Daniel 10
Die drei letzten Kapitel des Buches Daniel bilden eine untrennbare Einheit. Diese abschliessende Prophezeiung ist der zu erwartende Höhepunkt der bereits vorher dargestellten Entwicklung der Ereignisse. In diesen drei kommt die in Dan. 2, 7 und 8 im einzelnen ausgeführte Auslegung vom Aufstieg und Fall der Reiche zum vollständigen Abschluss. Das grundlegende Thema des Buches Daniel ist damit voll verwirklicht.
Daniels grundlegendes Thema: Geschichte des Kampfes zwischen Gut und Böse
Gott lenkt die Angelegenheiten und Geschicke der Menschen inmitten von Aufstieg und Fall sowohl heidnischer Reiche als auch tyrannischer, religiöser Mächte. Von seinem Thron im Heiligtum lenkt er den Lauf der Geschichte. Er ist der wahre Herrscher des Weltalls. Wenn auch zuweilen anscheinend besiegt, wird seine Sache triumphieren, da es am wenigsten erwartet wird. Sein Königreich wird für ewig den Erdball regieren.
Dan. 10, 1
Der historische Rahmen
«Im dritten Jahr des Königs Kyros von Persien wurde dem Daniel, der Beltschazar heisst, etwas offenbart, was gewiss ist und von grossen Dingen handelt. Und er achtete darauf und verstand das Gesicht.»
Das dritte Jahr des Königs Kyros war das Jahr 536 v. Chr.
Zu der Zeit, als die Meder und Perser die Babylonier unterwarfen, durften die Juden nach Jerusalem zurückkehren gemäss der Erfüllung der Prophezeiung Jeremias bezüglich des Endes der 70-jährigen Gefangenschaft. Daniel war fast 90 Jahre alt.
Dan. 10, 2. 3
Daniels Fasten
Die 70 Jahre währende Strafe ist vorüber. In Jerusalem verwirklicht sich ein Neubeginn. Dennoch finden wir den Propheten nicht freudig sondern klagend. Denn:
a) Juda fühlt sich in der Fremde zuhause und bleibt freiwillig in Babylon
b) Der Wiederaufbau Jerusalems geht nur langsam voran, weil die Rückkehrer von allen Seiten bedrängt werden. (Neh. 4, Dan. 9, 25)
Worin liegt der Unterschied zwischen dem wahren Fasten Daniels (Dan. 10, 2. 3) und dem von Christus getadelten Fasten der Pharisäer? (Luk. 18, 12; Matt. 6, 16-18)
Vision über Christus
| Dan. 10, 5. 6 | Offb. 1, 13-15 |
|---|---|
| … und hob meine Augen auf und sah, und siehe, da stand ein Mann, der hatte leinene Kleider an und einen goldenen Gürtel um seine Lenden. Sein Leib war wie ein Türkis, sein Antlitz sah aus wie ein Blitz, seine Augen wie feurige Fackeln, seine Arme und Füsse wie helles, glattes Kupfer, und seine Rede war wie ein grosses Brausen. | … und mitten unter den Leuchtern einen, der war einem Menschensohn gleich, angetan mit einem langen Gewand und gegürtet um die Brust mit einem goldenen Gürtel. Sein Haupt aber und sein Haar war weiss wie weisse Wolle, wie der Schnee, und seine Augen wie eine Feuerflamme und seine Füsse wie Golderz, das im Ofen glüht, und seine Stimme wie grosses Wasserrauschen. |