BibelverstehenGebet

Start › Andere Fragen › Frühgeschichte des Menschen

Frühgeschichte des Menschen

Wer waren die Neandertaler, und wie passen sie zur Bibel?

Kurze Antwort

Die Neandertaler waren echte Menschen: kräftig gebaut, mit einem grossen Gehirn, geschickt im Werkzeugbau, sie begruben ihre Toten und pflegten ihre Kranken. Die Genforschung zeigt sogar, dass viele heutige Menschen etwas von ihrem Erbgut in sich tragen. Für die Bibel sind sie darum Nachkommen Adams und Noahs, wie wir alle. Sie passen gut in die Zeit nach der Sintflut und nach Babel, als kleine Gruppen sich in einer kalten Welt neu zurechtfinden mussten.

Ein Fund im Neandertal

Im Jahr 1856 fanden Arbeiter in einem Kalksteinbruch im Neandertal bei Düsseldorf Knochen in einer kleinen Höhle: ein Schädeldach, Arm- und Beinknochen. Der Schädel sah anders aus als bei heutigen Menschen: flacher, länger, mit dicken Wülsten über den Augen. Nach dem Fundort nannte man diese Menschen «Neandertaler».

Seither hat man in Europa und Westasien Überreste von mehreren hundert Neandertalern gefunden, von Spanien bis Usbekistan. Viele lagen in Höhlen oder unter Felsdächern.

Ein ist grösser und länger als unserer, die Stirn flacher, das Kinn kaum ausgeprägt. Ihr Körper war gedrungen und sehr muskulös, mit kräftigen Knochen. Wie sie ausgesehen haben könnten, zeigen .

Wie die Wissenschaft sich korrigiert hat

Das Bild vom Neandertaler hat sich stark verändert. Am Anfang meinten manche Gelehrte, die Knochen stammten von einem kranken Menschen. Der berühmte Berliner Arzt Rudolf Virchow hielt die Form für die Folge von Rachitis, einer Knochenkrankheit.

Später setzte sich ein ganz anderes Bild durch: der Neandertaler als gebückter, affenähnlicher Wilder. Ein französischer Forscher rekonstruierte im Jahr 1911 ein Skelett mit krummem Rücken und gebeugten Knien. Dieses Bild prägte Bücher, Museen und Zeichnungen wie diese für Jahrzehnte.

Doch es war falsch. Spätere Untersuchungen zeigten, dass das Skelett von einem älteren Mann mit schwerer Gelenkkrankheit stammte. Neandertaler gingen genauso aufrecht wie wir. Das Beispiel zeigt: Auch die Wissenschaft irrt sich manchmal und muss ihr Bild korrigieren, besonders dann, wenn sie mit einer festen Erwartung an die Funde herangeht.

Menschen wie wir

Heute weiss man viel mehr. Die Neandertaler hatten im Durchschnitt ein etwas grösseres Gehirn als der heutige Mensch. Sie stellten feine her, machten Feuer, jagten grosse Tiere und stellten sogar Klebstoff aus Birkenrinde her, was viel Wissen und Geschick verlangt.

Sie trugen Schmuck, zum Beispiel , und benutzten Farben. Sie begruben ihre Toten. Und sie pflegten ihre Kranken: In einer Höhle im Irak fand man das Skelett eines Mannes, der mit einem verkrüppelten Arm, einem blinden Auge und weiteren Verletzungen noch viele Jahre gelebt hatte. Allein hätte er nicht überlebt. Andere mussten ihn versorgt haben.

Das alles sind Zeichen für das, was die Bibel über den Menschen sagt: „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde“. Wer seine Toten begräbt, denkt über den Tod hinaus. „auch die Ewigkeit hat er in ihr Herz gelegt“. Und wer Schwache pflegt, zeigt Liebe und Mitgefühl, Eigenschaften, die von Gott kommen.

Wer sagt, dass sie dumm waren?

