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Daniel 11

Bibeltext · Daniel 11Schlachter 1951
1Auch ich stand ihm im ersten Jahre Darius' des Meders bei, um ihn zu stärken und ihm zu helfen. 2Und nun will ich dir die Wahrheit verkündigen: Siehe, es werden noch drei Könige in Persien aufstehen, und der vierte wird größern Reichtum erwerben als alle andern, und weil er sich in seinem Reichtum stark fühlt, wird er alles gegen das griechische Reich aufbieten. 3Es wird aber ein tapferer König auftreten und eine große Herrschaft gründen und tun, was ihm gefällt. 4Aber wie sein Reich aufgekommen ist, so wird es auch in Stücke gehen und nach den vier Himmelsgegenden zerteilt werden, aber nicht unter seine Nachkommen, und nicht mit gleicher Macht, wie er sie ausgeübt hat; denn sein Reich wird zersplittert und andern zuteil, als jenen. 5Und der König des Südens wird erstarken; aber von seinen Fürsten wird einer noch stärker werden als er und eine Herrschaft begründen, ein großes Reich. 6Und nach Jahren werden sie sich verbünden, und die Tochter des südlichen Königs wird zu dem nördlichen König kommen, um einen Ausgleich zustande zu bringen. Aber sie wird die Macht nicht behalten, und auch er wird nicht bestehen, noch seine Macht; sondern sie wird dahingegeben werden samt ihrem Gefolge und dem Kinde, das sie erzeugt, und dem, der sie eine Zeitlang erhalten hat. 7Es wird aber ein Sprößling aus der gleichen Wurzel, der sie entstammte, an seine Stelle treten und wird gegen das Heer zu Felde ziehen, ja, er wird in die Festung des nördlichen Königs eindringen und wird darin gewalttätig schalten; 8auch ihre Götter samt ihren gegossenen Bildern und köstlichen goldenen und silbernen Geräten wird er mit den Gefangenen nach Ägypten bringen; er wird auch jahrelang vor dem nördlichen Könige standhalten. 9Dieser wird zwar in das Reich des südlichen Königs eindringen, aber wieder in sein Land zurückkehren. 10Doch werden seine Söhne den Krieg wieder beginnen und eine gewaltige Menge von Streitkräften zusammenbringen. Diese wird kommen und alles überfluten und überschwemmen und ihn wieder bis zur Festung zurücktreiben. 11Darob erbittert, wird der südliche König ausziehen und mit jenem, dem nördlichen Könige, streiten und wird ein großes Heer aufstellen, so daß jenes Heer ihm in die Hand gegeben wird. 12Und er wird sich erheben, der große Haufe wird ihn übermütig machen, so daß er Zehntausende niederwerfen wird. Und doch wird er nicht mächtig bleiben; 13sondern der nördliche König wird wiederum ein Heer aufstellen, größer als das frühere war, und wird nach etlichen Jahren an der Spitze einer großen und wohlgerüsteten Streitkraft wiederkommen. 14Auch werden zu jener Zeit viele wider den südlichen König aufstehen, auch gewalttätige Leute aus deinem Volk werden sich erheben, um die Weissagung zu erfüllen; aber sie werden fallen. 15Denn der nördliche König wird kommen und einen Wall aufwerfen und eine feste Stadt einnehmen. Und das südliche Heer wird nicht standhalten, auch nicht die beste Mannschaft seines Volkes; denn da wird keine Kraft zum Widerstande sein, 16sondern der, welcher gegen ihn gekommen ist, wird tun, was ihm beliebt, und niemand kann vor ihm bestehen; und er wird Stellung nehmen im lieblichen Lande, das wird verheert durch seine Hand. 17Er wird aber sein Augenmerk darauf richten, in den Besitz seines ganzen Königreiches zu kommen, und um sich den Anschein zu geben, als meinte er es aufrichtig mit ihm, wird er ihm eine Tochter geben, um es zu verderben; aber es wird nicht zustande kommen und ihm nicht gelingen. 18Dann wird er sein Auge auf die Inseln richten und ihrer viele gewinnen; aber ein Feldherr wird seinem Hohnlachen ein Ende machen, er wird ihm genug geben, daß ihm das Höhnen vergeht. 19Darauf wird er sich den Festungen seines Landes zuwenden, wird aber straucheln und fallen, daß man ihn nicht mehr finden wird. 20Und an seiner Statt wird einer auftreten, der einen Erpresser durch die Zierde des Reiches ziehen läßt. Aber nach einigen Tagen wird er umgebracht werden, und zwar weder durch Zorn noch im Krieg. 21An seiner Statt wird ein Verachteter aufkommen, dem die königliche Würde nicht zugedacht war; aber er wird unversehens kommen und sich der Herrschaft durch Schmeicheleien bemächtigen. 22Und die Streitkräfte, die wie eine Flut daherfahren, werden vor ihm weggeschwemmt und zerbrochen werden, dazu auch der Fürst des Bundes. 23Denn trotzdem er sich mit ihm verbündet hat, wird er Betrug verüben und stark sein mit geringem Volk. 24Mitten im Frieden wird er in die fruchtbarsten Gegenden eindringen und tun, was weder seine Väter noch seine Voreltern getan; Beute, Raub und Reichtum wird er unter sie verschleudern und gegen die Festungen wird er Pläne schmieden; und solches wird eine Zeitlang dauern. 25Dann wird seine Kraft und sein Mut gegen den südlichen König entbrennen, mit großer Heeresmacht; der südliche König aber wird sich gleichfalls mit großer und sehr zahlreicher Heeresmacht zum Kriege rüsten, aber doch nicht standhalten, weil Anschläge gegen ihn gemacht werden; 26die sein Brot essen, werden seinen Untergang herbeiführen; sein Heer wird sich zerstreuen, und viele Erschlagene werden fallen. 27Die beiden Könige aber haben Böses im Sinn, sitzen am gleichen Tisch und reden Lügen; aber es wird nicht gelingen; denn das Ende kommt erst zur bestimmten Zeit. 28Und er wird mit großem Reichtum in sein Land zurückkehren, um das, was er sich gegen den heiligen Bund vorgenommen hat, auszuführen, wenn er in sein Land zurückgekehrt ist. 29Zur bestimmten Zeit wird er wieder gegen den Süden ziehen; aber es wird das zweite Mal nicht mehr gehen wie das erste Mal, 30sondern es werden ihn Kittäerschiffe angreifen, so daß er entmutigt umkehrt, um seinen Zorn an dem heiligen Bund auszulassen. Das wird er auch tun und bei seiner Rückkehr sich diejenigen merken, welche den heiligen Bund verlassen. 31Es werden auch von seinen Truppen zurückbleiben und das Heiligtum, die Festung, entweihen und das beständige [Opfer] abtun und den Greuel der Verwüstung aufstellen. 32Und er wird die, welche gegen den Bund freveln, durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten; die Leute aber, die ihren Gott kennen, bleiben fest. 33Und die Verständigen im Volke werden viele unterweisen; sie werden aber dem Schwert, dem Feuer, der Gefangenschaft und der Plünderung unterliegen eine Zeitlang. 34Und im Unterliegen werden sie ein wenig Hilfe erlangen; und es werden sich viele heuchlerisch an sie hängen. 35Auch von den Verständigen werden etliche unterliegen, damit unter ihnen eine Läuterung geschehe, eine Sichtung und Reinigung, bis zur Zeit des Endes; denn es währt bis zur bestimmten Zeit. 36Und der König wird tun, was ihm beliebt, und wird sich erheben und großtun wider jeglichen Gott, und er wird gegen den Gott aller Götter unerhörte Worte ausstoßen, und es wird ihm gelingen, bis der Zorn vorüber ist; denn was beschlossen ist, wird ausgeführt werden. 37Er wird sich auch nicht um die Götter seiner Väter kümmern, noch um den Lieblingsgott der Frauen, überhaupt um gar keinen Gott, sondern wider alle wird er großtun. 38Statt dessen wird er den Gott der Festungen verehren; diesen Gott, den seine Väter nicht kannten, wird er verehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kleinodien. 39Er wird die starken Festungen behandeln wie den fremden Gott. Wer diesen anerkennt, dem wird er große Ehre erweisen, und er wird ihnen Gewalt geben über viele und zur Belohnung Ländereien unter sie verteilen. 40Zur Endzeit aber wird der südliche König mit ihm zusammenstoßen. Da wird dann der nördliche König mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen auf ihn losstürmen und in seine Länder eindringen und sie überschwemmen und überfluten. 41Er wird auch in das liebliche Land kommen, und viele werden unterliegen. Diese aber werden seiner Hand entrinnen: Edom, Moab und die Erstlinge der Kinder Ammon. 42Er wird auch seine Hand nach den Ländern ausstrecken, und Ägyptenland wird nicht entrinnen; 43sondern er wird sich der Gold und Silberschätze und aller Kleinodien Ägyptens bemächtigen; auch werden Lybier und Mohren zu seinem Gefolge gehören. 44Aber Gerüchte aus Osten und Norden werden ihn erschrecken; daher wird er in großer Wut aufbrechen, um viele zu verderben und zu vertilgen. 45Und er wird sein Palastgezelt zwischen dem Meer und dem lieblichen Berg des Heiligtums aufschlagen; da wird er sein Ende finden; aber niemand wird ihm helfen.
Im Weg durch die Bibel · DanielLesen mit Erklärung: Der König des Nordens

