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Daniel 12

Bibeltext · Daniel 12Schlachter 1951
1Zu jener Zeit wird sich der große Fürst Michael erheben, der für die Kinder deines Volkes einsteht; denn es wird eine Zeit der Not sein, wie noch keine war, seitdem es Völker gibt, bis zu dieser Zeit. Aber zu jener Zeit soll dein Volk gerettet werden, ein jeder, der sich im Buche eingeschrieben findet. 2Und viele von denen, die im Erdenstaube schlafen, werden aufwachen; die einen zu ewigem Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. 3Und die Verständigen werden leuchten wie des Himmels Glanz und die, welche vielen zur Gerechtigkeit verholfen haben, wie die Sterne immer und ewiglich. 4Du aber, Daniel, verbirg diese Worte und versiegle das Buch bis auf die Zeit des Endes! Dann werden viele darin forschen, und das Verständnis wird zunehmen. 5Und ich, Daniel, schaute und siehe, da standen zwei andere da; einer an diesem, der andere an jenem Ufer des Flusses. 6Und einer sprach zu dem Mann in leinenen Kleidern, welcher oberhalb der Wasser des Flusses stand: Wie lange werden diese unerhörten Zustände dauern? 7Da hörte ich den in Linnen gekleideten Mann, der oberhalb der Wasser des Flusses war, wie er seine Rechte und seine Linke zum Himmel erhob und schwur bei dem, der ewig lebt: «Eine Frist, zwei Fristen und eine halbe; und wenn die Zersplitterung der Macht des heiligen Volkes vollendet ist, so wird das alles zu Ende gehen!» 8Das hörte ich, verstand es aber nicht. Darum fragte ich: Mein Herr, was wird das Ende sein von diesen Dingen? 9Er sprach: Gehe hin, Daniel! Denn diese Worte sind verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit. 10Viele sollen gesichtet, gereinigt und geläutert werden; und die Gottlosen werden gottlos bleiben, und kein Gottloser wird es merken; aber die Verständigen werden es merken. 11Und von der Zeit an, da das beständige [Opfer] beseitigt und der Greuel der Verwüstung aufgestellt wird, sind 1290 Tage. 12Wohl dem, der ausharrt und 1335 Tage erreicht! 13Du aber gehe hin, bis das Ende kommt! Du darfst nun ruhen und sollst dereinst auferstehen zu deinem Erbteil am Ende der Tage.
Im Weg durch die Bibel · DanielLesen mit Erklärung: Michael erhebt sich

Studienheft «Daniel – neu entdeckt»

Michael macht sich auf – Textkorrelationen · Seiten 111–114. Bibelstellen im Text kannst du antippen.

Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 111

Daniel 12

Der Feldzug des persischen Königs Kambysis nach Ägypten um 525 v. Chr. als Modell für den Endkampf zwischen Gut und Böse in Dan. 11, 40–45

Um den König des Südens (Ägypten) festzusetzen, musste Kambysis von Norden her über Syrien und durch Judäa (herrliches Land, Vers 41a) dort einfallen und ganz Palästina überfluten. Dabei griff er sowohl zu Land mit Wagen und Reitern, als auch vom Meer her mit Schiffen an (Vers. 40b). Die Länder jenseits des Jordans (Edom, Moab, Ammon) liess er tatsächlich liegen, weil er die westliche Küstenstrasse benützte.
Nach der Einnahme Ägyptens war er gerade daran, Lybier und Kuschiter (Sudan) zu unterwerfen (Vers 43), als erschreckende Nachrichten aus Osten eintrafen (Vers 44). Der Inhalt der Botschaften ist leider der Geschichtsschreibung bis heute nicht bekannt. Man weiss aber, dass sich Kambysis wutentbrannt auf den Rückweg machte und sein Lager in der Küstenebene Scharon (zwischen Mittelmeer und Jerusalem, Vers 45) aufschlug. Hier wurde er unerwartet vom Tode überrascht, vermutlich an den Folgen einer Verwundung am Oberschenkel (Starrkrampf?). Niemand in der Armee konnte ihm helfen (Vers 45). Dieses Ereignis spielte sich zwar lange vor der Alexanderzeit ab, kann aber als Vorlage für den endzeitlichen Kampf in Dan. 11, Joel und Offb. dienen, wie z. B. Joschafat bei Joel 4, 12 für Harmagedon in der Apokalypse (Offb. 16, 13.14.16 und 19, 11–21). Michael erscheint hier als Reiter auf weissem Pferd, als Anführer der himmlischen Heere auf weissen Pferden, Keltertreter, König aller Könige und Herr aller Herren.

