Bibeltext · Hiob 25Schlachter 1951
1Da antwortete Bildad, der Schuchiter, und sprach: 2Herrschaft und Schrecken sind bei Ihm; Frieden schafft Er in seinen Höhen. 3Sind seine Scharen zu zählen? Und über wem erhebt sich nicht sein Licht? 4Wie kann aber der Sterbliche gerecht sein vor Gott, und wie will der rein sein, der vom Weibe geboren ist? 5Siehe, sogar der Mond leuchtet nicht helle, und die Sterne sind nicht rein vor ihm, 6wie viel weniger der Sterbliche, der Wurm, und das Menschenkind, das nur ein Würmlein ist?
Bibeltext · Hiob 26Schlachter 1951
1Und Hiob antwortete und sprach: 2Wie hast du doch den Ohnmächtigen unterstützt und dem machtlosen Arm geholfen! 3Wie hast du den Unweisen beraten und Weisheit in Fülle kundgetan! 4Wen hast du mit deiner Rede getroffen und wessen Odem ging aus deinem Munde hervor? 5Die Schatten werden von Zittern erfaßt unter den Wassern und ihren Bewohnern. 6Das Totenreich ist enthüllt vor Ihm, und der Abgrund hat keine Decke. 7Er spannt den Norden aus über der Leere und hängt die Erde über dem Nichts auf. 8Er bindet die Wasser in seinen Wolken zusammen, und das Gewölk zerbricht nicht unter ihrem Gewicht. 9Er verschließt den Anblick seines Thrones, er breitet seine Wolken darüber. 10Er hat einen Kreis abgesteckt auf der Oberfläche der Wasser, zur Grenze des Lichts und der Finsternis. 11Des Himmels Säulen erbeben und zittern vor seinem Schelten. 12Durch seine Kraft erregt er das Meer, und mit seinem Verstand zerschlägt er das Ungeheuer. 13Durch seinen Hauch wird der Himmel klar, mit seiner Hand durchbohrt er die flüchtige Schlange. 14Siehe, das sind die Umrisse seiner Wege; wie leise ist das Wort, das wir davon vernehmen! Wer will aber den Donner seiner Macht verstehen?
Bibeltext · Hiob 27Schlachter 1951
1Und Hiob setzte seine Rede fort und sprach: 2So wahr Gott lebt, der mir mein Recht entzogen, und der Allmächtige, der meine Seele betrübt hat: 3Solange noch mein Odem in mir ist und der Hauch Gottes in meiner Nase, 4sollen meine Lippen nichts Verkehrtes reden und meine Zunge keine Lüge aussprechen. 5Ferne sei es von mir, daß ich euch Recht gebe, ich werde mir meine Unschuld nicht nehmen lassen bis an mein Ende! 6Ich habe an meiner Gerechtigkeit festgehalten und werde sie nicht loslassen, mein Gewissen straft mich über keinen meiner Tage; 7mein Feind aber müsse verurteilt werden und meine Widersacher Unrecht haben. 8Denn was für eine Hoffnung hat der Frevler, wenn Gott [ihn] abschneidet, wenn er ihm seine Seele entzieht? 9Wird Gott sein Geschrei erhören, wenn Not über ihn kommt? 10Hätte er seine Lust an dem Allmächtigen, so würde er Gott allezeit anrufen. 11Ich will euch über Gottes Hand belehren und, was es mit dem Allmächtigen für eine Bewandtnis hat, euch nicht verhehlen. 12Siehe, ihr alle habt es ja gesehen (warum redet ihr so unnütze Worte)? 13Das ist das Teil, das der gottlose Mensch von Gott, und dies das Erbe, das die Tyrannen vom Allmächtigen erhalten: 14Wenn seine Kinder sich mehren, so ist's für das Schwert, und seine Nachkommenschaft hat nicht Brot genug. 15Seine Entronnenen sinken durch die Pest ins Grab, und ihre Witwen beweinen sie nicht. 16Wenn er schon Geld zusammenscharrt wie Staub und Kleider zusammenhäuft wie Kot, 17so bringt er sie zwar zusammen, aber der Gerechte wird sie anziehen, und in das Geld werden sich die Unschuldigen teilen. 18Er baut sein Haus wie die Motte und wie ein Hüttlein, das der Hüter macht. 19Reich legt er sich hin und tut es nicht wieder; in einem Augenblick ist er dahin: 20Schrecken ergreift ihn wie eine Wasserflut, der Sturmwind führt ihn über Nacht davon. 21Ein Ostwind ergreift ihn, und er fährt dahin, er rafft ihn von seiner Stätte hinweg. 22Schonungslos schleudert Er Geschosse nach ihm, eiligst muß er fliehen vor seiner Hand. 23Man klatscht mit den Händen über ihn und zischt ihn aus an seinem Ort.
