2 Erklärung
Was hier passiert
Noah pflanzt einen Weinberg, trinkt vom Wein, wird betrunken und liegt entblösst in seinem Zelt (1. Mose 9,21). Die Bibel verschweigt die Fehler ihrer Helden nicht. Auch der treue Noah war ein Mensch, der Gottes Gnade brauchte.
Sein Sohn Ham sieht ihn so. Statt ihn still zuzudecken, geht er hinaus und erzählt es seinen Brüdern (1. Mose 9,22). Sem und Japhet machen es ganz anders: Sie nehmen ein Kleid, gehen rückwärts hinein, damit sie ihren Vater nicht ansehen, und decken ihn zu (1. Mose 9,23).
Als Noah aufwacht und erfährt, was geschehen ist, spricht er über die Zukunft seiner Söhne: Kanaan, der Sohn Hams, soll ein Knecht sein (1. Mose 9,25). Über Sem sagt er: „Gepriesen sei der HERR, der Gott Sems“. Aus Sems Nachkommen kommen später Abraham, das Volk Israel und Jesus.
Hat Noah seinen Enkel aus Wut verflucht?
Wer das zum ersten Mal liest, denkt vielleicht: Ham hat einen Fehler gemacht, und Noah verflucht deshalb dessen Sohn, wegen so einer Kleinigkeit? Das wäre tatsächlich ungerecht. Aber so ist es nicht gemeint.
Noah spricht hier nicht als verärgerter Grossvater, sondern als Prophet. Gott zeigt ihm, wie sich die Familien seiner Söhne entwickeln werden, und Noah sagt es voraus. Kanaan wird genannt, weil sich Hams Haltung gerade in Kanaans Nachkommen fortsetzen wird. Bestraft wird niemand für die Sünde eines anderen, und wer umkehrt, kann trotzdem gerettet werden.
Ausführlich erklärt:
1. Es war keine Kleinigkeit. Damals wie heute gilt: „Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren“. Ham stellte seinen Vater bloss, statt ihn zu schützen. Ellen G. White schreibt, dass diese Tat zeigte, dass Ham schon lange keine Ehrfurcht mehr vor seinem Vater hatte. Sie war kein einmaliger Ausrutscher, sondern ein Zeichen für sein Herz.
2. Noah sprach als Prophet. Noah sprach unter Gottes Eingebung und sagte voraus, was aus den Familien seiner drei Söhne werden würde. Seine Worte waren keine Verfluchung aus Wut. Sie legten auch nicht fest, wer gut oder böse wird. Sie zeigten, wohin der Weg führt, den jeder selbst gewählt hatte.
3. Warum gerade Kanaan? Ellen G. White schreibt, dass Noah die Linie Hams über den Sohn verfolgte und nicht über den Vater. Hams Respektlosigkeit und Gottlosigkeit zeigten sich besonders in Kanaan und seinen Nachkommen. Kinder lernen von ihren Eltern und machen oft ihre Fehler nach.
4. Niemand wird für die Sünde eines anderen bestraft. Die Bibel sagt klar: „Der Sohn soll nicht die Missetat des Vaters mittragen“. Die Kanaaniter wurden später nicht für Hams Fehler gerichtet, sondern für ihre eigenen schweren Sünden, und erst nach Jahrhunderten von Gottes Geduld.
5. Wer umkehrte, war nicht verloren. Rahab aus Jericho in Kanaan glaubte an Gott und wurde gerettet (Jos 6,25). Sie wurde sogar eine Vorfahrin von Jesus: „Salmon zeugte den Boas mit der Rahab“. Und als „eine kananäische Frau“ zu Jesus kam, half er ihr und sagte: „O Frau, dein Glaube ist groß“. Gott verschliesst niemandem die Tür, der zu ihm kommt.
Ellen G. White
Noah, speaking by divine inspiration, foretold the history of the three great races to spring from these fathers of mankind.Zusammenfassung: Noah sprach unter Gottes Eingebung und sagte die Geschichte der drei grossen Völkerfamilien voraus, die von diesen Stammvätern der Menschheit abstammen würden.
Ellen G. White
The unnatural crime of Ham declared that filial reverence had long before been cast from his soulZusammenfassung: Hams widernatürliche Tat zeigte, dass er die Ehrfurcht vor seinem Vater schon lange aus seinem Herzen verbannt hatte.
Ellen G. White
Tracing the descendants of Ham, through the son rather than the fatherZusammenfassung: Noah verfolgte die Nachkommen Hams über den Sohn und nicht über den Vater.
Ellen G. White
These evil characteristics were perpetuated in Canaan and his posterity, whose continued guilt called upon them the judgments of God.Zusammenfassung: Diese bösen Eigenschaften setzten sich in Kanaan und seinen Nachkommen fort, und ihre fortgesetzte Schuld brachte Gottes Gericht über sie.