Studienheft «Daniel – neu entdeckt»

Nord- und Südkönig bis zur Zeit des Endes · Seiten 97–110. Bibelstellen im Text kannst du antippen.

Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 97

Einleitung zu Daniel 11

Wenn man an die Auslegung von Daniel 11 herangehen will, muss man von Dan. 8 ausgehen, wo die letzte und grösste Vision Daniels beginnt. Das Ziel bildet immer die Wiederkunft Christi. Auch die vorangehenden Visionen in den Kapiteln 2 und 7 und in der Vision in Dan. 12 laufen letztendlich darauf hinaus. Alle drei Visionen geben einen Überblick über die (Leidens-)Geschichte des Volkes Gottes ab der babylonischen Gefangenschaft bis zum Ende der Heilszeit.

In Kapitel 11 haben wir am meisten Details, die heilsgeschichtlich einzuordnen sind. Im Epilog, Dan. 12, 4-13, wird durch die Wiedererwähnung der besonderen Zeitspanne von «einer Zeit, zwei Zeiten und einer halben Zeit» Bezug genommen auf die Wirkung des «kleinen Horns» aus Dan. 7. In Dan. 12, 11 werden wir durch die Erwähnung des «Täglichen» und des «Gräuelbildes der Verwüstung» auf Dan. 8, 13 und 9, 27 verwiesen.

In Dan. 12, 11. 12 werden die beiden Zeitangaben miteinander verknüpft und im Jahr 1843/44 als dem Beginn der Endzeit doppelt belegt. Bei Daniel geht kein errechenbares Datum darüber hinaus und in der damit eng verbundenen Offenbarung in Offb. 10, 6c wird bestätigt, dass ab 1844 keine (prophetische) Zeit mehr berechenbar sein wird.

Es ist naheliegend, dass es sich bei dem kleinen Büchlein, welches Johannes in der Vision verschlingen soll, um das Buch Daniel handelt, denn den Milleriten erschien das von ihnen berechnete Wiederkunftsdatum als honigsüss und erwies sich nachträglich als ein «Verdauungsbeschwerden» verursachender Irrtum. Diese bittere Erfahrung bestätigte aber gerade die Erfüllung der apokalyptischen Prophezeiung und regte zu überprüfendem und vertiefendem Studium der prophetischen Schriften an.
Eine ähnliche Erfahrung machten übrigens schon die Jünger (s. Sach. 13,7; Matt. 26, 3; Mk. 14, 27).

Offb. 10, 6

… und schwor bei dem, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, der den Himmel geschaffen hat und was darin ist und die Erde und was darin ist und das Meer und was darin ist: Es soll hinfort keine Zeit mehr sein …

S. 98 Daniel 11
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 98

Daniel 11

BibeltextErklärung
Dan. 10, 21
Doch zuvor will ich dir kundtun, was geschrieben ist im Buch der Wahrheit. - Und es ist keiner, der mir hilft gegen jene, ausser eurem Engelsfürsten Michael.
Gabriel hatte grosse Probleme, den Engelsfürsten über Persien (Satan, Herr der Lüge) an der weitern Knechtung Israels zu hindern. Es gelang ihm vorläufig durch das Eingreifen Michaels (Christus). Gabriel und Michael bilden ein starkes Engel-Fürsten-Team im heiligen Kampf gegen die Israel feindlichen Geistesmächte. Daniel erhält hier nach 3-wöchiger Trauer (Dan. 10, 2.3.12.14.20) weitere Informationen zu den offenen Fragen aus Dan. 8, 27 und dem Gräuel der Verwüstung aus Dan. 9, 27. Daniel 11 ist also eine detaillierte Deutung der Vision in Dan. 8 und 9 und kann deshalb nur in deren Kontext gedeutet werden.
Dan. 11
1 Und ich stand auch bei ihm im ersten Jahr des Darius des Meders, um ihm zu helfen und ihn zu stärken.
2 Und nun will ich dir kundtun, was gewiss geschehen soll.
Gabriel knüpft zu Beginn seiner Erklärungen bei Dan. 8, 17–21 an. Er steckt damit zugleich Zeitrahmen und Thematik der Vision ab. Es geht um den Kampf zwischen weltlichen Reichen (hier symbolisiert durch Persien – heidnische Esoterik, Mystizismus) und (Griechenland – Hellenismus) und dem, was Jesus «Himmelreich» nennt (Volk Gottes, Heilige, Heiligtum, heiliger Bund, herrliches Land, Zion, Berg Gottes). Dieser Kampf beginnt in der Gegenwart Daniels (Persien) und endet mit dem letzten Eingreifen Michaels (Dan. 12, 1–3), der Wiederkunft Christi. Beide Komponenten (Zeitliches wie Thematisches) sollen in die Deutung einbezogen werden.
Siehe, es werden noch drei Könige in Persien aufstehen, der vierte aber wird grösseren Reichtum haben als alle andern. Und wenn er in seinem Reichtum am mächtigsten ist, wird er alles gegen das Königreich Griechenland aufbieten.Die vier Könige, die nach Kyros* kommen sollen:
1. Kambyses II. (530–522 v. Chr.)
2. Gaumata (= Pseudomerdis 522 v. Chr.)
3. Darius I. Hystaspes (522–486 v. Chr.)
4. Xerxes I. (486–465 v. Chr.), in Esther: Ahasveros, der Esther zur Königin macht
Xerxes wurde durch seinen unvorstellbaren Reichtum sehr mächtig. Nach zwei verlorenen Feldzügen seines Vaters gegen Griechenland erlitt er selbst im dritten Feldzug in der Seeschlacht von Salamis (480 v. Chr.) eine demütigende Niederlage, aber bis zu Alexander vergehen wegen innergriechischer Konflikte (z. B. Athen gegen Sparta) noch 150 Jahre.

*Wikipedia:
Kyros II. (altpersisch Kūruš, babylonisch Kuraš, elamisch Kuraš, aramäisch Kureš, hebräisch Koreš, lateinisch Cyrus um 590 v. Chr. bis 580 v. Chr.; † Aug. 530 v. Chr.), auch Kyros der Grosse genannt, Sohn des Kambyses I., regierte Persien von etwa 559 v. Chr. bis 530 v. Chr. als sechster König der Achämeniden-Dynastie (zu der er streng genommen allerdings nicht gehörte) und ernannte seinen Sohn Kambyses II. zum Nachfolger.

Kyros weitete durch seine Expansionspolitik die Grenzen des ehemals in nur kleinem Umfang bestehenden altpersischen Reichs deutlich aus, das unter seinen Nachfolgern von Indien über Iran, Babylon, Kleinasien bis Ägypten reichte und bis 330 v. Chr. bestand, ehe es von Alexander erobert wurde.

Archäologische Kampagnen und inzwischen verbesserte Lesungen einer Reihe von Keilschrifttexten führten zu neuen Erkenntnissen, die das bisherige Bild vom historischen Kyros verfeinern konnten. Schon bald nach seinem Tod wurde der Perserkönig von seinem Volk als idealer König legendenhaft verklärt. Diese positive Sichtweise wurde von den Griechen übernommen, durch seine Darstellung in der Bibel als religiös toleranter Regent verstärkt und beherrscht bis heute seine Beurteilung.

