Daniel 12
Der Feldzug des persischen Königs Kambysis nach Ägypten um 525 v. Chr. als Modell für den Endkampf zwischen Gut und Böse in Dan. 11, 40–45
Um den König des Südens (Ägypten) festzusetzen, musste Kambysis von Norden her über Syrien und durch Judäa (herrliches Land, Vers 41a) dort einfallen und ganz Palästina überfluten. Dabei griff er sowohl zu Land mit Wagen und Reitern, als auch vom Meer her mit Schiffen an (Vers. 40b). Die Länder jenseits des Jordans (Edom, Moab, Ammon) liess er tatsächlich liegen, weil er die westliche Küstenstrasse benützte.
Nach der Einnahme Ägyptens war er gerade daran, Lybier und Kuschiter (Sudan) zu unterwerfen (Vers 43), als erschreckende Nachrichten aus Osten eintrafen (Vers 44). Der Inhalt der Botschaften ist leider der Geschichtsschreibung bis heute nicht bekannt. Man weiss aber, dass sich Kambysis wutentbrannt auf den Rückweg machte und sein Lager in der Küstenebene Scharon (zwischen Mittelmeer und Jerusalem, Vers 45) aufschlug. Hier wurde er unerwartet vom Tode überrascht, vermutlich an den Folgen einer Verwundung am Oberschenkel (Starrkrampf?). Niemand in der Armee konnte ihm helfen (Vers 45). Dieses Ereignis spielte sich zwar lange vor der Alexanderzeit ab, kann aber als Vorlage für den endzeitlichen Kampf in Dan. 11, Joel und Offb. dienen, wie z. B. Joschafat bei Joel 4, 12 für Harmagedon in der Apokalypse (Offb. 16, 13.14.16 und 19, 11–21). Michael erscheint hier als Reiter auf weissem Pferd, als Anführer der himmlischen Heere auf weissen Pferden, Keltertreter, König aller Könige und Herr aller Herren.
| Bibeltext | Erklärung |
|---|---|
| 1 Zu jener Zeit wird Michael, der grosse Engelsfürst, der für dein Volk eintritt, sich aufmachen. Denn es wird eine Zeit so grosser Trübsal sein, wie sie nie gewesen ist, seitdem es Menschen gibt, bis zu jener Zeit. Aber zu jener Zeit wird dein Volk errettet werden, alle, die im Buch geschrieben stehen. | Die Zeitangabe bezieht sich allgemein auf die in Vers 40 erwähnte Epoche der Zeit des Endes und speziell auf die letzten Tage dieser besonderen Zeitspanne ab 1844. Da begann die biblische Endzeit als letztes Zeitalter, welches im Ende der Zeit (Ende der Tage, Vers 13) gipfelt. Wann der Höhepunkt der Bosheit wie sie bisher nie global gewesen ist, erreicht ist, wann die Sünden Grossbabylons bis zum Himmel reichen (Offb. 18, 5), bestimmen nicht Menschen oder Engel, sondern allein der himmlische Vater (Matt. 24, 35). ER gibt seinem Sohn den Befehl, sich aufzumachen. Dieses unmittelbar bevorstehende Ende war soeben in Kapitel 11, 45 angekündigt worden mit: «Es wird mit ihm ein Ende nehmen». Wieder erscheint in Vers 1c das grosse ABER Gottes als Gegenbild zur weltumspannenden Trübsal. |
| 2 Und viele, die unter der Erde schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die andern zu ewiger Schmach und Schande. 3 Und die da lehren, werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich. | Das Ende jener Zeit ist zugleich der Anbruch der Ewigkeit; denn in Vers 2 werden die in den vormaligen Zeiten Verstorbenen aufwachen zum ewigen Leben oder zu ewiger Verworfenheit. Das Sich-Aufmachen Michaels bewirkt das langersehnte Aufwachen der Toten. Weil keine noch so grosse menschliche Macht den Lauf der Gestirne verändern kann, sind sie treffende Symbole für das absolut Gesicherte, ewig Bestehende. |
Solch wunderbare, tröstliche Verheissungen zur Auferstehung der Toten sind viele in der Bibel. Das Buch Daniel ist aber das einzige im AT, das einen so klaren Zeitbezug aufweist, der schnurgerade von seiner Zeit aus über das erste Kommen Christi bis zu seiner Wiederkunft verläuft. Es zeigt in grossen Schritten den Kampf zwischen Licht und Finsternis. Die Leidtragenden sind Gottes Kinder, das Volk Gottes. Der Messias ist dabei leidend, aber auch siegend vorausgegangen. Sie werden durch ihn zu Teilhabern an seinem Sieg (Matt. 5, 4.10; 1. Kor. 15, 50–58). Im Epilog des Danielbuches (Dan. 12, 4–13) werden wir zuerst wieder an den Anfang der Vision zu Dan. 10, 4–6, dem Mann über dem Strom, zurückgeführt. Nun aber werden noch einmal die Zeiten aus Dan. 7 erwähnt und Erläuterungen gegeben. Abschliessend verschmilzt der Ablauf der Lebenszeit Daniels mit der Auferstehung am Ende der Tage. Für Verstorbene ist die Zeit zwischen diesen beiden Polen gleich null. Nichts von Himmel, Hölle oder gar Fegefeuer. Diese Verheissung gilt allen Menschen, die sich auf die Ankunft Jesu freuen.