2 Erklärung
Die Stadt damals
war die jüngste der sieben Städte. Sie lag an einer wichtigen Strasse, die ins Innere Kleinasiens führte, und galt als Tor zum Osten. Im Jahr 17 nach Christus zerstörte ein schweres Erdbeben die Stadt, und noch jahrelang erschütterten Nachbeben die Gegend. Viele Bewohner zogen aus Angst vor einstürzenden Mauern aufs Land hinaus. Zum Dank für die Hilfe des Kaisers bekam die Stadt eine Zeit lang einen neuen Namen. Der Name Philadelphia bedeutet „Bruderliebe“.
Die Zeit auf der Erde
Der sechste Brief beschreibt die Zeit von 1798 bis 1844. Nach der dunklen Zeit der Französischen Revolution erwacht ein neuer Hunger nach Gottes Wort. In England und Amerika ziehen grosse Erweckungen durchs Land. 1804 wird in London die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft gegründet, bald folgen weitere, auch in der Schweiz und in Deutschland. Die Bibel wird in Dutzende Sprachen übersetzt und millionenfach verbreitet. Missionare wie William Carey gehen nach Indien, andere nach Afrika und in die Südsee. Die Bruderliebe der Christen überwindet Grenzen.
Gleichzeitig beginnen viele Christen auf verschiedenen Kontinenten, die Prophezeiungen von Daniel und Offenbarung neu zu studieren. Sie erkennen, dass die 1260 Jahre zu Ende gegangen sind, und fragen nach dem, was danach kommt. In Amerika studiert der Farmer jahrelang seine Bibel. Er kommt zum Schluss, dass die 2300 Abende und Morgen aus Daniel 8,14 im Jahr 1844 zu Ende gehen. Er glaubt, dass Jesus dann wiederkommt, um die Erde zu reinigen. Ab 1831 predigt er, Zehntausende schliessen sich an. Die Adventbewegung erfasst Kirchen aller Konfessionen.
Als Datum wird schliesslich der 22. Oktober 1844 genannt. Die Gläubigen erwarten ihren Herrn, doch Jesus kommt nicht. Die Enttäuschung ist bitter. Eine kleine Gruppe studiert die Bibel weiter und erkennt: Die Rechnung stimmte, aber das Ereignis war ein anderes. Das „Heiligtum“ in Daniel 8,14 ist nicht die Erde, sondern das himmlische Heiligtum. 1844 ist Jesus als unser Hohepriester ins Allerheiligste getreten, um den letzten Teil seines Dienstes zu beginnen, so wie der Hohepriester in Israel am grossen Versöhnungstag (3. Mose 16; Hebr 9,11–12.24).
Wie der Brief dazu passt
Jesus stellt sich vor als der Heilige und Wahrhaftige, der den Schlüssel Davids hat. Er öffnet, und niemand schliesst; er schliesst, und niemand öffnet (vgl. Jes 22,22). Er sagt: Ich habe vor dir eine offene Tür gegeben, die niemand schliessen kann. Für die Adventisten ist dies die Tür zum Allerheiligsten im himmlischen Heiligtum. In Offenbarung 11,19 sieht Johannes, wie sich der Tempel Gottes im Himmel öffnet und die Bundeslade sichtbar wird, die im Allerheiligsten stand. In dieser Lade lagen die Zehn Gebote. So wurde für diese kleine Gruppe auch der Sabbat des vierten Gebots neu wichtig. Ellen G. White beschreibt das in „Der grosse Kampf“, in den Kapiteln über das Heiligtum.
Jesus lobt: Du hast eine kleine Kraft, und hast mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet. Die Adventgläubigen waren wenige und wurden von vielen verspottet, aber sie hielten am Wort fest. Philadelphia bekommt, wie Smyrna, keinen einzigen Tadel.
Jesus sagt: Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme. Nie zuvor wurde die Wiederkunft Jesu so ernst und froh erwartet wie in dieser Zeit.
Die Verheissung: Wer überwindet, wird eine Säule im Tempel Gottes sein und nie mehr hinausgehen. Für die Menschen in Philadelphia, die wegen der Erdbeben immer wieder aus der Stadt fliehen mussten, war das ein starkes Bild: ein fester Platz, der nie mehr wankt. Dazu schreibt Jesus ihnen den Namen Gottes, den Namen des neuen Jerusalem und seinen eigenen neuen Namen auf.
Für dich
Auch du hast vielleicht nur „eine kleine Kraft“. Welche Tür hat Gott dir geöffnet?