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Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 99
BibeltextErklärung
3 Danach wird ein mächtiger König aufstehen und mit grosser Macht herrschen, und was er will, wird er ausrichten.Erst als die Griechen, unter Alexander dem Makedonier (336–323 v. Chr.) nun geeint gegen Persien antraten, fiel dieses ganz. Alexanders Glanzzeit dauerte nur 10 Jahre. Er war ein absoluter Autokrat, sein Wille war Gesetz.
4 Aber wenn er emporgekommen ist, wird sein Reich zerbrechen und in die vier Winde des Himmels zerteilt werden, nicht auf seine Nachkommen, auch nicht mit solcher Macht, wie er sie hatte; denn sein Reich wird zerstört und Fremden zuteil werden.Er starb unerwartet, erst 33-jährig an Malaria-Fieber. Seine beiden noch unmündigen Söhne wurden ermordet. Sein Riesenreich wurde nach vielen Querelen unter der Generalität auf vier Heerführer verteilt. Nach den vier Winden bedeutet in die vier Himmelsrichtungen. So nahm sich Ptolemäus Ägypten, Libyen, Judäa, Äthiopien, die Länder rund ums Tote Meer; Seleukus erhielt Arabien, Irak, Iran bis Indien, Syrien, die Südküste der Türkei, den Libanon; Lysimachos erhielt die nördliche Türkei, Armenien, Makedonien; Kassander hatte sich mit Westgriechenland zu begnügen. Das blieb aber nicht für immer so. Für das weitere Geschehen verlegt sich die Bibel nur noch auf die verallgemeinernden, in der Bedeutung wechselnden Begriffe «Nordkönig und Südkönig» mit dem «herrlichen Land» (Tempel-Gottes-Stadt Jerusalem) dazwischen.

Bis Dan. 11, 4 sind sich alle Exegeten einig, dass der grosse Emporkömmling mit kometenhaftem Auf- und Abstieg Alexander verkörpert, weil Persien und Griechenland wörtlich genannt werden und auch Daniel sie kennt. Da ab Vers 5 bis zum Ende in Vers 45 nur noch von symbolisch «Norden» und «Süden» gesprochen wird, deutet Jaques B. Doukhan in «Daniel, die Vision vom Ende» aus literarisch-strukturellen Gründen und mit starken Bezügen zu den anderen Visionen diese letzte Vision als geistlichen Kampf zwischen dem kleinen Horn und den weltlichen Mächten. Eine detaillierte Auslegung von Vers zu Vers bleibt er aber vorläufig noch schuldig. So bedienen wir uns hier des Deutungsversuchs durch William H. Shea in der Annahme, dass diesbezüglich noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.

BibeltextErklärung
5 Und der König des Südens wird mächtig werden;Wenn unter den Fremden in Dan. 11, 4 die nicht leiblichen Nachkommen Alexanders zu verstehen sind, also seine Generäle, so muss hier mit dem «König des Südens» vorerst Ptolemäus I. Soter (323–285 v. Chr.) gemeint sein. Er machte sich nach Alexanders Tod zum Herrscher über Ägypten und gründete die ptolemäische Dynastie. 320 v. Chr. eroberte er den Libanon, Syrien und Israel. Norden und Süden sind, auch wenn Daniel die Vision in Persien erhält, immer von Jerusalem aus gedacht. Die Herrschaftsgebiete Kassanders und Lysimachos' werden nicht erwähnt, weil sie nicht mit Israel in Berührung kommen.
aber gegen ihn wird einer seiner Fürsten noch mächtiger werden und herrschen; dessen Herrschaft wird gross sein.Seleukus I. Nikator (312–281 v. Chr.), ein früherer General von Ptolemäus I. machte sich um 312 v. Chr. unabhängig, erlangte die Herrschaft über Syrien, gründete die Dynastie der Seleukiden. Sein Reich im Norden von Israel wurde das grösste Diadochenreich.
6 Nach einigen Jahren aber werden sie sich miteinander befreunden.Der Zeitsprung weist auf die nächste Generation hin. Um den jahrelangen Nord/Südkonflikten ein Ende zu setzen, bilden Ptolemäus II. Philadelphos und Antiochus II. Theos eine Allianz.
Und die Tochter des Königs des Südens wird kommen zum König des Nordens, um die Einigkeit zu festigen. Aber sie wird keinenDieses Bündnis wurde durch die Hochzeit zwischen der Berenike (Tochter von Ptolemäus II.) und Antiochus II. besiegelt. Nach dem Tod des Ptolemäus wurde das Abkommen wieder aufgehoben und Laodike, die vormals verstossene Frau des Antiochus, liess diesen, ihren Exmann und das Söhnchen aus der Ehe mit
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BibeltextErklärung
Erfolg haben, und auch ihr Nachkomme wird nicht bleiben, sondern sie wird preisgegeben werden samt denen, die sie gebracht haben, und mit dem, der sie erzeugt hat, und mit dem, der sie zur Frau genommen hat.Berenike durch Gift ermorden. Berenike konnte mit einigen Getreuen nach Daphne bei Antiochia fliehen, wurde aber vom Sohn der Laodike (Seleukus II. Kalinnikos, 246–226 v. Chr.) aufgespürt und samt ihrem Gefolge umgebracht.
7 Zu der Zeit wird einer aus ihrem Stamm emporkommen; der wird gegen die Heeresmacht des Königs des Nordens ziehen und in seine Festung eindringen und wird an ihnen seine Macht zeigen.Um den Tod Berenikes und ihres Sohnes zu rächen, zog Ptolemäus III. Euergetes (246–221 v. Chr.) gegen den Norden, besiegte Seleukus II., eroberte die syrische Hauptstadt, die Festung Seleukia und ganz Syrien.
8 Auch wird er ihre Götter samt den Bildern und den kostbaren Geräten aus Silber und Gold wegführen nach Ägypten und einige Jahre von dem König des Nordens ablassen.Als in Kyrene ein Aufstand losbrach, gab aber Ptolemäus III. Syrien wieder auf und kehrte nach Ägypten zurück. Dabei machte er grosse Beute: unermessliche Schätze, zahllose Heiligtümer und Götzenbilder und viele Gefangene von hoher Stellung in Syrien. Dies hatte eine religiöse Dimension gezeigt: die Götter Ägyptens hatten über die Götter Syriens triumphiert. Für einige Jahre kehrte im vorderen Orient zwischen «Nord» und «Süd» Ruhe ein.
9 Aber der wird eindringen in das Reich des Königs des Südens, jedoch dann wieder in sein Land zurückkehren.Der Nordkönig Seleukus II. holte später aber wieder zum Gegenschlag aus, um die schmachvolle Niederlage zu rächen. Er scheiterte, Ägypten behauptete weiter seine Vorherrschaftsstellung.
10 Aber seine Söhne werden Krieg führen und grosse Heere zusammenbringen; und der eine wird kommen und wie eine Flut heranbrausen und wiederum Krieg führen bis vor seine Festung.
11 Dann wird der König des Südens ergrimmen und ausziehen und mit dem König des Nordens kämpfen. Der wird ein grosses Heer zusammenbringen, aber das Heer wird in die Hand des andern gegeben
Bei den Söhnen handelt es sich um Seleukus III. Ceraunon und um Antiochus III., der Grosse. Sie sammelten ein riesiges Söldnerheer, um den Kampf gegen Ägypten weiterzuführen. Der eine (Seleukus III) regierte nur kurze Zeit (226–223 v. Chr.) und wurde vergiftet. Antiochus III. erhielt den Zunamen der Grosse, weil er lange an der Macht blieb (223–187 v. Chr. ) Sein erster Sturm gegen Ptolemäus IV. Philopator bei Raphia wurde von den ägyptischen Festungen im Libanon aufgehalten (221 v. Chr.). Zwei Jahre später gelang der Durchbruch und die Einnahme von Tyrus und Akko. 218 v. Chr. holte sich Antiochus III. Teile Israels und weckte dadurch den Zorn Ägyptens. Ptolemäus IV. Philopator besiegte ihn vernichtend in der Entscheidungsschlacht von Raphia und Gaza.
12 und vernichtet werden. Daraufhin wird sich dessen Herz überheben und er wird viele Tausende erschlagen; aber er wird nicht mächtig bleiben.Ptolemäus IV. verstand es aber nicht, seinen grandiosen militärischen Sieg auch politisch auszunützen. In seinem Triumph liess er Antiochus III. einfach abziehen. Dieser wandte sich dem Osten zu, wo er verlorene syrische Ländereien zurückgewann und sich für einen weiteren Angriff auf Ägypten vorbereiten konnte. Die Gelegenheit dazu bekam er, nachdem 204 n. Chr. Ptolemäus IV. gestorben war und dessen unmündiger Sohn Ptolemäus V. noch als Kind auf den Thron Ägyptens kam.
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BibeltextErklärung
13 Denn der König des Nordens wird wiederum ein Heer zusammenbringen, grösser als das vorige war; und nach einigen Jahren wird er ausziehen mit grosser Heeresmacht und vielem Tross.Antiochus III. nützte die Zeit der Thronschwäche, der Thronzwistigkeiten, der Unruhen und Aufstände im Südreich aus. Syrien verbündete sich mit Mazedonien. Israel hielt mehr zu Syrien, und vormals durch Ptolemäus IV. verfolgte Juden in Alexandrien baten Rom um Vormundschaft für den jungen König Ägyptens (Vers 14 b). Das Länder fressende republikanische Rom kam gern zu Hilfe; es hatte somit Aussichten, gegen Mazedonien und Syrien vorzugehen.
14 Und zur selben Zeit werden viele aufstehen gegen den König des Südens. Auch werden sich Abtrünnige aus deinem Volk erheben und eine Weissagung erfüllen und werden fallen.
Statt Abtrünnige aus deinem Volk: «Zerbrecher deines Volkes» in der Bedeutung von:
a) Söhne der Gewalttätigen aus deinem Volk, die nationale Interessen verfolgten oder
b) die Söhne derer (Fremder), die gewalttätig gegen dein Volk vorgehen, verfolgen, plagen.
Mit dem Auftritt des 4. Reiches im Orient ging die Weissagung in Dan. 2 und 7 in Erfüllung. Auch war ein Horn aus Dan. 8, 7 beseitigt. Der kursiv gedruckte Satz ist genauer mit «Peiniger deines Volkes aufgehoben» zu übersetzen. Rom, aber auch Antiochus III. war gegen Juden toleranter. Ptolemäus IV. hatte ca. 50000 Juden umbringen lassen, Familienmitglieder ermordet und sich durch andere Untaten verhasst gemacht.
Deshalb die Aufstände im Reich nach seinem Tod. Im Vers 14c wird der gänzliche Fall des Ptolemäerreiches vorausgesagt. Um 200 v. Chr. schlug Ägypten unter General Skopas zu und holte Israel wieder zurück. Im Jahr 198 v. Chr. aber kam es bei Paneas erneut zu einer Schlacht, bei der Antiochus III. siegte und Judäa zurückeroberte. Endgültig fiel das Südreich erst unter Antiochus IV. beim nächsten Feldzug unter Mitwirkung Roms (Verse 15f).

