2 Erklärung
Gott sieht die Ungeliebte
„Als aber der HERR sah, daß Lea verhaßt war, machte er sie fruchtbar“. Wie bei Hagar sieht Gott die Frau, die zurückgesetzt wird. («Verhasst» heisst hier: weniger geliebt als Rahel.)
Leas Söhne tragen Namen, die ihre Sehnsucht zeigen: Ruben («Seht, ein Sohn»), weil sie hoffte, Jakob werde sie nun lieben. Bei Juda aber sagt sie: „Nun will ich den HERRN preisen!“ Juda bedeutet «Lob». Aus Judas Familie wird später Jesus kommen.
Ein Wettstreit um Kinder
Rahel ist eifersüchtig: „Schaffe mir auch Kinder, wo nicht, so sterbe ich“. Beide Frauen geben Jakob ihre Mägde, um mehr Kinder zu haben. Es wird ein trauriger Wettstreit, in dem jeder verliert.
Erlaubt Gott hier Vielweiberei?
Wer das liest, fragt sich vielleicht: Jakob hat zwei Frauen und bekommt dazu noch Kinder mit ihren beiden Mägden. Rahel sagt sogar selbst: „Siehe, da ist meine Magd Bilha, komm zu ihr“. Ist das in der Bibel einfach in Ordnung?
Nein. Gott hat die Ehe von Anfang an für einen Mann und eine Frau gemacht: „die zwei werden ein Fleisch sein“. Jesus sagt dazu: „von Anfang an aber ist es nicht so gewesen“.
Warum dann die Mägde? Damals galt es als Schande, keine Kinder zu haben. Nach dem Brauch jener Zeit konnte eine kinderlose Frau ihre Magd ihrem Mann geben, und das Kind galt dann als ihr eigenes. Sara hatte das schon mit Hagar getan (1. Mose 16,1–4), und es brachte nur Streit. Ein Brauch der Menschen ist aber noch kein Gebot Gottes.
Die Vielweiberei war so verbreitet, dass man sie nicht mehr als Sünde ansah. Aber sie war trotzdem eine Übertretung von Gottes Gesetz und zerstörte die Heiligkeit und den Frieden in der Familie. Bei Jakob sagt sie: Die Folgen der Vielweiberei zeigten sich in der Familie.
Genau das zeigt die Bibel in diesen Kapiteln: Lea fühlt sich ungeliebt, Rahel ist eifersüchtig, die Schwestern streiten, die Söhne werden neidisch und verkaufen später ihren eigenen Bruder Josef (1. Mose 37,28). Die Bibel zeigt die Folgen, statt sie zu verschweigen. Später verbietet Gott dem König ausdrücklich, viele Frauen zu nehmen (5. Mose 17,17), und im Neuen Testament soll ein Leiter der Gemeinde „eines Weibes Mann“ sein.
Dass Gott trotzdem aus dieser Familie die zwölf Stämme Israels macht, heisst nicht, dass er alles gut fand. Es zeigt seine Gnade: Er arbeitet mit Menschen, wie sie sind, und führt seinen Plan weiter, auch durch ihre Fehler hindurch.
Ellen G. White
Polygamy had become so widespread that it had ceased to be regarded as a sin, but it was no less a violation of the law of God, and was fatal to the sacredness and peace of the family relation.Zusammenfassung: Die Vielweiberei war so verbreitet, dass man sie nicht mehr als Sünde ansah; aber sie war dennoch eine Übertretung von Gottes Gesetz und zerstörte die Heiligkeit und den Frieden der Familie.
Ellen G. White
The results of polygamy were manifest in the household.Zusammenfassung: Die Folgen der Vielweiberei zeigten sich in der Familie.
Ändert Gott seine Meinung?
Wer das liest, stolpert vielleicht: „Als aber der HERR sah, daß Lea verhaßt war, machte er sie fruchtbar und Rahel unfruchtbar.“ Und später: „Aber Gott gedachte an Rahel, und Gott erhörte ihr Gebet und machte sie fruchtbar.“ Hat Gott zuerst Rahel bestraft und es sich dann anders überlegt?
Nein. Gott ändert seine Meinung nicht wie ein Mensch: „Gott ist nicht ein Mensch, daß er lüge, noch ein Menschenkind, daß ihn etwas gereue.“ Bei ihm ist „keine Veränderung“. Der Vers sagt auch, warum er so handelte: weil er sah, dass Lea ungeliebt war. Rahel hatte die ganze Liebe ihres Mannes, Lea hatte nichts. Gott stellte sich auf die Seite der Zurückgesetzten. Er handelte aus Gerechtigkeit und Mitgefühl.
Und Rahel? Sie suchte zuerst Hilfe bei Menschen. Sie sagte zu Jakob: „Schaffe mir auch Kinder, wo nicht, so sterbe ich.“ Dann versuchte sie es mit ihrer Magd. Jakob antwortete ihr richtig: „Bin ich denn an Gottes Statt, der dir Leibesfrucht versagt?“ Kinder kann kein Mensch «machen», sie sind ein Geschenk Gottes (Ps 127,3). Erst als Rahel betete, erhörte Gott ihr Gebet.
«Gott gedachte an Rahel» heisst nicht, dass er sie vorher vergessen hatte. In der Bibel bedeutet «gedenken»: Gott greift zum richtigen Zeitpunkt ein. Dasselbe Wort steht bei Noah in der Arche (1. Mose 8,1) und bei Hanna (1. Samuel 1,19).
Auffällig ist: Sara, Rebekka, Rahel und später Hanna waren alle lange unfruchtbar (1. Mose 11,30; 1. Mose 25,21). Und gerade ihre Söhne, Isaak, Jakob, Josef und Samuel, wurden für Gottes Plan besonders wichtig. So zeigte Gott immer wieder: Diese Kinder sind nicht menschliche Leistung, sondern sein Geschenk. Rahel selbst sagt bei Josefs Geburt: „Gott hat meine Schmach von mir genommen!“
Wissenswert: Die zwölf Söhne
Von Lea: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Issaschar, Sebulon (und die Tochter Dina). Von Leas Magd Silpa: Gad und Asser. Von Rahels Magd Bilha: Dan und Naphtali. Von Rahel: Josef und später Benjamin.
Aus ihnen werden die zwölf Stämme Israels. Ihre Namen stehen am Ende der Bibel sogar auf den Toren des neuen Jerusalem (Offb 21,12).
Für dich
Gott sah Lea, die sich ungeliebt fühlte. Wo fühlst du dich übersehen, und was bedeutet es dir, dass Gott dich sieht?