2 Erklärung
Zwei hohe Gefangene
Eines Tages kommen zwei neue Gefangene: der oberste Mundschenk und der oberste Bäcker des Pharao. Beide hatten wichtige Ämter direkt beim König. Der Mundschenk reichte dem Pharao den Wein und musste darauf achten, dass niemand ihn vergiftete. Darum war er oft ein enger Vertrauter des Königs. Der oberste Bäcker war für das Brot und Gebäck am Hof verantwortlich. In Ägypten gab es dafür grosse Bäckereien mit vielen Arbeitern, wie das zeigt.
Die Bibel sagt nur, dass sie „sich gegen ihren Herrn, den König von Ägypten, versündigten“. Was genau sie getan hatten, wissen wir nicht. Der Pharao ist zornig und lässt sie ins Gefängnis werfen, genau dorthin, wo Josef liegt. Und Josef bekommt den Auftrag, für sie zu sorgen.
Josef sieht die Traurigkeit
Eines Morgens merkt Josef, dass die beiden bedrückt aussehen. Er fragt freundlich: „Warum macht ihr heute ein so finsteres Gesicht?“ Josef selbst sitzt unschuldig im Gefängnis und hätte genug eigenen Kummer. Trotzdem achtet er auf die Not der anderen.
Beide hatten in derselben Nacht einen besonderen Traum gehabt. Für die Ägypter waren Träume sehr wichtig. Sie glaubten, dass die Götter durch Träume sprechen, und es gab gelehrte Traumdeuter am Hof. Doch im Gefängnis war keiner: „Uns hat geträumt; und nun ist kein Ausleger da!“
Josef antwortet: „Kommen nicht die Auslegungen von Gott? Erzählt mir's doch!“ Er gibt sich nicht als besonders klug aus und nimmt die Ehre nicht für sich. Er weist auf den Gott, der allein die Zukunft kennt.
Ellen G. White
One morning, observing that they appeared very sad, he kindly inquired the cause and was told that each had had a remarkable dream, of which they were anxious to learn the significance.Zusammenfassung: Eines Morgens bemerkte Josef, dass sie sehr traurig aussahen. Er fragte freundlich nach dem Grund und erfuhr, dass jeder einen merkwürdigen Traum gehabt hatte und unbedingt wissen wollte, was er bedeutete.
Der Traum des Mundschenks
Der Mundschenk erzählt: Vor ihm war ein Weinstock mit drei Ranken (die Bibel sagt «Schosse»). Er grünte, blühte, und die Trauben wurden reif. Und er selbst hielt den Becher des Pharao in der Hand (1. Mose 40,9–11). Ein Weinstock, Trauben und der Becher des Königs: Der Traum zeigt den Mundschenk wieder bei seiner Arbeit.
Josef erklärt: „Die drei Schosse sind drei Tage“. In drei Tagen wird der Pharao „dein Haupt erheben und dich wieder in dein Amt einsetzen“. «Das Haupt erheben» heisst hier: Der König schaut ihn wieder gnädig an und holt ihn aus der Schande heraus.
Dann bittet Josef um etwas, das ihm auf dem Herzen liegt: „so tue Barmherzigkeit an mir und empfiehl mich dem Pharao, daß er mich aus diesem Hause entlasse“. Er erzählt kurz seine Geschichte: „denn ich bin aus dem Lande der Hebräer gestohlen worden und habe auch hier gar nichts getan, wofür man mich einzusperren brauchte“. Josef klagt niemanden an. Er nennt weder seine Brüder noch Potiphars Frau.
Der Traum des Bäckers
Als der Bäcker hört, wie gut die Deutung für den Mundschenk ausgefallen ist, fasst er Mut. Er trug in seinem Traum drei Körbe auf dem Kopf, so wie man in Ägypten Brot trug. Im obersten Korb lag Gebäck für den Pharao, doch die Vögel kamen und frassen es heraus (1. Mose 40,16–17).
Diesmal ist die Botschaft schwer. Auch hier bedeuten die drei Körbe drei Tage, doch dann „wird der Pharao dich hinrichten und ans Holz hängen lassen, daß die Vögel dein Fleisch fressen werden“. Für einen Ägypter war das besonders schrecklich. Die Ägypter taten alles, damit ihr Körper nach dem Tod gut bestattet wurde. Unbegraben den Vögeln überlassen zu werden, war für sie das Schlimmste.
Josef hätte die Deutung beschönigen können. Er tat es nicht. Er sagte die Wahrheit, auch wenn sie wehtat. Wer Gottes Botschaft weitergibt, darf sie nicht verändern, damit sie angenehmer klingt.
Alles trifft ein
Am dritten Tag feiert der Pharao Geburtstag und gibt ein Fest für alle seine Diener. Da holt er beide Gefangene hervor. Den Mundschenk setzt er wieder in sein Amt ein, den Bäcker lässt er hängen, „wie Joseph ihnen gedeutet hatte“. Jede Einzelheit stimmt. Gott hatte durch Josef die Wahrheit gesagt.
Wissenswert: Ein ägyptisches Traumbuch
Wie wichtig Träume in Ägypten waren, zeigt ein Fund: ein altes Traumbuch auf , heute im Britischen Museum in London. Es ist in der ägyptischen Schreibschrift geschrieben, mit schwarzer und roter Tinte. Darin stehen viele Träume aufgelistet, jeweils mit dem Vermerk «gut» oder «schlecht» und einer Deutung. Die Traumdeuter schlugen also in solchen Listen nach.
Josef brauchte kein solches Buch. Seine Deutungen kamen nicht aus Listen und Erfahrung, sondern von Gott selbst.
Vergessen
Der Mundschenk war Josef sehr dankbar gewesen, für die gute Nachricht und für viele kleine Freundlichkeiten im Gefängnis. Doch kaum ist er wieder am Hof, ist Josef vergessen: „Aber der oberste Mundschenk dachte nicht an Joseph, sondern vergaß ihn“.
Noch zwei lange Jahre bleibt Josef im Gefängnis. Jeden Tag hatte er vielleicht gehofft, dass jemand kommt und ihn holt. Doch niemand kam. Langsam erlosch diese Hoffnung, und zu allem anderen kam noch der bittere Stachel der Undankbarkeit.
Und doch hatte Gott ihn nicht vergessen. Gott bereitete Josef in der Schule des Leidens auf eine grössere Aufgabe vor. Zwei Jahre später braucht der Pharao genau ihn, und dann wird der Mundschenk sich erinnern. Was wie Vergessen aussah, war Gottes Zeitplan.
Ellen G. White
The king’s cupbearer had professed the deepest gratitude to Joseph, both for the cheering interpretation of his dream and for many acts of kind attentionZusammenfassung: Der Mundschenk des Königs hatte Josef tiefste Dankbarkeit bekundet, sowohl für die ermutigende Deutung seines Traums als auch für viele Freundlichkeiten.
Ellen G. White
The hope that had been kindled in his heart gradually died out, and to all other trials was added the bitter sting of ingratitude.Zusammenfassung: Die Hoffnung, die in seinem Herzen aufgeflammt war, erlosch allmählich, und zu allen anderen Prüfungen kam noch der bittere Stachel der Undankbarkeit.
Ellen G. White
God was preparing him in the school of affliction for greater usefulnessZusammenfassung: Gott bereitete ihn in der Schule des Leidens auf eine grössere Aufgabe vor.
Für dich
Josef wurde vergessen, aber nicht von Gott. Wo wartest du gerade, und kannst du darauf vertrauen, dass Gott dich nicht vergessen hat?