Ab Vers 13 tritt Rom ins Blickfeld des Geschehens. Was ab Vers 16 geschieht, kann sich nicht mehr auf den berüchtigten Antiochus IV. Epiphanes beziehen. Der Glanz Alexanders, der in den Diadochenreichen weiterlebte, verblasste, während Roms Stern am Welthimmel der Macht aufstieg. Was bis ans Ende aber bleibt, ist der Weltgeist (Wind) Alexanders (Imperialismus/Hellenismus), der in dieser Vision von «Königreich» zu «Königreich» bläst und durch säkulares und geistliches Rom bis ans Ende übermittelt, erst durch das Erscheinen Michaels vernichtet wird.

BibeltextErklärung
15 Und der König des Nordens wird kommen und einen Wall aufschütten und eine feste Stadt einnehmen. Und die Heere des Südens können es nicht verhindern, und sein bestes Kriegsvolk kann nicht widerstehen;Jahre später ist es nun Antiochus IV. Epiphanes (175–163 v. Chr.) der letzte der Seleukiden im Norden, der bis zu den Makkabäern geherrscht hat. Er führt 169 v. Chr. einen Feldzug gegen Ägypten durch, wobei die Stadt Pelusium vor dem Nildelta im Mittelpunkt stand. Diese und den östlichen Teil des Deltas gewinnt er, kann es und das «herrliche Land» (Judäa) aber nicht mehr lange behalten, weil eine neue Macht am Horizont aufsteigt und die Weltpolitik verändert.
16 sondern der gegen ihn zieht, wird tun, was ihm gut dünkt, und niemand wird ihm widerstehen können. Er wird auch in das herrliche Land kommen und Verderben ist in seiner Hand.Diese Macht ist die bereits mit Ägypten verbandelte Republik Rom. Korrekt übersetzt zieht der Neue (Namenlose) zuerst nicht «gegen», sondern «zu» ihm (Nordkönig); denn nach dem Besuch durch Roms Diplomaten verzichtete Antiochus IV. auf Judäa, um nicht der geballten Militärmacht Roms zu begegnen. Von Vers 15 an bis Vers 39 wird nicht mehr namentlich vom Nordkönig gesprochen. An seine Stelle tritt ein gewisses «Er», das den Hellenismus integrierende römische Reich (in Dan. 7 durch das aus dem Haupt des 4. Tieres wachsende und in Dan. 8 durch das aus einem der 4 Winde blasende «kleine Horn») symbolisiert wie auch charakterisiert.
17 Und er wird seinen Sinn darauf richten, dass er mit Macht sein ganzes Königreich bekomme, undWährend Vers 16 sich auf Pompejus, den ersten Besetzer Judäs, bezog, treffen die Verse 17-19 auf Julius Cäsar zu. Ägypten als Grossreich (Ptolemäus XIV.) war durch die politischen und militärischen Schachzüge Cäsars und dessen Liebes-
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BibeltextErklärung
sich mit ihm vertragen und wird ihm seine Tochter zur Frau geben, um ihn zu verderben. Aber es wird ihm nicht gelingen, und es wird nichts daraus werden.affäre mit Kleopatra zwar befriedet, aber nicht in römischem Besitz. In Vers 18 wird wohl Bezug genommen auf das Bestreben Roms nach der Oberherrschaft auch zur See hin. Diese gehörte lange den Karthagern, Griechen und Ägyptern. Das hebräische Wort für «Inseln» kann auch mit «Küsten» übersetzt werden. Cäsar unternahm Feldzüge in griechische, spanische und nordafrikanische Küstenländer.
18 Danach wird er sich gegen die Inseln wenden und viele von ihnen gewinnen. Aber ein Mächtiger wird ihn zwingen, mit Schmähen aufzuhören, und wird ihm seine Schmähungen heimzahlen.Kurz nach seiner Freundschaftstour mit Kleopatra in Rom wurde Cäsar ermordet. Danach versuchte es Marcus Antonius, der Freund Cäsars, mit Kleopatra. Er hatte zwei Söhne und eine Tochter mit ihr, aber auch das ging schief. In der Seeschlacht von Aktium liess ihn Kleopatra im Stich und brachte sich später selber um.
Der Mächtige, auf römischer Seite, der es Cäsar und Antonius heimzahlen sollte, war Oktavian. Er gewann durch Überlistung des Senats in Rom und durch seine Eroberungen immer mehr Ansehen und Macht, sodass er bald den Zunamen «Augustus» (der Grosse, Erhabener) erhielt.
19 Danach wird er sich wenden gegen die Festungen seines eigenen Landes; er wird straucheln und fallen, dass man ihn nirgends finden wird.Hier haben wir eine Anspielung auf den Abstieg und den gewaltsamen Tod Cäsars. Die «Festung» seines eigenen Landes deuten auf die feststehenden republikanischen Ordnungen im römischen Weltreich. Der Senat fürchtete, dass Cäsar nach dem Politspiel mit Kleopatra und ihrer beider Sohnes Cäsarion durch Bildung eines Familienclans die erbliche Alleinherrschaft anstrebe. Es gab eine Verschwörung und so wurde Cäsar auf dem Weg zur Senatssitzung von den eigenen «Freunden» ermordet.
20 Und an seiner Statt wird einer emporkommen, der wird einen Kämmerer das herrliche Land durchziehen lassen, um Abgaben einzutreiben; doch nach einigen Jahren wird er umgebracht werden, aber weder öffentlich noch im Kampf.Was man bei Cäsar befürchtet hatte, geschah dann doch unter seinem Nachfolger Oktavian Augustus. Der war noch schlauer und trotzte dem Senat durch geschickte politische Schachzüge und die Eliminierung seiner Rivalen immer mehr Machtbefugnisse ab. Dazu und um die Macht zu erhalten, baute er die Armee aus. Er benötigte deshalb sehr viel Geld und so führte er im ganzen Reich eine grossangelegte, mehrere Jahre dauernde Reichssteuerschatzung durch. Diese fiel genau in die Jahre von der Geburt Jesu Christi (Luk. 2, 1–5). 14 n. Chr. starb Augustus unerwartet nach kurzer, schwerer Krankheit.
21 Dann wird an seiner Statt emporkommen ein verächtlicher Mensch, dem die Ehre des Thrones nicht zugedacht war. Der wird unerwartet kommen und sich durch Ränke die Herrschaft erschleichen.
22 Und heran flutende Heere werden vor ihm hinweggeschwemmt und vernichtet werden, dazu auch der Fürst des Bundes.
Die Kaiserthronfolge trat Tiberius an. Er war nicht Augustus' Sohn, sondern von einem Priester und war durch Livia in die dritte Ehe des Kaisers gebracht worden. Obwohl ihn Augustus nicht ausstehen konnte, musste er ihn aus Gründen der Thronfolge adoptieren und als Thronanwärter akzeptieren. Tiberius war eine undurchsichtige, unberechenbare, finstere Gestalt. Da es aber noch Nebenbuhler gab, schmeichelte er sich beim Senat durch Verstellung und Heuchelei ein, um die Kaiserkrone zu erwerben. Kaum an der Macht, wurde seine Regierung völlig militärisch und despotisch. Verfolgungen und Hinrichtungen waren alltäglich. Er litt an Verfolgungswahn. Auch im engsten Umfeld war niemand sicher. Er führte mehrere Rachefeldzüge gegen Barbarenheere durch und schlug Aufständische nieder. Die Drohung in Joh. 19, 12 verunsicherte deshalb Pilatus. Im 78. Lebensjahr wurde Tiberius todkrank und wurde erstickt. Rom atmete auf. Unter seiner Herrschaft wurde im Jahr 31 unserer Zeitrechnung der Fürst des Bundes, Jesus von Nazareth, gekreuzigt.
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Mit Vers 22 sind wir mit dem Fürsten des Bundes beim zentralen Punkt der Heilsgeschichte angelangt. Es handelt sich um die letzte der siebzig Jahrwochen aus Dan. 9, 24–26 als erstem Abschnitt der 2300 Jahrtage in Dan. 8, 13.14. Wenn wir annehmen, dass sich die Verse 23–39 auf den zweiten Teil der 2300 Jahrtage Heiligtumsverwüstung durch das andere, also das geistliche, päpstliche Rom bis 1844 beziehen, so muss die Erfüllung von Teil 3 des Kapitels 11 im Mittelalter bis zur Neuzeit zu finden sein. Wir folgen hier dem Auslegungsversuch von William Shea und nehmen ihn als Arbeitshypothese. Es teilt die Verse 23–39 in folgende vier Abschnitte ein.

