2 Erklärung
Warum Bilder?
Warum spricht Gott hier in Bildern? Zum einen deckt die Prophetie die Sünden mächtiger Reiche und Religionen auf. In offener Sprache wäre sie längst verändert oder vernichtet worden. Zum anderen ist Wahrheit wie die aufgehende Sonne: Sie erleuchtet den Verstand nach und nach, damit wir nicht geblendet werden.
Wichtig ist: Die Bibel erklärt ihre Bilder selbst. Die Winde sind Unruhen und Kriege (Jer 49,36). Das Meer sind „Völker und Scharen und Nationen und Sprachen“. Und die Tiere sind Reiche: „Jene großen Tiere, vier an der Zahl, bedeuten, daß vier Könige auf Erden erstehen werden“.
Vier Tiere aus dem Meer
„und vier große Tiere stiegen aus dem Meer empor, ein jedes verschieden vom andern“. Die Reiche, die für Menschen wie Gold und Silber glänzen, sind in Gottes Augen wilde Tiere.
Ein Löwe mit Adlerflügeln ist Babylon (605 bis 539 vor Christus). Er bekommt „ein menschliches Herz“, wie Nebukadnezar in Kapitel 4. Ein Bär, der auf einer Seite höher steht, ist Medo-Persien (539 bis 331): Die Perser wurden stärker als die Meder. Die drei Rippen im Maul stehen wohl für die drei grossen Eroberungen Lydien, Babylon und Ägypten.
Ein Panther mit vier Flügeln und vier Köpfen ist Griechenland (331 bis 168): Alexander eroberte blitzschnell, nach seinem Tod teilten vier Generäle das Reich, Kassander, Lysimachus, Ptolemäus und Seleukus. Das vierte Tier ist schrecklich, mit eisernen Zähnen wie das Eisen im Standbild: Rom (168 vor bis 476 nach Christus). Seine zehn Hörner sind die germanischen Völker, in die das Weströmische Reich zerfiel.
Das kleine Horn
Zwischen den zehn Hörnern wächst ein kleines Horn, „vor welchem drei der vorigen Hörner ausgerissen wurden; und siehe, dieses Horn hatte Augen wie Menschenaugen und ein Maul, welches große Dinge redete“. Die Bibel gibt eine Art Steckbrief: Es kommt aus dem Römischen Reich, es kommt nach den zehn Hörnern auf, es „wird verschieden sein von seinen Vorgängern“, es „Krieg führte mit den Heiligen“, und „wird sich unterstehen, Festzeiten und Gesetz zu ändern“.
Die Geschichte passt dazu: Nach dem Fall Westroms 476 stieg der Bischof von Rom zur Macht auf. Drei Völker, die ihm im Weg standen, verschwanden: die Heruler (493), die Vandalen (534) und die Ostgoten (538). Das Papsttum war anders als die anderen Reiche, politische und religiöse Macht zugleich. Die Reformatoren und auch Ellen G. White erkannten darin das kleine Horn. Die Prophetie hatte gesagt, dass das Papsttum versuchen würde, «Zeiten und Gesetz zu ändern». Gottes Gebot über den Sabbat (2. Mose 20,8–11) wurde durch den Sonntag ersetzt, den Kaiser Konstantin 321 gesetzlich einführte und die Kirche übernahm.
Dabei geht es um ein Machtsystem, nicht um einzelne Menschen. In allen Kirchen gibt es aufrichtige Menschen, die Gott liebt.
Ellen G. White
Prophecy had declared that the papacy was to “think to change times and laws.”Zusammenfassung: Die Prophetie hatte angekündigt, dass das Papsttum sich unterstehen würde, «Zeiten und Gesetz zu ändern».
Eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit
Die Heiligen „werden in seine Gewalt gegeben sein eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit“. Eine «Zeit» ist ein prophetisches Jahr mit 360 Tagen. Dreieinhalb Zeiten sind 1260 Tage, dieselbe Zahl wie in Offb 12,6. Nach dem Prinzip «ein Tag für ein Jahr» (Hes 4,6) sind es 1260 Jahre: von 538 bis 1798. In diesen Jahrhunderten wurden treue Gläubige verfolgt, etwa die Waldenser und die Hugenotten, durch Kreuzzüge und Inquisition. 1798 liess die französische Regierung den Papst gefangen nehmen.
Warum sagt die Bibel nicht einfach «dreieinhalb Zeiten»? Die Aufteilung beschreibt den Weg dieser Macht: eine Zeit des Aufstiegs (etwa 540 bis 900), zwei Zeiten der Festigung und grössten Macht (etwa 900 bis 1620), und eine halbe Zeit des Zerfalls (bis etwa 1800).
Das Gericht im Himmel
Achte darauf, wie Daniel erzählt: Immer wieder heisst es «ich sah», und der Blick wechselt zwischen Erde und Himmel. Gerade als das freche Horn auf der Erde grosse Reden führt, sieht Daniel im Himmel: „Solches sah ich, bis Throne aufgestellt wurden und ein Hochbetagter sich setzte.“ „das Gericht setzte sich, und die Bücher wurden aufgetan“. Das ist ein Trost: Wenn das Böse auf der Erde laut wird, ist Gott im Himmel nicht untätig.
Dann: „es kam einer mit den Wolken des Himmels, gleich einem Menschensohn; der gelangte bis zu dem Hochbetagten“. «Menschensohn» ist der Name, den Jesus am liebsten für sich verwendete (Mt 26,64). Der Hochbetagte ist Gott der Vater. Christus kommt hier nicht auf die Erde, sondern zum Vater im Himmel, um Herrschaft, Ehre und ein Reich zu empfangen.
Das Gericht ist für Gottes Volk gute Nachricht: „bis der Hochbetagte kam und den Heiligen des Allerhöchsten das Gericht übergab“. Es richtet sich gegen das Horn: „Aber das Gericht wird sich setzen und ihm die Gewalt wegnehmen“, und es ist für die Heiligen: „sein Reich ist ein ewiges Reich“.
Ellen G. White
The Ancient of Days is God the Father.Zusammenfassung: Der Hochbetagte ist Gott der Vater.
Ellen G. White
He comes to the Ancient of Days in heaven to receive dominion and glory and a kingdom, which will be given Him at the close of His work as a mediator.Zusammenfassung: Er kommt zum Hochbetagten im Himmel, um Herrschaft, Ehre und ein Reich zu empfangen, das ihm am Ende seines Mittlerdienstes gegeben wird.
Wichtig für die Offenbarung
Die Offenbarung nimmt Daniel 7 auf und zeigt Einzelheiten: Das Tier aus dem Meer in Offenbarung 13 hat Züge von Löwe, Bär und Panther und ein Maul, das grosse Dinge redet, 42 Monate lang, also wieder 1260 Tage (Offb 13,1–5).
Auch die Gerichtsszene kehrt wieder: In Daniel 7 werden Throne aufgestellt, in Offb 20,4 sind sie besetzt. In beiden werden Bücher aufgetan (Offb 20,12). Daniel sieht Gottes Gericht wie in einem grossen Überblick. Die Offenbarung zeigt es in Schritten: Zuerst kommt die Zeit des Gerichts, in der Gottes Volk vor dem ganzen Himmel gerechtfertigt wird („denn die Stunde seines Gerichts ist gekommen“), dann die Vollstreckung in den sieben Plagen und bei Jesu Wiederkunft, und schliesslich das Gericht während der tausend Jahre und danach (Offb 20,4–15).
Für dich
Wenn auf der Erde die „Tiere“ toben, sitzt Gott im Himmel auf dem Thron, und der Menschensohn steht für dich ein. Was gibt dir das für Ruhe?