tierkreises, aber nicht immer im gleichen und wenn wieder einmal im gleichen, dann jedesmal an einer etwas anderen Stelle. Nach 2300 gregorianischen Jahren aber, (genauer nach 840057 Tagen minus 6 Std. und 14 Min.) treffen sie sich beide an derselben Stelle, von wo sie ausgegangen sind und nach 840057 Tagen plus 7 Std. und 23 Min. kehrt die Sonne genau an den Ort ihres Ursprungs auf der Ekliptik zurück.

Ebenso kehrt auch die Erkenntnis betreffend Heilsplan Gottes (Dan. 12, 4) und dessen Verwirklichung innerhalb der Heilsgeschichte (israelitisches Tempeljahr) nach der mittelalterlichen Verdunkelung durch die Mondzyklusmächte (Offb. 11, 1-3; 12, 6; 14; 13 1-10; Dan. 7, 25; 12, 7) und der Vergiftung der Wasserbrunnen (Offb. 8, 11) zum Ursprung der Wahrheit (Quelle) zurück. Durch göttliches Eingreifen in den sieben Plagen soll dem König vom Ursprung (vom Aufgang der Sonne in Offb. 16, 12 und Dan. 12, 1-3) der Weg zur Befreiung Zions geöffnet werden. Ist es da noch verwunderlich, dass diese Plagen deshalb auch vom selben Tempelhimmel ausgehen und dann auch am «Tempel» enden (Offb. 15, 5-8; 16, 7. 17)?

S. 86 Seite 86
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 86

So wie den babylonischen Gelehrten (und damit auch Daniel) der Sonnenzyklus bekannt war, so kannten sie natürlich ebenso gut den Mondzyklus von 1260 Jahren vermutlich schon zu Abrahams Zeiten, denn von Babylon bis Syrien wurde vor allem die Mondgottheit «Sin» verehrt und die Bibel spricht auch von der Ebene «Sinear», wo man den Lehm für den frevlerischen Turmbau zu Babel gewann. Auch diese Zahl finden wir im AT nur bei Daniel 2x und im NT in der Apokalypse 5x gleich verwendet.

Abbildung im Buch: Zeitleiste: drei Felder, von hell nach dunkel.
ab ca. 540ab ca. 900ca. 1620 – ca. 1800
1 Zeit
360 Jahre
2 Zeiten
720 Jahre
1/2 Zeit
180 Jahre
Inthronisation des PapsttumsHl. röm. Reich
grosse Krise
(Un)fall

1260 ist das reine Gegenstück zur Zahl 2300, wie der Mond als Nachtgestirn dem Tagesgestirn Sonne gegenübergestellt wird (1. Mose 1, 16). Die Zahl 1260 wird in den beiden apokalyptischen Schriften ausschliesslich und konsequent auf jene Macht bezogen, die als totalitäres, polit-religiöses System direkt aus dem römischen Kaiserreich und dem Hellenismus hervorgeht, in einer Form, die auf der ganzen Welt unverwechselbar einmalig ist. Es ist jene Macht, die als biblisch-historischer Anti-Christus das «Heiligtum» in seiner zweifachen Bedeutung gräulich verwüstet und erst in den 7 letzten Plagen (Offb. 15-19) als Hure, bzw. Stadt «Babylon» in Todeshaft genommen und nach der Auferstehung zum Gericht (Offb. 20, 10, 15) entschaffen wird. Die Zahl ist heilsgeschichtlich so sicher platziert, dass sie in Dan. 12, 7. 11. 12 als Ausgangspunkt für weitere Zeitangaben dient und mit Vers 12 sogar 1844 berührt!

Beide Zahlen beziehen sich deutlich auf die Verwüstung, bzw. die Wiederherstellung des «Heiligen» (hier im Sinne des Evangeliums und der Brautgemeinde).

Zeit des kleinen Horns (Dan. 7, 25; 12, 7. 11. 12)

Abbildung im Buch: Zeitleiste mit drei übereinanderliegenden Balken: oben 538 bis ca. 1798, in der Mitte 508 bis 1798, unten 508 bis 1843.
BeginnBalkenEnde
538Verfinsterung, Mondzyklus
1 Zeit, 2 Zeiten und 1/2 Zeit
Zerstreuung des hl. Volkes
508 (Chlodwig)1290 Jahre
Gräuelbild der Verwüstung wird eingesetzt und damit Jesu Opfer ersetzt
508 (Glaubenszwang) – 538 (röm. kath. Monopol)Wohl dem, der erreicht
1335 Jahre
protest. Reform
1798 (Menschenrechte) – 1843 (Adventbotschaft)
S. 87 Tage = Jahre in Daniel
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 87