VerseInhalt
1. Verse 23–30Militärische Aktionen im eigentlichen Sinn
2. Vers 31Umsturz, Fälschung des Erlösungsplanes
3. Verse 32–34Verfolgung
4. Verse 35–39Selbsterhöhung

Die letzten drei Aktivitäten entsprechen jenen des kleinen Horns in Dan. 7 und 8.

William Shea legt sich bei den Versen 23–39 nicht mehr auf einen chronologischen Ablauf fest, da er eine genaue historische Zuordnung für zu schwierig hält. Die Punkte 1 bis 4 sind mehr eine Beschreibung der Geisteshaltung, der hintergründigen Gesinnung des kleinen Horns, wie sie in seinen frevelhaften Unternehmungen von Konstantin, Chlodwig und Karl dem Grossen u. a. bis zur franz. Revolution zu Tage treten.

EreignisDaniel 7Daniel 8Daniel 11
Wegnahme des Täglichen (Dan. 8) Abschaffung des Täglichen (Dan. 8)Vers 11Vers 31
VerfolgungVers 25Vers 10bVerse 32–34
SelbsterhöhungVerse 8, 20, 25aVers 10aVerse 35–39

Bei Vers 23 stellt sich gleich die Frage, wer mit «er» gemeint ist, der mit «ihm» sich anfreundet. Um Tiberius kann es sich nicht handeln, denn bis Vers 39 würde es dauern, bis der «König des Nordens» wieder namentlich erwähnt wird. Indirekt aber nimmt «er» nördliche Funktionen ein, denn zweimal zieht «er» gegen den König des Südens (Verse 25 und 29), und in Vers 27 sitzen beide an einem Tisch. Dass nicht wie in Vers 20 und 21 jemand, «an seiner (des Vorgängers) statt» kommt, zeigt, dass es sich um ein einheitliches Machtsystem handelt, welches mit dem kleinen Horn (geistliches Reich der Finsternis) identisch ist. Auffallend sind die in obiger Liste aufgeführten Parallelen bezüglich des Verhaltens gegenüber dem Heiligtum und denen, die den Bund halten. Die Wurzeln und Strukturen dieser aufstrebenden geistlichen Macht liegen im kaiserlichen Rom (Cäsar, Augustus, Tiberius). Sie werden übernommen und wirken weiter bis zum Ende. Konsequenterweise kann dann der Südkönig nicht mehr buchstäblich für das Ptolemäerreich oder Ägypten genommen werden, sondern als Metapher für alles, was dem geistlichen Rom als geistliche Macht gegenübersteht und sich widersetzt, z. B. Arianismus, alle Formen des Protestantismus (Ketzerei), Mohammedanismus, Humanismus und andere «Ismen» ausserhalb des römischen Katholizismus.