BibeltextErklärung
1 Zu jener Zeit wird Michael, der grosse Engelsfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen.
Denn es wird eine Zeit so grosser Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen.
Die Zeitangabe bezieht sich allgemein auf die in Vers 40 erwähnte Epoche der Zeit des Endes und speziell auf die letzten Tage dieser besonderen Zeitspanne ab 1844. Da begann die biblische Endzeit als letztes Zeitalter, welches im Ende der Zeit (Ende der Tage, Vers 13) gipfelt.
Wann der Höhepunkt der Bosheit wie sie bisher nie global gewesen ist, erreicht ist, wann die Sünden Grossbabylons bis zum Himmel reichen (Offb. 18, 5), bestimmen nicht Menschen oder Engel, sondern allein der himmlische Vater (Matt. 24, 35). ER gibt seinem Sohn den Befehl, sich aufzumachen. Dieses unmittelbar bevorstehende Ende war soeben in Kapitel 11, 45 angekündigt worden mit: «Es wird mit ihm ein Ende nehmen». Wieder erscheint in Vers 1c das grosse ABER Gottes als Gegenbild zur weltumspannenden Trübsal.
2 Und viele, die unter der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.
3 Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.
Das Ende jener Zeit ist zugleich der Anbruch der Ewigkeit; denn in Vers 2 werden die in den vormaligen Zeiten Verstorbenen aufwachen zum ewigen Leben oder zu ewiger Verworfenheit. Das Sich-Aufmachen Michaels bewirkt das langersehnte Aufwachen der Toten. Weil keine noch so grosse menschliche Macht den Lauf der Gestirne verändern kann, sind sie treffende Symbole für das absolut Gesicherte, ewig Bestehende.

Solch wunderbare, tröstliche Verheissungen zur Auferstehung der Toten sind viele in der Bibel. Das Buch Daniel ist aber das einzige im AT, das einen so klaren Zeitbezug aufweist, der schnurgerade von seiner Zeit aus über das erste Kommen Christi bis zu seiner Wiederkunft verläuft. Es zeigt in grossen Schritten den Kampf zwischen Licht und Finsternis. Die Leidtragenden sind Gottes Kinder, das Volk Gottes. Der Messias ist dabei leidend, aber auch siegend vorausgegangen. Sie werden durch ihn zu Teilhabern an seinem Sieg (Matt. 5, 4.10; 1. Kor. 15, 50–58). Im Epilog des Danielbuches (Dan. 12, 4–13) werden wir zuerst wieder an den Anfang der Vision zu Dan. 10, 4–6, dem Mann über dem Strom, zurückgeführt. Nun aber werden noch einmal die Zeiten aus Dan. 7 erwähnt und Erläuterungen gegeben. Abschliessend verschmilzt der Ablauf der Lebenszeit Daniels mit der Auferstehung am Ende der Tage. Für Verstorbene ist die Zeit zwischen diesen beiden Polen gleich null. Nichts von Himmel, Hölle oder gar Fegefeuer. Diese Verheissung gilt allen Menschen, die sich auf die Ankunft Jesu freuen.