Bibeltext · Hiob 28Schlachter 1951
1Denn das Silber hat seinen Fundort und das Gold seinen Ort, wo man es läutert. 2Eisen wird aus der Erde gegraben und Kupfer schmelzt man aus Gestein. 3Man macht der Finsternis ein Ende und forscht alles vollkommen aus, die Steine, die in Finsternis und Todesschatten liegen. 4Einen Schacht bricht man auf, wo kein Wandersmann durchgeht; auf unbetretenen Pfaden lassen sie sich hinab und schweben ferne von den Menschen. 5Aus der Erde wächst Brot hervor, und unter ihr ist's wie vom Feuer durchwühlt. 6In ihren Steinen wird Saphir gefunden und Gold in ihren Schollen. 7Ein Pfad [ist's], den kein Raubvogel kennt, und den auch des Habichts Auge nicht erspäht, 8den auch kein Raubtier betritt, darauf der Löwe nicht schreitet. 9Der Mensch legt seine Hand an den harten Felsen und durchwühlt die Gründe der Berge. 10Er treibt Stollen durch die Felsen, und sein Auge ersieht alles, was köstlich ist. 11Damit sie nicht tränen, verstopft er die Wasserrinnen; das Verborgene bringt er ans Licht. 12Aber wo wird die Weisheit gefunden, und welches ist der Ort des Verstandes? 13Der Mensch kennt den Weg zu ihr nicht, im Lande der Lebendigen wird sie nicht gefunden. 14Die Tiefe spricht: «Sie ist nicht in mir», und das Meer: «Sie ist nicht bei mir.» 15Sie wird mit keinem Geld bezahlt und nicht mit Silber aufgewogen. 16Um Gold von Ophir ist sie nicht zu haben, auch nicht um köstlichen Schohamstein und Saphir. 17Gold und Glas kommt ihr nicht gleich, noch wird sie um goldenes Gerät eingetauscht. 18Korallen und Kristall sind nichts gegen sie, und der Besitz der Weisheit geht über Perlen. 19Der Topas aus Äthiopien ist ihr nicht zu vergleichen, mit reinem Golde wird sie nicht aufgewogen. 20Woher kommt denn die Weisheit, und welches ist der Ort des Verstandes? 21Sie ist verborgen vor den Augen aller Lebendigen und vor den Vögeln des Himmels versteckt. 22Der Abgrund und der Tod sprechen: Wir haben mit unsern Ohren von ihr gehört. 23Gott weiß ihren Weg, und er kennt ihren Ort. 24Denn er schaut bis zu den Enden der Erde und sieht alles, was unter dem Himmel ist. 25Als er dem Winde sein Gewicht gab und den Wassern ihr Maß, 26als er dem Regen sein Ziel setzte und dem Wetterstrahl seinen Weg: 27da hat er sie gesehen und durchmustert, sie bereitet und erforscht 28und hat zum Menschen gesagt: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und vom Bösen weichen, das ist Verstand!