2 Erklärung
Die Stadt damals
war die kleinste der sieben Städte, aber eine Stadt des Handwerks und Handels: Färber, Weber, Töpfer, Schmiede. Jedes Gewerbe hatte seine Zunft, und zu jeder Zunft gehörten Feste zu Ehren ihres Schutzgottes, mit Götzenopfern und Ausschweifungen. Wer nicht mitmachte, verlor leicht Arbeit und Kunden. Aus Thyatira stammte übrigens Lydia, die , die sich durch Paulus bekehrte (Apg 16,14).
Die Zeit auf der Erde
Der vierte Brief beschreibt die längste Epoche: das Mittelalter, von 538 bis zur Reformation. Die Bibel spricht von einer Zeit von 1260 Tagen, prophetisch 1260 Jahren, in der eine Macht die Heiligen Gottes bedrängt (Dan 7,25; Offb 12,6; 13,5). Adventisten rechnen sie von 538 bis 1798.
In dieser Zeit wird die Kirche zur grössten Macht Europas. Der Papst krönt und setzt Könige ab. Die Bibel gibt es nur auf Latein, das das einfache Volk nicht versteht; vielerorts ist es Laien sogar verboten, sie zu lesen. An die Stelle des Glaubens an Jesus treten Werke, Pilgerfahrten, Reliquien und die Verehrung von Heiligen. Man lehrt, dass ein Priester zwischen Gott und Mensch stehen muss, und verkauft Ablässe, die Strafen für Sünden verkürzen sollen. Wer widerspricht, wird von der Inquisition verfolgt; Kreuzzüge richten sich auch gegen christliche Gruppen.
Und doch ist das Licht nie ganz erloschen. In den im Piemont halten die Waldenser über Jahrhunderte an der Bibel fest. Sie schreiben sie von Hand ab, lernen ganze Bücher auswendig und ziehen als Händler verkleidet durchs Land, um Gottes Wort weiterzugeben. Im 14. Jahrhundert übersetzt John Wycliffe in England die Bibel in die Sprache des Volkes. Man nennt ihn den Morgenstern der Reformation. Jan Hus in Böhmen predigt die gleiche Wahrheit und wird 1415 in Konstanz verbrannt. Gegen Ende dieser Zeit wird das Licht immer heller.
Wie der Brief dazu passt
Jesus stellt sich vor als der Sohn Gottes, mit Augen wie Feuerflammen und Füssen wie glänzendes Erz. In einer Zeit, in der viele Menschen als Mittler zwischen Gott und Mensch verehrt werden, erinnert Jesus daran, wer der wahre Sohn Gottes ist, und dass er alles durchschaut.
Er lobt Liebe, Glauben, Dienst und Geduld, und sagt, dass die letzten Werke mehr sind als die ersten. Die treuen Gläubigen dieser Zeit, die Waldenser und die frühen Reformer, werden gegen Ende immer mutiger. Ihr Licht wird stärker, je näher die Reformation rückt.
Dann der Tadel: Die Gemeinde duldet die Frau Isebel. Isebel war eine Königin in Israel, Tochter eines heidnischen Königs. Sie brachte den Baalskult ins Land, liess die Propheten Gottes verfolgen und verführte ganz Israel, und das alles unter dem Deckmantel der offiziellen Religion (1. Kön 16,31–33; 18,4; 2. Kön 9,22). Ein treffendes Bild für eine Kirche, die Menschenlehren mit Gottes Wahrheit vermischt und die Treuen verfolgt. Jesus sagt, er habe ihr Zeit zur Umkehr gegeben. Diese Zeit war lang: Es ist der längste der sieben Briefe für den längsten Zeitabschnitt.
Zum ersten Mal in den Briefen spricht Jesus hier von seinem Kommen: Haltet fest, was ihr habt, bis ich komme. Die Verheissung: Wer überwindet, bekommt Macht über die Völker und den Morgenstern. Der Morgenstern ist Jesus selbst (Offb 22,16), der Stern, der ankündigt, dass die lange Nacht vorbei ist und der Tag anbricht.
Für dich
Die Waldenser kannten ganze Bibelbücher auswendig. Welchen Bibeltext möchtest du so gut kennen, dass ihn dir niemand mehr nehmen kann?