S. 112 Seite 112
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 112

Die dreizehn Verse des 12. Kapitels bilden den Abschluss der längsten Vision im Danielbuch. Sie umfasst die Kapitel 8–12 und kann, weil darin so oft auf die Heils-Endzeit verwiesen wird, als Vision vom Ende bezeichnet werden (Dan. 8, 19 c; 26 c; 10, 14 b; 11, 27c. 35; 12, 1a. 13 b). Es ist eine echte Tempelvision (Dan. 9, 26. 27) und beginnt auch mit dem Kampf zweier Opfertiere (Widder und Ziegenbock). Diese Tiere spielen auch am Jom Kippur, dem grossen Versöhnungstag, eine wichtige Rolle. Dieser hohe Festtag fand nur einmal pro Jahr statt – war also ein Jahrestag, weshalb auch in allen Tempelvisionen mit Endzeitbezug die Tage für Jahrtage zu nehmen sind. So ist jede Änderung von «Festzeiten» (Dan. 7, 25) ein Frevel am Tempeldienstablauf (Heilsplan Gottes) und die Änderung des Dekalogs (in Bundeslade) eine Nichtakzeptanz der göttlichen Rechtsgrundlage betreffend Anklage (oder Begnadigung) im Gericht. Im 12. Kapitel werden abschliessend die wichtigsten zwei Zeitangaben des Büchleins, nämlich die 3 1/2 Zeiten (1260 Tage) und die 2300 Abende und Morgen (Jahr-Tage) in mathematische Beziehung gebracht und durch einen zweifachen Schwur bestätigt (Dan. 12, 7 b). Eine Deutung der Zeitangaben, losgelöst vom einheitlichen Gedankengang der ganzen Visison, ihrer Strukturen und den Einbezug der anderen Tiervision in Dan. 7 führt bald einmal in eine Sackgasse.

  1. Die Tempelvision in Dan. 8–12 endet eigentlich in Dan. 12, 4 mit dem Auftrag vom «Manne» Gabriel (Dan. 9, 21), das ganze Büchlein zu versiegeln für den letzten, nicht abmessbaren Abschnitt der Heilsgeschichte. Die Verse 5–13 bilden eine Art «Briefschlussformel» bestehend aus verschiedenen zusammenfassenden Kurzinformationen, beidhändigem Schwur als bestätigende «Unterschrift» und der tröstlichen Verheissung für die Verständigen, zu denen auch Daniel persönlich zählt.
  2. In Dan. 12, 5–7 erscheinen drei andere Männer am Strom (Ulai, Dan. 8, 2b). Je einer am linken und rechten Ufer und einer (Michael) über der Mitte in leinenen (priesterlichen) Kleidern über den Wassern. Wie schon in Dan. 8, 13. 14 führen sie unter sich ein Gespräch (Ratschluss Gottes; Offb. 17, 17), das sich um die Frage nach der Zeit (Tempelzeit, Heilswunderzeit) dreht. Der Fürst über das Heilsgeschehen schwört bei Gott dem Ewigen, dass das Wüten des kleinen Horns in Dan. 7, 25 und 8, 9. 11, die 3 1/2 Zeiten dauern soll. Die 2300 Jahrtage umschliessen diese Zeit. Sie peilen aber den Beginn der Gerichtszeit (Dan. 7, 26) und die Wiederweihung des «Heiligtums» an (Dan. 8, 14b). Sie zeigen nicht die Dauer des Verwüstens an, sondern bis wann «es» dauern soll und bis wann man noch warten soll auf die Neuweihung (auch Neuerkennung der heilsgeschichtlichen Bedeutung) des Heiligtums (Dan. 8, 14; 12, 12).
S. 113 Seite 113
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 113

3. Nach dem Einschub mit den drei «Männern» knüpft Vers 8 wieder bei Vers 4 an. Daniel wünscht weitere Auskunft über den Beginn der Endzeit. Wie in Dan. 8, 15. 16 kann er nur schwer begreifen. Der Engel wiederholt den Auftrag zur Versiegelung (Vers 9) und ist (quasi unter der Bedingung der Geheimhaltung bis dann) bereit, ein paar weitere Auskünfte zu geben.

4. In Vers 10 wird auf die besondere Sichtung der Menschheit in der Endzeit hingewiesen. Dabei wird die Botschaft des Buches Daniel eine Rolle als Kriterium spielen. Wer sich reinigen, läutern, prüfen (Begriffe zu Jom Kippur) lässt, wird zu den Verständigen gehören und die Prophetie verstehen. Die andern werden gottlos handeln. Es sind jene, die das Tägliche (Opfer im Tempel) bzw. das, was es bedeutet, beseitigt und es durch ein Gräuelbild (verwüstender Frevel) im Heiligtum (Dan. 8, 12-14) ersetzt haben.

5. Die 1290 Jahrtage in Vers 11 sind eine Zusatzinformation zu Vers 7 und beziehen sich auf das Heiligtums verschandelnde Gräuelbild. Sie beginnen 30 Tage vor der 1260-tägigen Tiaraherrschaft.