Tage = Jahre in Daniel

Abbildung im Buch: Grafik: Ineinander geschachtelte Bögen über einer Zeitachse von 457 v. Chr. bis 1844. Der grösste Bogen «2300 Tage = Jahre» reicht von 457 v. Chr. bis 1844; darin links «70 Wochen = 490 Jahre» (457 v. Chr. bis 34 n. Chr.) mit «7 Wo. = 49 Jahre», «62 Wochen = 434 Jahre» und «1 Woche = 7 Jahre» (3,5 | Kreuz | 3,5); rechts ab 34 n. Chr. «1810 Jahre» und darin, ab 508 bzw. 538 n. Chr., die Bögen 1335, 1290 und 1260 Jahre.
BogenBibelstelleZeitraum
2300 Tage = Jahre457 v. Chr. – 1844
70 Wochen = 490 JahreDan. 9, 24–27457 v. Chr. – 34 n. Chr.
7 Wo. = 49 Jahre457 v. Chr. – 408 v. Chr.
62 Wochen = 434 Jahre408 v. Chr. – 27 n. Chr.
1 Woche = 7 Jahre (3,5 + 3,5)27 n. Chr. – 34 n. Chr.
1810 Jahre34 n. Chr. – 1844
1335 JahreDan. 12, 12508 n. Chr. – 1844
1290 JahreDan. 12, 11508 n. Chr. – 1798 n. Chr.
1260 JahreDan. 7, 25; 12, 7538 n. Chr. – 1798 n. Chr.
JahrEreignis
536 v. Chr.1. Aufruf durch Kyros zum Tempelaufbau (Esra 1, 1-4)
508 v. Chr.Aufruf des Darius (Erneuerung) (Esra 6, 1-8)
457 v. Chr.Endgültiger Befehl zum Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels durch Artaxerxes (Dan. 9, 25, Esra 7, 12–16)
444 v. Chr.Befehl zur Erneuerung des 3. Befehls (Neh. 2, 1-9)
408 v. Chr.Wiederaufbau Jerusalems vollendet
27 n. Chr.Salbung Christi (Matt. 3, 16)
31 n. Chr.Christi Tod, Ende der Opfer
34 n. Chr.Israel als Volk verworfen, Beginn der christl. Heidenmission (Apg. 13, 46)
508 n. Chr.Frankenkönig Chlodwig wird Christ und tritt für das langsam entstehende Papsttum ein, 3 arianische Stämme ausgerottet
538 n. Chr.Krönung des ersten Papstes (Inthronisation)
1798 n. Chr.Pius VII. wird unter Napoleon gefangengenommen
1844 n. Chr.Rechtfertigung des «Heiligtums», Beginn des Gerichts (Rechtfertigung = Ausschaffung allen Tierischen Unrats, Gericht über das kl. Horn)
S. 88 Verschmelzung der Hörner
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 88

Verschmelzung der Hörner

Dan. 7 und 8

Abbildung im Buch: Flussdiagramm: Oben vier Kästen. Medo-Persien und Griechenland münden (Dan. 8) in «Gnosis»; Babylon und Rom laufen (Dan. 7) mit langen Pfeilen direkt zu «Konstantin»; Gnosis führt ebenfalls zu Konstantin, dieser zu «Röm. Katholizismus».
BabylonMedo-PersienGriechenlandRom
Imperialismus
Absolutismus
Gottkaisertum
Tor zum Himmel
Monopolismus
Esoterik
Mystizismus
Unfehlbarkeit
Philosophie
Hellenismus
Synkretismus
Juristerei
Zentralismus
Pantheismus
ZeitStufeDeutung
4. Jh. v. Chr.
3. Jh. v. Chr. – 2. Jh. n. Chr. (Dan. 8)Gnosis
Verschmelzung mit dem Christentum (Judentum und Christentum)
Geist
kleines Horn A
4. Jh. n. Chr. (Dan. 7)Konstantin
Pontifex maximus
Klerikalismus
Staatskirche
Leib
Form
System
kleines Horn B
6. Jh. n. Chr.Röm. Katholizismus
Cäsaro-Papismus
Extra ekklesiam nulla salus*
Gestalt – Status
Mischwesen
historisches Unikat
666

*ausserhalb der Kirche kein Heil (babylonischer Absolutismus)

Kleine Hörner A + B vereinigt bis zum Ende zum Gericht

Einführung, Zahlensymbolik und Symbol-Lexikon des Studienhefts

Tiefer graben: Ellen G. White

Wird auch mehrfach zitiert in:

Ellen Whites Bücher liegen auf Englisch vor. Die Bibel steht immer über allen Erklärungen.

BibeltextSchlachter 1951
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