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Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 104
BibeltextErklärung
23 Denn nachdem er sich mit ihm angefreundet hat, wird er listig handeln und heraufziehen und mit wenigen Leuten Macht gewinnen.
24 Und unerwartet wird er in die besten Städte des Landes kommen und wird tun, was weder seine Väter noch seine Vorväter getan haben, und Raub, Beute und Güter an seine Leute verteilen; er wird nach den allerfestesten Städten trachten, aber nur für eine befristete Zeit.
Nachdem sich das kaiserliche Rom mit dem Christentum «befreundet» hatte, d.h. der Staat den Christusglauben zur Staatsreligion erhoben hatte, konnte der Bischof von Rom mit wenig Aufwand in den Wirren der Völkerwanderung nach Konstantins Tod zum neuen Pontifex Maximus heranwachsen. Der politreligiöse Machtanspruch erreichte im Hochmittelalter seinen absoluten Höhepunkt (11./12. Jh.) von den Päpsten angestiftet und vom Rittertum getragen, zog man nach Palästina, also gegen alles «Südliche» (d. h. Nichtrömische). Die wichtigsten militärisch-kriegerischen Handlungen der nun «Befreundeten» fanden in den 150 Jahre dauernden Kreuzzügen nach Palästina und damit Jerusalem statt.
Zwar hielten die Araber die Stadt schon lange besetzt, aber die christlichen «Touristen» hatten freien Zugang (Pilger im 12. Jh.). Aber als unerwartet die Türken kamen und «christliche» Stätten zerstörten, wurde das überraschte Abendland zum Eingreifen veranlasst, wie es die Urchristen nie getan hätten. Vollkommen neu an den Kreuzzügen war, dass den Teilnehmern neben materieller Beute vor allem geistliche Güter in Form von gänzlichem Ablass und damit das Seelenheil ausgeteilt wurden. Die Kreuzritter eroberten viele Festungen, bauten welche aus, errichteten neue, die sie fast 200 Jahre halten konnten. (Akko im Norden z. B. steht heute noch und wurde zur Zeit des englischen Protektorats von den Briten von 1918–48 als Gefängnis benutzt. Shea sieht in den 150 Jahren einen Bezug zu Offb. 9. 5 (5 Monate entsprächen 150 prophetischen Jahren).
25 Und er wird seine Macht und seinen Mut gegen den König des Südens aufbieten mit einem grossen Heer. Dann wird der König des Südens sich aufmachen zum Kampf mit einem grossen, mächtigen Heer, aber er wird nicht bestehen; denn es werden Pläne gegen ihn geschmiedet.Deuten wir den «König des Nordens» als die bis zum Ende bestehen bleibende, klar definierte und abgegrenzte politreligiöse Macht «Papsttum», so kann die Südmacht zu verschiedenen Zeiten durch verschiedene Mächte versinnbildlicht sein. Wer sich weigert, den überheblichen Machtansprüchen des Nordkönigs widerspruchslos zu entsprechen (Christ, Anderstchrist oder auch Nichtchrist), ist visionärer «Südkönig», falls er sich als Gegenreich (politisch agierende Macht) aufspielt. Zur Zeit der Kreuzzüge sind dies hier Anhänger des Islams (Araber, Ägypter, Türken), aber auch Juden und alles, was da «Erdreich» (Herrschaft) beansprucht. «Im Tod der Heiden sieht der Christ seinen Ruhm, weil dadurch Christus verherrlicht wird» war der Slogan. Das Reich Jesu aber ist nicht von dieser Welt (Joh. 18, 36). Vers 25 deutet Shea auf einen vergeblichen Versuch der Moslems hin, von Ägypten aus das von «Christen» besetzte Jerusalem zurückzuholen (Niederlage in Schlacht bei Askalon 1099). Die sein Brot essen, sind hier jene, welche im Auftrag des Südens handeln, welche in seinem «königlichen» Dienste stehen (vgl. 1. Kön. 18, 19).
26 Und die sein Brot essen, die werden helfen, ihn zu verderben und sein Heer zu verjagen, sodass viele erschlagen werden.Die Kreuzritter errichteten im vorderen Orient verschiedene Kreuzfahrerstaaten oder Verwaltungskreise (lat. Reich, Odessa, Jerusalem). Es entstanden Gerangel und Intrigen um die Königs- bzw. Bischofs- oder Patriarchenwürde. Als Herrscher über das Zwergkönigreich Jerusalem setzte sich der Intrigant Gottfried von Bouillon und als Patriarch der unwürdige Taktiker Arnulf von der Normandie durch, weil er angab, das echte Kreuz Jesu gefunden zu haben! Das geistliche Amt bestimmte nach wie vor Rom und dreimal setzte es den Patriarchen über die Jerusalemer Kirche ab. Dieses System sollte nicht lange
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BibeltextErklärung
27 Und beide Könige werden darauf bedacht sein, wie sie einander schaden können, und sie werden an «einem» Tisch verlogen miteinander reden.
Es wird ihnen aber nicht gelingen, denn das Ende ist noch auf eine andere Zeit bestimmt.
Bestand haben, schon bald kam es zu einem zweiten Kreuzzug. Der Kampf zwischen geistlich «Nord» und «Süd» wird erst durch das Erscheinen Michaels in Dan. 12, 1 zu Gunsten des geistlichen «Jerusalems» entschieden werden.
28 Danach wird er wieder heimziehen mit grosser Beute und dabei seinen Sinn richten gegen den heiligen Bund; er wird es ausführen und in sein Land zurückkehren.Der Nordkönig, als Inhaber der Hauptrolle, zog seine Truppen grösstenteils nach Europa zurück. In Jerusalem blieben 300 Ritter und 3000 Soldaten. Die Beute aus dem «hl. Krieg» bestand in unzähligen, vermeintlich Heil bringenden Reliquien. Um diese unheiligen «Fetische» erblühte ein ebenso verderblicher Handel.
Römisch-Katholische Kirchengebäude brauchen auch heute noch mindestens eine Reliquie in ihren Mauern, um den amtlichen Segen zu erhalten, damit darin Messen gelesen werden dürfen. Gegen den heiligen Bund gerichtet ist alles, was nicht dem Evangelium entspricht.
Neben dem abergläubischen Reliquienkult richten sich auch die Judenpogrome, die Massaker, auch an den orientalischen Christen (Kopten, Maroniten u. ä.), die ganze Kreuzzugs-Idee überhaupt, gegen den Bund. Dass dies sogar im Namen Christi geschah, ist geradezu antichristlich.
29 Und nach einer bestimmten Zeit wird er wieder nach Süden ziehen; aber es wird beim zweiten Mal nicht so sein wie beim ersten Mal.Die Verse 29 und 30 berichten vom letzten gross angelegten Kreuzzug. Die militärischen Unternehmungen des kleinen Horns sind also allgemein durch Beschreibung des ersten und letzten Zuges erfasst. Der Ausdruck «nach einer bestimmten Zeit» deutet auf das Dazwischenliegende hin. Der Bezug zum ersten, bei welchem Gegenzüge vor allem von Ägypten aus unternommen worden waren, ist damit gegeben, dass von einem zweiten Mal gesprochen wird. Während beim ersten Kreuzzug Jerusalem erobert und Zwergkönigreiche errichtet worden waren, endete der letzte mit einem Fiasko.
30 Denn es werden Schiffe aus Kittim (Zypern) gegen ihn (bei oder mit ihm) kommen, sodass er verzagen wird und umkehren muss.Gemäss hebräischem Grundtext kommen nicht Schiffe aus Kittim gegen den Nordkönig, sondern bei oder mit ihm. Kittim steht für Zypern oder allgemein für «Küstenländer». Der letzte Kreuzzug in den Orient startete an der südfranzösischen Küste unter Ludwig IX., dem Heiligen. Die Flotte fuhr bis Zypern, überwinterte dort, brach im Frühjahr 1249 auf und legte im Nildelta an. Die Kreuzfahrer erlitten 1250 in Mansura eine vernichtende Niederlage gegen die Ägypter und mussten sich per Schiff über Akko (Palästina) nach Frankreich zurückziehen.
Ludwig IX. hielt dies für ein Gericht Gottes und unternahm zwecks «Wiedergutmachung» 1270 einen letzten Feldzug wieder per Schiff von Südfrankreich aus über Sardinien nach Tunesien, um schliesslich eine noch grössere Niederlage zu erleiden. Sein Heer und er selbst fielen einer Seuche zum Opfer. Die Heimkehr nach Frankreich glich einem Leichenzug.
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BibeltextErklärung
Dann wird er gegen den heiligen Bund ergrimmen und danach handeln und sich denen zuwenden, die den heiligen Bund verlassen.Die Verse 23–28 schilderten, wie die Aktivitäten gegen den heiligen Bund (im NT biblisches Evangelium und dessen Verkünder) unter dem Patronat des Papsttums, und von diesem mittels Ablass bezahlt, begonnen hatten. Die Verse 30b–35 zählen, nicht chronologisch geordnet, auf, was der Nordkönig, (kleines Horn aus Kapitel 7 und 8), als der Verfinsterer und Verwüster alles tut gegen das «Heiligtum», Symbol für a) Erlösungsplan und b) Evangeliumstreue.
31 Und seine Heere werden kommen und Heiligtum und Burg entweihen und das Tägliche (Opfer) abschaffen und das Gräuelbild der Verwüstung aufstellen.
(Messe; heute das Tägliche als Gräuelhafter Ersatz des Originals)
Ab hier: Verfolgungszeit (Mittelalter):
Nachdem die Kreuzzüge insgesamt ausser grosser Verluste an Menschenleben und Pseudoreliquienhandel eigentlich nichts gebracht haben, wendet sich das Papsttum dem Innerchristlichen zu und geht um so verbitterter gegen die so genannten «Ketzer» vor. Was hier in der Sprache des AT gesagt wird, ist, wie schon angedeutet, als Metapher in das Neutestamentliche zu übertragen. Heiligtum = Heilslehre, Burg, Berg, Festung = Heilsgewissheit, Sicherheit, Kirchentum, abgeschafftes Tägliches = Ersatz der Glaubensgerechtigkeit durch Werksgerechtigkeit, Gräuelbild der Verwüstung = Errichtung eines Ersatzkultes durch Messopfer, Sakramentalismus, klerikales Priestertum.
32 Und er wird mit Ränken alle zum Abfall bringen, die den Bund übertreten.
Aber die vom Volk, die ihren Gott kennen, werden sich ermannen und danach handeln.
Hier wird deutlich von zwei Gruppen Christen gesprochen. Einerseits von jenen, die mit dem kl. Horn verbündet sind und den Bund Christi übertreten (in der Offenbarung dem Drachen, seinen Tieren, Offb. 13 und 17 und deren Hörnern folgen) und andererseits jenen, die den Geboten Gottes treu geblieben sind und für die unverfälschte biblische Wahrheit Zeugnis ablegen, auch wenn sie mit Verfolgung rechnen müssen (Offb. 12, 17).
33 Und die Verständigen im Volk werden vielen zur Einsicht verhelfen; darüber werden sie verfolgt werden mit Schwert, Feuer, Gefängnis und Raub eine Zeit lang. (1 Zeit, 2 Zeiten und 1/2 Zeit)Von Verständigen ist auch in Dan. 12, 10 wieder die Rede. Auch dort wie hier besteht eine Verbindung zu einer Verfolgungszeit aus Dan. 7, 25 durch das kleine Horn, der Abschaffung des Täglichen und der Tempelverwüstung (Dan. 12, 7.11). Damit wird klar, dass der Nordkönig und das kleine Horn zwei verschiedene Symbole für das eine politreligiöse System sind.