Das Bild vom dummen, grunzenden Höhlenmenschen hält sich bis heute in Filmen und Witzen. Aber niemand hat je bewiesen, dass die Neandertaler weniger klug waren als wir. Im Gegenteil: Je mehr man findet, desto mehr staunen die Forscher.

Ein Beispiel ist ihr Klebstoff. Um aus Birkenrinde Teer zu gewinnen, muss man die Rinde stark erhitzen, aber so, dass kaum Luft dazukommt, sonst verbrennt sie einfach. Heutige Forscher haben lange herumprobiert, bis sie es mit einfachen Mitteln geschafft haben. Die Neandertaler konnten es, und sie klebten damit Steinspitzen an Holzschäfte.

Am Zahnstein von Neandertalern in einer Höhle in Spanien fand man Spuren von Pflanzen, die gegen Schmerzen und Entzündungen helfen. Vielleicht kannten sie also Heilpflanzen. Sie wussten, wie man in einer eiskalten Welt überlebt, welche Tiere man wann jagen kann und wie man Felle verarbeitet. Vieles davon hätten wir ohne Lehrer nicht gewusst.

Wissenswert: Malten die Neandertaler?

In drei Höhlen in Spanien gibt es rote Zeichen an den Wänden: eine Art Leiter mit Punkten, rote Farbe auf Tropfsteinen und den Umriss einer Hand, die an die Wand gelegt und mit Farbe umsprüht wurde. Über die Farbe hat sich im Lauf der Zeit eine dünne Kruste aus Kalk gelegt, die entsteht, wenn Wasser an der Höhlenwand herunterrinnt. Diese Kruste hat die Malereien bis heute geschützt.

Forscher haben diese Kalkkruste untersucht und kamen zum Schluss, dass die Malereien älter sein müssen als die Ankunft der heutigen Menschen in Europa. Also stammten sie wohl von Neandertalern. Andere Forscher bezweifeln diese Datierung. Wer die Zeichen wirklich gemacht hat, ist darum noch umstritten.

Klar ist aber: Neandertaler benutzten rote und schwarze Farben, trugen Schmuck und begruben ihre Toten. Das sind Menschen, die über mehr nachdachten als nur über Essen und Überleben.

Wissenswert: Neandertaler-Erbgut in uns

Einem schwedischen Forscher gelang es, aus alten Neandertaler-Knochen Erbgut (DNA) zu gewinnen und zu entschlüsseln. Dafür bekam er im Jahr 2022 den Nobelpreis.

Das Ergebnis überraschte viele: Menschen, deren Vorfahren aus Europa, Asien oder Amerika stammen, tragen einen kleinen Teil Neandertaler-Erbgut in sich, etwa ein bis zwei Prozent. Das heisst: Neandertaler und andere Menschen haben zusammen Kinder bekommen, und diese Kinder konnten selbst wieder Kinder haben.

Das ist ein starkes Zeichen dafür, dass die Neandertaler keine eigene «Art» waren, sondern Menschen, Teil der einen grossen Menschenfamilie. Genau das sagt die Bibel: Gott „hat aus einem Blut das ganze Menschengeschlecht gemacht“.

Wie passen die Neandertaler zur Bibel?

Nach der Bibel stammen alle Menschen von Adam und Eva ab, und nach der Sintflut von Noah und seinen drei Söhnen (1. Mose 9,19). Die Neandertaler gehören also dazu. Sie sind keine Vorstufe des Menschen, sondern Menschen.

Viele bibelgläubige Forscher sehen sie in der Zeit nach der Sintflut und nach dem Turmbau zu Babel. Als Gott die Sprachen verwirrte, zogen Gruppen in alle Richtungen (1. Mose 11,8). Einige kamen nach Europa und Westasien. Das Klima war damals viel kälter, es war die Zeit der grossen Eiszeit nach der Flut. Höhlen boten Schutz vor Kälte und wilden Tieren.