6. Die 1335 Jahrtage in Vers 12 haben den gleichen Anfang und sagen den Verständigen, dass sie weitere 45 Jahre warten müssen bis zur Neuweihung. Sie erkennen durch das Essen des Danielbüchleins (Offb. 10, 2, 8-11) die Zeit des Endes, durch die läuternde Erfahrung von 1843/44 das Ende der 2300 Jahrtage und damit der Bedeutung des visionären Heiligtums. Dies bewirkt zugleich eine neue Sammlung des Gottesvolkes auf das Ende hin.

7. Vers 13a bildet abschliessend eine vierte Parallele zu den Versen 9 und 4, Vers 13b zu Vers 2. Die überaus tröstliche Verheissung gilt nicht nur Daniel persönlich, sondern auch allen anderen Verständigen, welche die Weissagungen in diesem Buch beachten.

S. 114 Textkorrelationen in Daniel 12
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 114

Textkorrelationen in Daniel 12

Ist der antichristliche Nordkönig aus Dan. 11, 40–45 auf dem Gipfel seines Wahns angekommen, ist er daran, den heiligen Berg (Zion) einzunehmen, d. h. Christi Thron des Heils zu besteigen (allein-selig-machend zu sein), so wird Michael (der Gottgleiche) sich aufmachen, um die Endzeit einzuleiten (Dan. 11, 45c). Dies entspricht dem Abrollen des Steins vom Berg (Zion) in Dan. 2, 34. 45, der Gerichtstagung in Dan. 7, 10. 26 und der Ankündigung des Vollzugs in Offb. 14, 6-12; 18, 1-5). Danach wird der Nordkönig umgebracht in den 7 Plagen und niemand wird ihm mehr helfen (Offb. 16, 19; 17, 16. 17; 18, 19; 19, 19.21). Was bei Daniel nur summarisch, ist in der Apokalypse ausführlich beschrieben:

Abbildung im Buch: Grafik: Farbige Klammern verbinden Verse, die sich entsprechen (12, 1 mit 12, 7 und 12, 11; 12, 2 mit 12, 13; 12, 4 mit 12, 9 und 12, 13; 12, 4 mit 12, 10 und 12, 12). Rechts am Rand: oben «Umfassung», unten «Verdichtung».

12, 1 Zu jener Zeit wird Michael, der grosse Engelsfürst, der für sein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so grosser Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu dieser Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen.
12, 2 Und viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande.
12, 3 Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.
12, 4 Und du Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle dieses Buch bis auf die letzte Zeit. Viele werden es dann durchforschen und grosse Erkenntnis finden.
12, 5 Und ich, Daniel, sah, und siehe, es standen zwei andere da, einer an diesem Ufer des Stromes, der andere an jenem Ufer.
12, 6 Und er sprach zu dem Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Stromes stand. Wann sollen denn diese grossen Wunder geschehen?
12, 7 Und ich hörte den Mann in leinenen Kleidern, der über den Wassern des Stromes stand. Er hob seine rechte und seine linke Hand auf gegen Himmel und schwor bei dem, der ewiglich lebt, dass es eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit währen soll; und wenn die Zerstreuung des heiligen Volkes ein Ende hat, soll dies alles geschehen.
12, 8 Und ich hörte es, aber ich verstand es nicht und sprach: Mein Herr, was wird das letzte davon sein?
12, 9 Er aber sprach: Geh hin Daniel, denn es ist verborgen und versiegelt bis auf die letzte Zeit.
12, 10 Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; alle Gottlosen werdens nicht achten, aber die Verständigen werden es verstehen.
12, 11 Und von der Zeit an, da das tägliche Opfer abgeschafft und das Gräuelbild der Verwüstung (des Frevels) aufgestellt wird, sind 1290 Tage.
12, 12 Wohl dem, der da wartet und erreicht 1335 Tage!
12, 13 Du aber, Daniel, geh hin, bis das Ende kommt, und ruhe, bis du auferstehst zu deinem Erbteil am Ende der Tage!

Umfassung
Verdichtung

Einführung, Zahlensymbolik und Symbol-Lexikon des Studienhefts

Tiefer graben: Ellen G. White

Wird auch mehrfach zitiert in:

Ellen Whites Bücher liegen auf Englisch vor. Die Bibel steht immer über allen Erklärungen.

BibeltextSchlachter 1951
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