Warum steht in Daniel 7 und 12: 1 Zeit, 2 Zeiten und 1/2 Zeit und nicht einfach 3 1/2 Zeiten?

360 Jahre = 1 Zeit
540–900 n. Chr.: Aufstieg vom Bischof von Rom zum Papst; der Papst wurde anfangs nicht von allen anerkannt.

720 Jahre = 2 Zeiten
900–1620 n. Chr.: bis zum Beginn des 30-jährigen Kriegs: grösste Wirksamkeit des Papstes

180 Jahre = 1/2 Zeit (= Zerfall)
bis 1798 n. Chr.: 3. Phase des Papsttums bis zur tödlichen Wunde durch die franz. Revolution

Die Reformation von Luther war eine starke Entwicklung gegen das Papsttum (1521 n. Chr. )

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BibeltextErklärung
34 Während sie verfolgt werden, wird ihnen eine kleine Hilfe zuteil werden; aber viele werden sich nicht aufrichtig zu ihnen halten.Innerhalb (während) der speziellen päpstlichen Vorherrschaft von 1260 Jahren wird den Altprotestanten (z.B. Waldensern, Hugenotten, Husiten) durch die Reformation Luthers, Zwinglis und Calvins kurze Zeit zum Aufatmen gegeben. Weil sich aber auch diese neue Form von Protestantismus an die Staatsmacht band, was zu grausamen Religionskriegen (z.B. 30-jähriger Krieg, 1618–1648) führte und auch nichtstaatlich-freikirchliche Gruppen (z. B. Täufer) wieder verfolgt wurden, spricht der Text von einer kleinen Hilfe.
35 Und einige von den Verständigen werden fallen, damit viele bewährt, rein und lauter werden für die Zeit des Endes; denn es geht ja um eine befristete Zeit. (bis 1844)Viele Gruppen gingen im Neuprotestantismus auf. Es entstanden durch die neu gewonnene Freiheit zur Verbreitung der Bibel neue, pietistisch-freikirchliche, meist als «Sekten» bezeichnete Gemeinschaften, die teilweise in den USA Zuflucht fanden. Aus diesen berief Gott ein Volk für die Verkündigung des ewigen Evangeliums als Adventbotschaft (Offb. 14, 6). Die befristete Zeit kann auf die 1260 Jahre in Dan. 7 und 12 oder die letzte Gnadenfrist in Offb. 10, 11 ab 1844 bezogen werden. Die Bewährung zeigt sich in der Annahme oder Verwerfung dieser Botschaft.
36 Und der König wird tun, was er will, und wird sich überheben und grosstun gegen alles, was Gott ist. Und gegen den Gott aller Götter wird er Ungeheuerliches reden und es wird ihm gelingen, bis sich der Zorn ausgewirkt hat; denn es muss geschehen, was beschlossen ist. (Zorn = Gerechtigkeit schaffen, Gericht, Konsequenz)Nach dem Blick auf die «Verständigen» geht es wieder um den König des Nordens, und zwar um dessen Anmassungen und Lästerungen. Der Text entspricht dem, was Paulus in 2. Thess. 2, 3–6 schreibt. Es handelt sich um den abgefallenen Menschen, den Sohn des Verderbens, der sich erhebt über alles, was Gott und Gottesdienst heisst. Er setzt sich in den Tempel Gottes (Gemeinde) und gibt vor, Gott zu sein. Von einem Maul, das grosse Dinge redet, steht auch in Dan. 7, 8.20 und in Offb. 13, 5.6, ebenso, dass diese Macht ins Gericht geht (Dan. 7, 26; 11, 45 b; Offb. 13, 10), was bei Gott längst beschlossen ist (Offb. 17, 1.17).
37 Auch die Götter seiner Väter wird er nicht achten; er wird weder den Lieblingsgott der Frauen noch einen andern Gott achten; denn er wird sich über alles erheben.In Vers 37 in alttestamentlicher Bildersprache geht es nicht um heidnische Götter, sondern um die reine Lehre der Propheten Gottes und der Apostel (2. Mose 3, 15.16; 4, 16; Apg. 2, 42; 2. Tim. 3, 10; Hebr. 6, 1–6) sowie um den Herrn der Gemeinden (Frauen), Christus (Offb. 2, 1).
38 Dagegen wird er den Gott der Festungen verehren; den Gott, von dem seine Väter nichts gewusst haben, wird er ehren mit Gold, Silber, Edelsteinen und Kostbarkeiten.Mit dem Gott der Festungen ist der Absolutheitsanspruch der alleinseligmachenden Kirche auf Unfehlbarkeit in der Lehre (Dogmen) und in der Gottesdienstausübung (Kultus) gemeint. Der Nordkönig gibt sich als alleiniger Inhaber und Verwalter der himmlischen Güter aus. Wer ihm folgt, dem teilt er den Reichtum der Gnade Christi in Gestalt der Sakramente aus oder verweigert sie Andersgläubigen (Exkommunikation). Das Monopol für den «Verkauf» der Himmelsgüter hat aber allein Christus.
39 Und er wird die starken Festungen dem fremden Gott unterstellen. Denen, die ihn erwählen, wird er grosse Ehre antun und sie zu Herren machen über viele und ihnen Land zum Lohn austeilen.Vers 39 vervollständigt das Bild des evangeliumsfremden Gottes der Festungen. Die Urchristen wussten nichts von diesem Sicherheit versprechenden Abgott, von einem geistlichen Weltmachtssystem, das auf sieben Bergen (oder Säulen) erbaut ist (Offb. 17, 9b). Schon mehrmals in der Geschichte ist die Christenheit der Versuchung, Herrschaft über Länder, Völker und Reiche auszuüben, erlegen. Dieser Versuchung hat Jesus widerstanden
S. 108 Die Zeit des Endes
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 108

(Matt. 4, 8.9). Sie wird sich wieder über die ganze Welt erheben in der Endzeit (Offb. 2, 10–12; 13, 7.8), und dies seit Konstantin unter dem gleichen Motto: Sicherheit nur durch polit-religiöse Einheit in der Vielfalt. Vers 39 leitet über zum letzten Teil der Vision, der Zeit des Endes.

Die Zeit des Endes

Alle Exegeten betrachten die Verse 40–45 als eine Darstellung des letzten Streites im Kampf zwischen den mit den Mächten des Südens vereinten Nordmächten gemeinsam gegen den herrlichen heiligen Berg. Diese letzte Phase des «heiligen Krieges» bildet eine Parallele zu Joel 4, der Zeit der letzten Posaune in Off. 11, 18, der Ausgiessung der Plagen in Offb. 16 und 19, 11–21, und zu vielen Stellen in andern prophetischen Büchern, wo von den letzten Tagen oder vom Tag des Zorns oder Gerichts als dem Tag des Herrn die Rede ist.

BibeltextErklärung
40 Und zur Zeit des Endes wird sich der König des Südens mit ihm messen, und der König des Nordens wird mit Wagen, Reitern und vielen Schiffen gegen ihn anstürmen und wird in die Länder einfallen und sie überschwemmen und überfluten.Vers 40 gibt einleitend einen Überblick betreffend der Bestrebungen des Nordkönigs nach Weltherrschaft in der Endzeit. In den folgenden Versen erfahren wir, wie das Überschwemmen und Überfluten der «Länder» vor sich gehen und enden soll. Zielpunkt ist und bleibt die Parusie des Engelsfürsten Michael.

