2 Erklärung
Der Schlüssel zum Abgrund
„Und der fünfte Engel posaunte; und ich sah einen Stern, der vom Himmel auf die Erde gefallen war, und es wurde ihm der Schlüssel zum Schlunde des Abgrunds gegeben.“ Dieser Stern ist schon gefallen. Viele sehen in ihm Satan. Jesus sagte: „Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen.“
Der Abgrund erinnert an den Anfang der Bibel, als die Erde noch ohne Leben war: „Und die Erde war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe“. Der Abgrund ist ein Ort ohne Licht und ohne Leben. Aus ihm „stieg empor aus dem Schlunde, wie der Rauch eines großen Ofens, und die Sonne und die Luft wurden verfinstert“.
Heuschrecken aus dem Rauch
Aus dem Rauch kommen Heuschrecken. Ein war eine der Plagen über Ägypten (2. Mose 10,12–15). Diese Heuschrecken aber sind seltsam: Sie sehen aus wie Pferde, zum Kampf gerüstet, mit Kronen, Menschengesichtern, Frauenhaaren und Löwenzähnen (Offb 9,7–10). Und sie fressen kein Gras. Sie quälen nur „die Menschen, welche das Siegel Gottes nicht an ihrer Stirne haben.“
Sie haben „als König über sich den Engel des Abgrunds; sein Name ist auf hebräisch Abaddon, und im Griechischen hat er den Namen Apollyon.“ Beide Namen bedeuten «Verderber». Echte Heuschrecken haben keinen König: „die Heuschrecken haben keinen König und ziehen doch ganz geordnet aus“. Es ist also ein Bild.
Viele verstehen den Rauch als eine neue Art von Finsternis. Bis dahin glaubten fast alle Völker an Gott oder an Götter. Seit der Renaissance und dem Humanismus um 1500 wuchs der Gedanke, der Mensch brauche Gott nicht. In der Aufklärung und der Französischen Revolution wurde er laut ausgesprochen, später in Lehren, die Gott ganz leugnen. Dieser Rauch verdunkelt die Sonne, das Licht Gottes, und die Luft, die man zum Atmen braucht. Wer ohne Gott lebt, verliert oft Hoffnung und Sinn: „Und in jenen Tagen werden die Menschen den Tod suchen und ihn nicht finden“.
Doch die Zeit ist begrenzt: „fünf Monate lang“. Fünf Monate sind 150 Tage, etwa so lange lebt eine Heuschrecke. Nach dem Grundsatz «ein Tag für ein Jahr» wären es 150 Jahre. Gott setzt eine Grenze, und er lässt Raum zur Umkehr. Und wer Gottes Siegel trägt, ist geschützt.
Die sechste Posaune: der Euphrat
„Und der sechste Engel posaunte, und ich hörte eine Stimme aus den vier Hörnern des goldenen Altars, der vor Gott steht,“ „die sprach zu dem sechsten Engel, der die Posaune hatte: Löse die vier Engel, die am großen Strom Euphrat gebunden sind!“
Die Stimme kommt vom Altar, an dem gebetet wird. Hörner sind ein Bild für Macht, und vier bedeutet die ganze Welt. Am lag die Stadt Babylon. In der Offenbarung ist Babylon das Bild für eine Religion, die sich an die Stelle Gottes setzt (Offb 17,5). Viele verstehen darum: Lange hielt das geistliche Babylon den Weg zu Gott gefangen. Nur durch die Kirche, so hiess es, komme man zu Gott. Seit der Französischen Revolution verlor diese Macht ihren Griff. Glaubensfreiheit wurde ausgerufen, und die Botschaft von Gott konnte sich wieder frei ausbreiten.
Zugleich bricht ein gewaltiger Kampf los. Das Heer ist riesig, „zweimal zehntausendmal zehntausend“. Die Pferde haben Löwenköpfe, „und aus ihren Mäulern geht Feuer und Rauch und Schwefel hervor.“ „Denn die Macht der Pferde liegt in ihrem Maul“. Viele sehen darin einen Krieg der Worte, zwischen Wahrheit und Lüge, in dem Menschen geistlich sterben. Das ist das Gegenbild zum Reiter am Ende: „Und aus seinem Munde geht ein scharfes Schwert“. Viele verbinden diese Posaune mit der Zeit ab etwa 1844.
Ausleger um 1840 sahen in den Heuschrecken die Heere der Araber und in den Reitern die Türken. Josiah Litch berechnete aus den Zeitangaben, das Osmanische Reich werde im August 1840 seine Unabhängigkeit verlieren, und viele sahen das damals als erfüllt an. Andere halten diese Deutung für zu wörtlich. Die Bibel nennt keine Namen.
Ellen G. White
In the year 1840 another remarkable fulfillment of prophecy excited widespread interest.Zusammenfassung: Im Jahr 1840 weckte eine weitere bemerkenswerte Erfüllung der Prophetie grosses Aufsehen.
Und doch keine Umkehr
Am Ende dieser Posaune steht ein trauriger Satz: „Aber die übrigen der Menschen, die durch diese Plagen nicht getötet wurden, taten nicht Buße von den Werken ihrer Hände“. Sie beten weiter Götzen an, „die weder sehen, noch hören, noch gehen können.“ „Und sie taten nicht Buße, weder von ihren Mordtaten noch von ihren Zaubereien noch von ihrer Unzucht noch von ihren Diebereien.“
Götzen sind nicht nur Figuren aus Stein. Alles, was in einem Leben den Platz Gottes einnimmt, kann zum Götzen werden: Geld, Macht, eine Idee, sogar der Mensch selbst. Darum geht es in der ganzen Offenbarung: Wen betest du an?
Für dich
Mitten im Rauch und im Lärm der Welt gibt es Schutz: Wer zu Gott gehört, trägt sein Siegel. Wem gehört dein Herz?