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Die Bibel selbst

Gibt es Widersprüche in der Bibel?

Kurze Antwort

Beim ersten Lesen scheinen manche Stellen nicht zusammenzupassen. Wer genauer hinschaut, findet fast immer eine Erklärung: verschiedene Blickwinkel, verschiedene Zählweisen oder Ereignisse, die sich ergänzen. Bei Zahlen gibt es an einigen Stellen kleine Unterschiede, die beim Abschreiben entstanden sind. Eine echte Lüge oder ein Widerspruch in der Botschaft der Bibel ist das nicht.

Vier Zeugen, vier Blickwinkel

Die erzählen das Leben Jesu nicht wörtlich gleich. Am Ostermorgen nennt der eine einen Engel, der andere zwei. Der eine nennt drei Frauen, der andere nur Maria Magdalena.

Das ist genau, was man von echten Zeugen erwartet. Wenn vier Menschen einen Unfall sehen, erzählt jeder etwas anders. Wenn ihre Aussagen völlig gleich wären, würde ein Richter vermuten, dass sie sich abgesprochen haben. Die Unterschiede zeigen, dass die Berichte unabhängig sind, und sie widersprechen sich nicht: Wo zwei Engel waren, war auch einer.

Ein Beispiel: Wie starb Judas?

Matthäus schreibt, Judas habe sich erhängt (Mt 27,5). Lukas schreibt in der Apostelgeschichte, er sei kopfüber gestürzt und sein Leib sei aufgeplatzt (Apg 1,18). Ein Widerspruch?

Nicht unbedingt. Vieles spricht dafür, dass beides geschah: Judas erhängte sich, vielleicht an einem Baum über einem Abhang. Später riss das Seil oder der Ast, und der Körper stürzte. Beide berichten einen anderen Teil desselben schrecklichen Endes.

Ein Beispiel: Zwei Stammbäume

Matthäus und Lukas geben beide einen Stammbaum Jesu, aber mit verschiedenen Namen zwischen David und Josef (Mt 1,1–16; Lk 3,23–38). Viele verstehen das so: Matthäus zeigt die königliche Linie über Josef, den rechtlichen Vater Jesu. Lukas zeigt die Abstammung über Maria, deren Vater Eli war; Josef wird als Schwiegersohn genannt. So ist Jesus doppelt ein Sohn Davids.

Zahlen und Abschreibfehler

An einigen Stellen nennen die Bücher der Könige und der Chronik bei derselben Geschichte verschiedene Zahlen. Die hebräischen Zahlen wurden oft mit Buchstaben geschrieben, die sich ähnlich sehen. Beim über Jahrhunderte konnte ein kleiner Strich verloren gehen. Solche Unterschiede gibt es. Sie betreffen nie eine Lehre oder die Botschaft vom Heil.

Gerade dass die Abschreiber solche Unterschiede nicht «verbessert» haben, zeigt, wie treu sie den Text bewahrten.

Wie man schwierige Stellen liest

Die Bibel erklärt sich am besten selbst. Wer eine Stelle nicht versteht, vergleicht sie mit anderen Stellen zum gleichen Thema. Gott sagt: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege“. Manches verstehen wir erst später.

Petrus gab selbst zu, dass in den Briefen des Paulus „etliches schwer zu verstehen ist“. Schwer verständlich heisst aber nicht falsch.

Fragen zum Nachdenken

Habe ich die angeblichen Widersprüche selbst geprüft, oder habe ich nur gehört, dass es sie gibt? Viele, die die Bibel ablehnen, haben sie nie selbst gelesen. Wer ehrlich sucht, wird reich belohnt: „Vertraue auf den HERRN von ganzem Herzen und verlaß dich nicht auf deinen Verstand“.

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