In kleinen Gruppen, die lange unter sich bleiben, verstärken sich bestimmte Merkmale von Generation zu Generation. So können in wenigen Generationen deutlich unterschiedliche Gesichtszüge und Körperformen entstehen, wie wir es heute bei verschiedenen Völkern sehen. Ein kräftiger, gedrungener Körper hält ausserdem in grosser Kälte die Wärme besser.

Dass die Neandertaler stärker gebaut waren und ein grösseres Gehirn hatten, passt zu dem, was Ellen G. White über die frühen Menschen schreibt: Durch die Sünde würden die Menschen mit der Zeit an Körpergrösse, Ausdauer und geistiger Kraft verlieren. Die Menschheit hat sich also nicht vom Primitiven nach oben entwickelt, sondern ist von einem herrlichen Anfang abgestiegen.

Ellen G. White

The days of man would be shortened by his own course of sin; he would deteriorate in physical stature and endurance and in moral and intellectual power
Patriarchs and Prophets, S. 68

Zusammenfassung: Die Lebenstage des Menschen würden durch seinen eigenen sündigen Weg verkürzt; er würde an Körpergrösse und Ausdauer sowie an moralischer und geistiger Kraft abnehmen.

Ellen G. White

As the years of man have decreased, and his physical strength has diminished, so his mental capacities have lessened.
Patriarchs and Prophets, S. 83

Zusammenfassung: So wie die Lebensjahre des Menschen weniger geworden sind und seine körperliche Kraft abgenommen hat, so haben auch seine geistigen Fähigkeiten nachgelassen.

Und wie alt sind sie?

Die meisten Forscher halten die Neandertaler für sehr alt, viele zehntausend Jahre und mehr. Diese Zahlen beruhen auf Datierungsmethoden, die von bestimmten Annahmen ausgehen, zum Beispiel, dass sich Gesteinsschichten immer langsam und gleichmässig gebildet haben.

Bibelgläubige Forscher bezweifeln diese Annahmen, besonders wegen der Sintflut, die die ganze Erde in kurzer Zeit verändert hat. Sie sehen die Neandertaler in den ersten Jahrhunderten nach der Flut. Beweisen lässt sich keine der beiden Sichtweisen mit letzter Sicherheit. Fest steht, was die Funde zeigen: Die Neandertaler waren Menschen, begabt und fähig zu Gemeinschaft und Fürsorge.

Gedankenspiel: keine Lehre der BibelWas wäre, wenn …? Lange Leben und starke KnochenAntippen zum Lesen

Die Menschen direkt nach der Sintflut wurden noch sehr alt. Sem, der Sohn Noahs, lebte nach der Flut noch fünfhundert Jahre (1. Mose 11,11). Erst nach und nach wurde das Leben kürzer, bis es auf siebzig, achtzig Jahre sank (Ps 90,10).

Was wäre, wenn manche Merkmale der Neandertaler, wie die starken Augenwülste und die langen Schädel, damit zusammenhängen? Bei Menschen wachsen manche Knochen im Gesicht ein Leben lang ganz langsam weiter. Wer Hunderte von Jahren lebt, könnte darum anders aussehen als wir.

Belegt ist das nicht. Die meisten Forscher erklären die Form der Neandertaler mit Vererbung und der Anpassung an ein kaltes Klima, und einige Funde stammen von Kindern, die schon dieselben Merkmale zeigen. Es bleibt ein Gedankenspiel, aber ein spannendes.

Was wir sicher wissen

Die Neandertaler waren keine Tiere und keine «Halbmenschen». Sie waren Teil der einen Menschheitsfamilie, die Gott geschaffen hat. Auch sie trugen Gottes Bild in sich, auch wenn sie in einer harten, kalten Welt leben mussten. Und auch du gehörst zu dieser Familie, von Gott gewollt und geliebt.

Weiterlesen

Auf dem Weg durch die Bibel:

Weitere Fragen:

← Alle Fragen

BibeltextSchlachter 1951
Ganzes Kapitel lesen