Gegen die totalitären Bestrebungen des Nordkönigs (römische Katholizität) versucht sich der Südkönig (Gegenmacht) vorerst zu wehren. Er sträubt sich aber vergeblich! Sein Name wird nicht mehr erwähnt bis zum Ende. Er ist aber nicht ausgerottet worden, sondern hat sich mit dem Norden «gemessen», d.h. er hat sich angepasst, mit dem Norden gleichgezogen; denn die ganze Welt ist in nie dagewesene, globale Probleme, verstrickt (Dan. 12, 1), sodass nur ein Zusammenschluss aller Kräfte (Weltethos, UNO, Ökumene) Hoffnung auf Besserung erweckt. Dann wird aber auch Gott alle Kräfte des Himmels (Messias, Michael, Advent, Parusie) in Bewegung setzen (Hag. 2, 6; 21. 22; Hebr. 12, 26; Lk. 21, 26. 27).

Dieses Bild finden wir z. B. auch in Offb. 17, 10–14, wo die zehn Hörner mit der entsprechenden Tieresmacht zuletzt für kurze Zeit zusammenspannen, um gemeinsam gegen das Lamm und dessen Nachfolger zu kämpfen. Der Nordkönig tritt mit allen ihm zur Verfügung stehenden geistlichen Waffen zu Land und zu Wasser, also global auf und übernimmt bis zum Erscheinen Michaels das geistliche Weltsteuerruder, «Länder» bedeuten geistliche Gebiete, vorwiegend die Geisteswissenschaften: Ethik, Moral, Philosophie, Theologie, Esoterik, Politologie, Soziologie, Psychologie, Spiritualität, aber auch Naturwissenschaften und Medizin. Das ergibt einen Zustand wie im mittelalterlichen deutsch-römischen Reich, als Rom noch darüber entschied, ob die Erde um die Sonne kreist oder umgekehrt.

S. 109 Seite 109
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 109
BibeltextErklärung
41 Und er wird in das herrliche Land einfallen und viele werden umkommen.
Es werden aber seiner Hand entrinnen Edom, Moab und der Hauptteil der Ammoniter.
Auch das herrliche Land ist keine geografische Grösse wie in Vers 16, sondern das «Land» (Heimat) der Herrlichkeit Gottes = Heiligtums- oder Heilslehre, Himmelreich, Evangelium, aber auch die Gemeinde von Jesus Christus als seine «Braut». Die drei erwähnten Völker (Vers 41) waren zwar Verwandte Israels, diesem gegenüber aber stets feindlich gesinnt.
Auf seinem Welteroberungszug nach Süden ist sein Hauptziel vorerst geistlich Ägypten, das für Atheismus und Weltlichkeit steht. Alle wesensverwandten Mächte (Länder) wie die drei Israel feindlichen (handelt es sich vielleicht um islamische, buddhistische oder hinduistische?) will er vorläufig belassen, weil sie ihm kaum in den Rücken zu fallen drohen. Auf dem Rückzug (Vers 44) aus dem äusseren Süden – die Reihenfolge in der Aufzählung gibt die Richtung Süd bis Nord an – werden auch diese drei ihm nicht mehr entrinnen.
42 Und er wird seine Hand ausstrecken nach den Ländern und Ägypten wird ihm nicht entrinnen,Jedenfalls will der Nordkönig, dass atheistisch infiltrierte Mächte (z. B. kommunistische) zurückfinden zu allein seligmachenden, «nördlichen Werten», d. h. in den Schoss des Nordreiches. Dies ist bis heute auch schon teilweise gelungen.
43 sondern er wird Herr werden über die goldenen und silbernen Schätze und über alle Kostbarkeiten Ägyptens; Libyer und Kuschiter werden ihm folgen müssen.Er wird alle kulturellen Werte, z. B. Absolutismus des vergötternden Pharaonentums, Priestertums, Totenkult und Isis/Osiriskult (Marienkult) übernehmen und ausüben. Auch im atheistischen Kommunismus gab es Vergötterung von Staat und Menschen. Schon in den Versen 36–39 gabs Anmassungen des Nordkönigs. Hier im damals äussersten Süden (Lybier und Kuschiten) erreicht er den Gipfel seiner Arroganz.
44 Es werden ihn aber Gerüchte erschrecken aus Osten und Norden, und er wird mit grossem Grimm ausziehen, um viele zu vertilgen und zu verderben.Ausgerechnet jetzt kommen Gerüchte (Meldungen) aus dem Osten (Babylon), vermittelt über den Norden, erschreckend, umwälzend, unerwartet, bedrohlich! In der Apokalypse wird an 2 Stellen vom Euphrat gesprochen, der (von Jerusalem aus) im Osten liegt. Zuerst in Offb. 9, 13.14.20, wo die vier am Euphrat bis jetzt gebundenen Engel gelöst werden sollen und in Offb. 16, 12, wo wieder kurz vor der Parusie das Euphratwasser vertrocknet, damit den Königen vom Anfang der Sonne der Weg bereitet wird.
45 Und er wird seine prächtigen Zelte aufschlagen zwischen dem Meer und dem herrlichen, heiligen Berg;Die widergöttliche Koalition Nord/Süd versucht auf ihrem überstürzten Rückzug Richtung Norden noch viele (aus dem Volk Gottes) zu verderben. Er bezieht Stellung zwischen Meer (bildlich Mittelmeer) und Zion (hl. Berg), geistesstrategisch gesehen zwischen Heidentum und evangeliumstreuem Christentum. Was bei Daniel «Stellungsbezug» ist, bezeichnet die Apokalypse mit «Sammlung» am Berg von Meggido (Harmagedon, Offb. 16, 16). Wo Daniel einfach vom Ende spricht, ist in Offb. 19, 11–21 die eine Endschlacht ausführlich beschrieben (Joel 4; Hes. 16, 37ff).
aber es wird mit ihm ein Ende nehmen und niemand wird ihm helfen.Das grosse «ABER» weist auf das erlösende Eingreifen Gottes hin, wie schon in Dan. 2,44 (Aber zur Zeit solcher Königreiche wird Gott…), in Dan. 7, 26.27 (Aber das Reich und die Macht … unter dem ganzen Himmel), Dan. 8, 24c.25c (Aber er wird zerbrochen werden ohne Zutun von Menschenhand). Das in der Apokalypse mehrfach ausführlich beschriebene Eingreifen Gottes ist bei Daniel stark verkürzt mit den Worten: «Der grosse Engelsfürst Michael wird sich aufmachen, um sein Volk zu erretten», wiedergegeben (Dan. 12, 1).
S. 110 «Umklammerung» Zions
Aus dem Buch «Daniel – neu entdeckt»Seite 110

«Umklammerung» Zions

nach Daniel 11, 40–45; 12, 1–3

Abbildung im Buch: Grafik: Ein blaues Feld «Das Meer»; darin eine weisse Mondsichel, die einen orangen Kasten «Berg Zion / Tempel» von links umklammert; von rechts zeigt ein Pfeil vom «Engelsfürst Michael» auf Zion.

Das Meer
König des Nordens
Vereint, Zelte zwischen dem heiligen Berg und dem Meer
König des Südens
Berg Zion
Tempel
Der Engelsfürst Michael wird sich aufmachen
Weg frei für König und Könige vom Aufgang der Sonne (d. h. vom Ursprung, Joh. 1, 1: vom Wort) Offb. 16, 12

Was bei Daniel kurz als «Sammlung von Nord und Süd» im Westen vor den Toren Jerusalems und dem «Meer» (Heidentum) im Rücken beschrieben wird, finden wir ähnlich z. B. auch bei Hes. 16, 37; Joel 4, 11–16 und Offb. 16, 14–16; 19, 17–21. Immer handelt es sich um die Endsituation der Menschheitsgeschichte mit der Wiederkunft Christi.

Symbolpaare zur «Mobilmachung für Harmagedon»

VersammlungVersammlung
Auf dem Berg ZionAuf dem Berg von Megiddo
Aus dem Munde des Reiters auf weissem PferdAus dem Mund des Drachen, des Tieres und falschen Propheten
Ein scharfes SchwertDrei unreine Geister
Feueraugen, viele Kronen, Kleider blutbeflecktWie Frösche gestaltet
König vom Aufgang der SonneKönige der ganzen Welt
Heer des HimmelsHeer des Tiers und der Könige
in weisser LeinwandBlossgestellt (Finsternis)

Einführung, Zahlensymbolik und Symbol-Lexikon des Studienhefts

BibeltextSchlachter 1951
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