Ellen G. White
But it showed what would be the result of the course of life they had severally chosen and the character they had developed.Zusammenfassung: Die Weissagung zeigte, wohin der Lebensweg führen würde, den jeder von ihnen gewählt hatte, und der Charakter, den er entwickelt hatte.
Wer war Kanaan, und wo lag das Land Kanaan?
Ham hatte vier Söhne: „Kusch, Mizraim, Put und Kanaan“. Nur über Kanaan spricht Noah ein Urteil. Die anderen drei Söhne Hams werden nicht genannt.
Aus Kanaan wurden viele Völker: „Zidon, seinen Erstgebornen und Het; auch die Jebusiter, Amoriter und Girgasiter“ und weitere. Zusammen nennt die Bibel sie «die Kanaaniter».
Sie wohnten im Land Kanaan. Die Bibel beschreibt seine Grenzen: „von Zidon an bis dahin, wo man von Gerar nach Gaza kommt“. Das ist der schmale Landstreifen zwischen dem Mittelmeer im Westen und dem Jordan und dem Toten Meer im Osten. Heute liegen dort Israel, die palästinensischen Gebiete, der Libanon (Zidon heisst heute Sidon) und Teile Syriens.
Dieses Land wird in der Bibel noch sehr wichtig: Gott schickt Abraham dorthin und verspricht: „Deinem Samen will ich dies Land geben!“ Später wird es das Land Israel, in dem auch Jesus lebte.
Wie Noahs Worte sich erfüllten
Die Kanaaniter entfernten sich immer weiter von Gott. Sie beteten Götzen an und verbrannten „sogar ihre Söhne und ihre Töchter“ als Opfer für ihre Götter.
Und doch hatte Gott viel Geduld. Zur Zeit Abrahams sagte er: „das Maß der Sünden der Amoriter ist noch nicht voll“. Er wartete noch über 400 Jahre. Ellen G. White schreibt, dass Gott das Urteil jahrhundertelang zurückhielt.
Erst als Israel unter Josua ins Land kam, erfüllten sich Noahs Worte: Manche Kanaaniter wurden „Holzhauern und Wasserschöpfern“, und Israel „machte es die Kanaaniter fronpflichtig“.
Ellen G. White
Though the prophetic curse had doomed them to slavery, the doom was withheld for centuries.Zusammenfassung: Obwohl die Weissagung ihnen Knechtschaft angekündigt hatte, wurde dieses Urteil jahrhundertelang zurückgehalten.
Wichtig: der sogenannte «Fluch Hams»
Diese Geschichte wurde lange Zeit schlimm missbraucht. Man behauptete, Ham sei der Stammvater aller Afrikaner, und Noahs Fluch habe sie für immer zu Knechten bestimmt. Mit dieser falschen Auslegung wurden der Sklavenhandel aus Afrika und die Sklaverei gerechtfertigt, zum Beispiel in den Südstaaten der USA im 19. Jahrhundert. Noch im 20. Jahrhundert diente sie in Südafrika dazu, die Trennung der Menschen nach Hautfarbe (Apartheid) zu begründen.
Das ist falsch, und die Bibel selbst zeigt es: Noah verflucht nicht Ham, sondern Kanaan. Die Kanaaniter lebten nicht in Afrika, sondern im späteren Land Israel. Und von einer Hautfarbe ist nirgends die Rede.
Gott „hat aus einem Blut das ganze Menschengeschlecht gemacht“. Jeder Mensch ist nach Gottes Bild geschaffen (1. Mose 9,6). Und in Christus gilt: „ihr seid alle einer in Christus Jesus“.
Ellen G. White sagt es deutlich: Noahs Worte legten das Schicksal niemandes fest.
Ellen G. White
The prophecy of Noah was no arbitrary denunciation of wrath or declaration of favor. It did not fix the character and destiny of his sons.Zusammenfassung: Noahs Weissagung war keine willkürliche Verfluchung oder Bevorzugung. Sie legte Charakter und Schicksal seiner Söhne nicht fest.
Die ganze Erde wird neu bevölkert
„Von diesen drei Söhnen Noahs ward die ganze Erde bevölkert“. Alle Menschen auf der Welt stammen also aus einer Familie. Wir sind alle miteinander verwandt.
Noah lebte nach der Flut noch 350 Jahre und starb mit 950 Jahren (1. Mose 9,28–29). Die nächste Etappe erzählt, wie sich die Menschen über die Erde verteilen und in Babel einen Turm bauen.
Für dich
Sem und Japhet deckten die Schwäche ihres Vaters zu, statt sie herumzuerzählen. Wie gehst du mit den Fehlern anderer um?